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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 00:14 Uhr

Pauluskirche holt Bürger auf die Kanzel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Evangelische Gemeinde Brunsbüttel will dem Reformationstag wieder mehr Beachtung verschaffen / Auftakt mit Politikerin Anja Hajduk

von
erstellt am 21.Okt.2015 | 10:27 Uhr

Mit dem Anschlagen von 95 Thesen zu Ablasshandel und Buße an die Tür der Wittenberger Schlosskirche läutete Martin Luther die Reformation der Kirche ein. Daran wird seit 498 Jahren am Reformationstag erinnert. Doch das Gedenken an die Befreiung – zumindest eines Teils der Bevölkerung – von der Unterdrückung durch eine machtorientierte Kirche hat an Bedeutung verloren. Das aus den USA importierte Spektakel „Halloween“ verdrängt die Bedeutung des 31. Oktober. In der Brunsbütteler Kirchengemeinde soll dem Tag zu neuer Attraktivität verholfen werden. In der Pauluskirche findet am Reformationstag erstmals die „Bürgerkanzel“ statt: Nicht eine klassische Predigt wird zu hören sein, sondern eine Rede. Die hält die Grünen-Bundestagsabgeordnete Anja Hajduk.

Welcher Ort, fragt Pastor Klaus Struve, sei dafür geeigneter als die Pauluskirche? Die sei vor 100 Jahren im Zusammenhang mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals errichtet worden. Die künstliche Wasserstraße sei für die kaiserliche Marine angelegt worden – ein höchst politisches Unterfangen, erinnert Struve. Heute sei Brunsbüttel die Schnittstelle eines globalisierten Warenverkehrs, „in der Seemannsmission kümmern wir uns um die Schattenseiten der Seefahrt“. Politik und Kirche, so Struve, müssen sich also nicht ausschließen. Ohnehin ist er überzeugt: „Brunsbüttel ist keine normale Dithmarscher Kirchengemeinde, die Stadt hat eine besondere Situation durch Industrie und Hafen.“

Diese Kirchengemeinde sei politisch gut vernetzt, betont er. Dass Anja Hajduk als erstes auf die „Bürgerkanzel“ darf, liegt an einer zufälligen Begegnung im vorigen Jahr im Hamburger Rathaus. Dort traf Struve am Rande einer Synode auf die Grünen-Politikerin. „Hamburg ist wie Brunsbüttel eine Hafenstadt, das passt“, befanden beide. Damit war der Auftakt der Veranstaltungsreihe geklärt. In Zukunft soll jeweils am Reformationstag ein Redner von der Kanzel der Pauluskirche zu einer, wie Struve hofft, interessierten Gemeinde sprechen. Inhaltlich gebe es keine Vorgaben, lediglich das Thema stehe fest. In diesem Jahr: „Die Eine Welt und die Reformation“. Das, so der Pastor, passe „ganz genau an diesen Ort“. Struve findet die Öffnung des Gotteshauses für eher weltliche Betrachtungen spannend: „Als protestantische Kirche wollen wir kritisch-kreativ an das Thema herangehen.“

Er weiß, dass viele Gemeinden resigniert hätten, wenn es um Reformationsgottesdienste geht. „Brunsbüttel hat durchgehalten. Wir haben eine feste Hörerschaft.“ Natürlich hofft er, mit der Aktion „Bürgerkanzel“ noch mehr Menschen in die Pauluskirche holen zu können. Denn die Bedeutung des Tages sei gerade in einer Zeit, in der es um Wertediskussion gehe, unverändert groß – auch nach fast 500 Jahren. Struve: „Luther hat etwas aufgebrochen, was wir heute als System der perfekten Unfreiheit bezeichnen würden.“

Anders als bei den klassische Gottesdiensten gibt es anschließend auch Gelegenheit, mit der Rednerin über ihren Beitrag zu sprechen. Ein gewollter Gedankenaustausch. „Je besser wir uns positionieren, um so besser bestehen wir gegen kommerzialisiertes Brauchtum wie Halloween.“

> Reformationsgottesdienst mit Anja Hajduk: 31. Oktober, 19 Uhr, Pauluskirche (Kautzstraße).

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