Überfülltes Krankenhaus : Patienten kritisieren Klinikum Itzehoe: „So kann man nicht gesund werden“

Das Krankenhaus wird immer größer – trotzdem ist zu Spitzenzeiten nicht genug Platz für alle Patienten, die versorgt werden wollen.
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Das Krankenhaus wird immer größer – trotzdem ist zu Spitzenzeiten nicht genug Platz für alle Patienten, die versorgt werden wollen.

Patienten klagen über die zu hohe Belegung verschiedener Stationen. Die nötige Klinik-Erweiterung ist noch im Bau.

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12. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Itzehoe | Das Essen war sehr gut. Ansonsten hat Christina Krämer sich im Klinikum Itzehoe aber gar nicht gut aufgehoben gefühlt. „Überbelegung“ ist das Stichwort, unter dem die Itzehoerin ihre Kritik zusammenfasst. Und sie ist damit nicht allein. Auch andere Patienten klagen über zu viele Betten in zu kleinen Zimmern. Bei der Klinikleitung sind die Probleme bekannt. Schnelle Lösungen sind für Spitzenzeiten nicht zu erwarten. Erst nach der Fertigstellung der laufenden Neubauten ist eine deutliche Steigerung der Bettenzahl möglich.

Mit starken Schmerzen kam Christina Krämer Anfang November in die Notaufnahme und wurde stationär aufgenommen. Zunächst war unklar, was der 37-Jährigen fehlte. Viele Untersuchungen musste sie über sich ergehen lassen, blieb mehrere Wochen im Klinikum. „Zunächst war ich ganz normal mit zwei weiteren Patienten im Dreibettzimmer untergebracht“, sagt sie. Doch dann seien noch zwei weitere Betten in das Zimmer auf einer Station der Inneren Medizin gebracht worden. „Ab da waren wir über längere Zeit immer zu viert oder zu fünft im Zimmer.“ Sehr unangenehm sei dies gewesen. „Die Luft war teilweise nicht auszuhalten. Und es war viel zu eng.“ Krämer war auf einen Rollstuhl angewiesen und bekam Infusionen. „Damit konnte ich das Zimmer nicht verlassen, weil die Kabel und Schläuche für die Extrabetten im Weg waren.“ Das Personal – Ärzte wie Pfleger – habe auf sie einen überforderten Eindruck gemacht, sagt Krämer. „So kann man nicht gesund werden“, lautet das Fazit ihre Klinikaufenthalts.

Ingeburg Schmidt-Rotter hat Ähnliches erlebt. Auch sie wurde als Notfall Anfang November auf der „Inneren“ eingeliefert. Auch sie lag mit vier anderen Menschen in einem Dreibettzimmer. Die Enge habe dazu geführt, dass „Hygiene- und Arbeitsschutzbestimmungen total außer Acht gelassen wurden“, klagt die Itzehoerin. „Fünf Betten, vier Nachtschränke, drei Gehwagen, entsprechende Taschen und Koffer und dazwischen noch Sauerstoffleitungen und Ähnliches.“ Eine adäquate Reinigung sei für das Personal, das Schmidt-Rotter ausdrücklich von ihrer Kritik ausnehmen möchte, nicht möglich gewesen. „Wo bleibt die Fürsorge?“, fragt Schmidt-Rotter.

Er könne die Kritik nachvollziehen, sagt dazu Bernhard Ziegler, Direktor des Klinikums. Es sei richtig, dass die Zahl der Patienten im November besonders hoch war. „Rappelvoll“ sei es gewesen. Dies habe zu der Belegung von Dreibettzimmern mit Zustellbetten geführt. „Wir wissen, dass dies für die Patienten nicht optimal ist“, sagt Ziegler. Das Klinikum versuche, die „Fünferbelegung“ nach Möglichkeit zu vermeiden. Nicht nur wegen der Patienten – auch für das Personal sei dies eine Belastung. Einfach Patienten ablehnen könne das Krankenhaus aber auch nicht. „Wir sind ein relativ großer Versorger, und wenn wir sagen, wir nehmen niemanden mehr auf, hat dies weitreichende Folgen“, erklärt Ziegler. Notfälle müssen dann auf andere Krankenhäuser verteilt werden – mit entsprechend längeren Anfahrten, was für diese Patienten nachteilig sein kann. Und für andere Menschen kann dies noch ernstere Folgen haben: Sind die Rettungswagen deutlich länger unterwegs, fehlen sie im Kreis für neue Notfälle. Unter Umständen kann dann die vorgeschriebene Hilfsfrist nicht eingehalten werden.

Mehrfach habe das Klinikum in den vergangenen Monaten zeitweise einen Aufnahmestopp verhängen müssen, berichtet Ziegler. Ziel sei aber immer, dies zu vermeiden. Dass so viele Patienten ins Itzehoer Krankenhaus kämen, zeige schließlich, dass sie dort eine gute medizinische Versorgung erwarteten, sagt Ziegler. Sie abzuweisen, könne nur Ultima Ratio sein. Die Probleme sind nicht neu. Seit längerem wachsen die Patientenzahlen am Klinikum jährlich zwischen zwei und vier Prozent. Deshalb wird das Klinikum auch umfassend erweitert.

Doch bis die Neubauten fertig sind, wird noch etwas Zeit vergehen. Frühestens im Herbst 2018, wenn Abteilungen des Zentrums für Psychosoziale Medizin in den dann fertiggestellten Neubau für selbiges umgezogen sind, können neue Kapazitäten für andere Abteilungen aufgebaut werden, so Ziegler. „Die Räume müssen dann aber erstmal entsprechend umgebaut und modernisiert werden.“ Bis dahin sind weitere Engpässe nicht ausgeschlossen. Ob es im Dezember im Klinikum ähnlich voll werde wie im Vormonat, sei noch nicht abzusehen, sagt der Klinikchef.

Christina Krämer hofft, dass sie so schnell nicht wieder ins Krankenhaus muss. Falls doch, steht für sie fest, dass sie „nach Hamburg“ gehe. Dort, so hat sie gehört, gebe es Kliniken, die weniger stark belegt seien.

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