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Festakt : Patenschaft aktuell wie vor 60 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Kreis Steinburg sowie die Städte Itzehoe und Krempe feiern das Doppeljubiläum der Verbindungen mit Preußisch Holland und Reichenbach. Eine neue Urkunde bekräftigt den Akt der Solidarität.

Mit großem Programm wurde am Wochenende ein Doppeljubiläum gefeiert: 60 Jahre Patenschaft des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe für den Kreis und die Stadt Preußisch Holland sowie 50 Jahre Patenschaft der Stadt Krempe für die Gemeinde Reichenbach. Ein Höhepunkt war die feierliche Unterzeichnung einer Urkunde, mit der diese Patenschaft noch einmal bekräftigt wurde.

Für Innenminister Andreas Breitner, der kurzfristig absagen musste, überbrachte Staatssekretär Rolf Fischer aus dem Kieler Wissenschaftsministerium die Grüße der Landesregierung. Mit der Patenschaft sei es gelungen, den aus Ostpreußen geflüchteten und vertriebenen Menschen eine neue Heimat zu geben, sagte er. „Heimat schafft Identität! Und Identität braucht der Mensch!“ Denjenigen, die damals gezwungen gewesen seien, sich an einem fremden Ort ein neues Leben aufzubauen, sei alles entrissen worden, was bis dahin ihr Dasein ausgemacht habe. Der Kreis Steinburg, Itzehoe und Krempe hätten mit ihren Patenschaften dazu beigetragen, die Integration der Vertriebenen zu einem Erfolg werden zu lassen. Dabei hätten die Vertretung der heimatpolitischen Interessen, die Erhaltung von Brauchtum und Kultur, die Wahrung der Identität sowie die Zusammenführung versprengter Familien eine herausragende Rolle gespielt.

Nach dem Fall der Mauer und der politischen Wende 1989/90 habe sich ein neues Kapitel mit bis dahin ungeahnten Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Partnern in Osteuropa eröffnet. Fischer sprach von einem „Auftakt einer neuen Dimension der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“ auf polnischer und deutscher Seite. Seitdem habe sie ihren Ausdruck in zahlreichen Vorhaben beim Erhalt und der Restaurierung wertvoller Kulturgüter, im Denkmalschutz, in Ausstellungen, persönlichen Kontakten, Projekten und Meinungsaustausch gefunden, lobte er.

Zuvor hatte Bürgervorsteher Heinz Köhnke in einer bewegenden Rede eine Vertriebene durch deren Tagebuchaufzeichnungen zu Wort kommen lassen. Mit der Begründung der Patenschaft am 2. August 1953 hatte die junge Frau das Gefühl empfunden, dass ihre Familie zwar ihre Heimat im Osten verloren habe, aber nun auf dem Weg sei, eine neue, eine zweite Heimat zu bekommen.

Köhnke erinnerte an Persönlichkeiten wie Bürgermeister Joachim Schulz und Bürgervorsteher Busch, die diese Patenschaft mit Leben erfüllt hätten. Durch besonderes Engagement zeichne sich der heutige Kreisvertreter Bernd Hinz aus, der bereits zum fünften Mal seit 1973 ein rundes Patenschafts-Jubiläum miterlebe. Dank und Anerkennung sprach Köhnke auch dem Wilsteraner Ehepaar Gudrun und Bernd Collmann für deren Einsatz im Haus der Heimat aus, das zu einem Schmuckstück in der Stadt geworden sei. In besonderer Weise hob er die Verdienste von Bernd Hinz hervor, der gemeinsam mit seinem Team die Kreisgemeinschaft Preußisch Holland auf einen Weg gebracht habe, der bei Polen und Deutschen höchste Anerkennung gefunden habe. „Gehen Sie weiter diesen Weg. Wir als Stadt Itzehoe werden Sie gern begleiten.“

Landrat Torsten Wendt würdigte die Arbeit von Kreis und Stadt für die Patenschaft. Die friedliche Gestaltung der Zukunft erfordere weiterhin Toleranz und Respekt, sagte Wendt und versprach: „Der Kreis Steinburg wird weiterhin fest zu dieser Patenschaft stehen.“

Krempes Bürgermeister Volker Haack rief zum 50. Jahrestag des „kleineren Jubiläums“ den Text der Patenschaftsurkunde in Erinnerung und nannte die führenden Kräfte, die sich für die Patenschaft eingesetzt hatten. „Was sich in Krempe 50 Jahre bewährt hat, wird weiter bestehen“, versprach er. Präsente überreichte er an die 94-jährige Elly Eigenbrodt aus Reichenbach, die alle Heimattreffen mitgemacht hat, sowie an Gudrun Collmann für ihren ehrenamtlichen Einsatz für die Patenschaft mit Reichenbach, der Heimat ihrer Mutter.

Bernd Hinz, Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Preußisch Holland, sah in der Patenschaft einen wichtigen Akt der Solidarität. Er würdigte Joachim Schulz, 1953 Bürgermeister in Itzehoe und zuvor Bürgermeister und Landrat in Preußisch Holland, als Vater der jetzt 60-jährigen Patenschaft. Zum Gedenken an Joachim Schulz und Paul Barth, der sich in gleicher Weise für die Patenschaft eingesetzt hatte, legte die Kreisgemeinschaft am Sonntagmorgen Kränze an deren Gräbern nieder. Die Patenschaft, sagte Hinz, sei heute genauso aktuell wie vor 60 Jahren. Sie sei eine Erfolgsgeschichte, die parteiübergreifend geschrieben worden sei.


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erstellt am 16.Sep.2013 | 17:00 Uhr

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