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Schifffahrt : „Peking“ liegt auf dem Trockenen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach der spektakulären Atlantiküberquerung der historischen Viermastbark beginnt auf der Wewelsflether Peters Werft jetzt die eigentliche Arbeit. Bis Ende nächsten Jahres liegt die „Peking“ dort im Trockendock.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 05:20 Uhr

Fast scheint es, als sperre sich die „Peking“ ein wenig gegen ihre bevorstehende Grundsanierung. Auf Kurs gehalten vom werfteigenen Schlepper „Primus“ landet die historische Viermastbark nach mehreren Anläufen dann aber doch im Trockendock der Wewelsflether Peters Werft. Mitarbeiter hatten in dem Bassin zuvor die Pallen passgenau für den Rumpf des 100 Jahre alten Seglers ausgerichtet und anschließend das Störwasser wieder hineingelassen. Nachdem die „Peking“ dann auch in Position bugsiert worden ist, kann sie in fast schon majestätischer Manier ins Trockendock hineingleiten.

Immer wieder mit Hilfe von schweren Stahlseilen nachjustiert füllt die Bark zumindest von der Länge her fast komplett das 120-Meter-Dock aus. Am einen Ende ragt nur noch der Klüverbaum ins Freie. Die großen Stahlmasten waren zuvor bereits mit Hilfe eines Krans demontiert worden. Sie liegen nebenan bereit für eine Überarbeitung. Hinter der „Peking“ schlossen sich die Sperrtore in Richtung Stör. Gut zwei Stunden später liegt der stattliche Segler komplett im Trockenen. Erst voraussichtlich Ende nächsten Jahres wird die „Peking“ wieder in ihr Element zurückkehren.

Zahlreiche Werftmitarbeiter verfolgen das Schauspiel – unter ihnen auch die beiden verantwortlichen Projektleiter: Alexandre Poirier (Stiftung Hamburg Maritim) und Lars Biemüller (Peters Werft). Letzterer blickt dem Vorhaben ausgesprochen entspannt entgegen: „Eigentlich ist es egal, ob ein Schiff 50 oder 100 Jahre alt ist.“ Und: „Stahl ist Stahl.“ Zunächst bekommen es der Schiffbaumeister und seine Leute aber mit einem Haufen Beton zu tun. Der Baustoff sorgt nämlich im Rumpf für den erforderlichen Ballast und muss Stück für Stück herausgeschnitten und per Kran weggehievt werden. Anschließend wird der Rumpf der „Peking“ neu aufgebaut und mit einer Art doppeltem Boden, der später Wasser als Ballast aufnehmen soll, ausgestattet.

„Stahl, Holz und Farbe“, fasst Werftchef Mark Dethlefs den Anteil seines Unternehmens an der Wiederherstellung eines maritimen Erbes zusammen. Die größte Herausforderung? „Das Schiff optisch wieder so herstellen, dass man es vorzeigen kann.“ Dazu sollen auch so viele Bauteile wie irgendmöglich wiederverwendet werden. Von Wewelsfleth aus wird die „Peking“ allerdings direkt nach Hamburg ins noch geplante Hafenmuseum fahren. „Bis dahin sind es aber noch zweieinhalb Jahre harte Arbeit“, sagt Juniorchef Sebastian Dethlefs. Im Schnitt würden 30 bis 50 eigene Mitarbeiter an der „Peking“ arbeiten. Hinzu kämen je nach Bedarf 100 bis 300 externe Fachkräfte. „So etwas gibt es nur einmal im Leben eines Schiffbauers“, hatte Mark Dethlefs seiner Belegschaft mit auf den Weg gegeben. Und der noch junge Schiffbauingenieur Alexandre Poirier schwärmt: „Der Segler war damals 18 Knoten schnell. Das schaffen heute nicht einmal moderne Containerfrachter mit ihrem ,Slow Steaming’“.

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