zur Navigation springen

Stadtkirche Glückstadt : Paten gesucht für neue Orgel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Kirchengemeinde benötigt finanzielle Unterstützung. TV-Journalist Rolf Seelmann-Eggebert hat die Schirmherrschaft übernommen.

Suppe, Schnittchen und Wein: Gestern ließen es sich Glückstädter auf der Empore der Stadtkirche vor der Orgel gut gehen. Eingeladen waren sie, um für ein besonderes Projekt zu werben – für ein neues Instrument. Pastorin Gabriele Schinkel sprach von einem „Jahrhundertprojekt“ und einem „großen Traum“. Jeder Bürger könne „ein Stück Orgel bekommen“.

„Bringen Sie die Orgel zum Klingen“, sagte sie zu den Gästen, die dem Projekt offensichtlich alle wohlgesonnen gegenüberstanden. Schinkel: „Unsere Idee ist, Sie tragen es in die Gemeinde.“ Damit meinte sie Spenden für einzelne Orgelpfeifen. Sie selbst habe ihrem Ehemann Michael zum Geburtstag die Pfeife Nr. 1007 geschenkt. Die Gäste hatten auf ihren Sitzplätzen Flyer liegen. In diesen waren die Preiskategorien bereits aufgeführt. Pfeifen können gesponsert werden in der Höhe von 10, 25, 50, 100, 250, 500 und 1000 Euro. Als Dank gibt es eine Patenschaftsurkunde.

In diesem Flyer ist auch nachzulesen, dass Rolf Seelmann-Eggebert die Schirmherrschaft des Projektes übernommen hat. Bekannt ist der ARD-Fernsehjournalist als Experte für Königshäuser. Wohl auch deshalb schreibt er in seiner Grußbotschaft: „Die Orgel, sagt man, ist die Königin der Instrumente.“ Auch er bittet darum zu helfen, dass die Stadtkirche eine neue Orgel bekommt. Der Kontakt kam über Kantor Florian Hanssen zustande.

Gemeindemitglied Antje Withers hatte für das Essen an diesem Tag gesorgt. Sie trug ein Gedicht rund um die Orgel vor, wofür sie viel Applaus bekam. „Der Weg ist das Ziel“, lautete ihr Kernsatz.

Für einen Gast gab es eine besondere Ehrung: Kantor Hanssen überreichte Michael Mertz die Ehrenurkunde für die „Pfeife Nr. 6“. Denn der Bäckermeister backt seit Jahren zugunsten der Orgel. So spendete er jüngst das „Lutherbrot“ anlässlich des Kirchentages am Hafen. „Ich fühle mich sehr geehrt“, sagte Mertz. „Ich unterstütze gerne.“

Florian Hanssen erläuterte in einem interessanten Vortrag, warum die Stadtkirche eine neue Orgel brauche. Dazu schlug er auch immer mal wieder ein paar Töne an. „Schon 1659 wurde Geld für eine Orgel gesammelt“, erinnerte der Kantor. Damals hatte Orgelbauer Berend Hueß am Fleth 40 seine Werkstatt. 1661 bekam er den Auftrag, das Instrument zu bauen. Interessant für Historiker ist, dass der wohl bedeutendste norddeutsche Orgelbauer, Arp Schnitger, sein Handwerk bei Hueß lernte. Schon 1674 wurde Berend Hueß der Auftrag erteilt, die Orgel zu erweitern. Diese Arbeiten wurden von Schnitger fertiggestellt. 1880 gab es wieder eine neue, gebaut von der Firma Schlag und Söhne. Die Figuren des Orgelprospekts von 1664 wurden auf dem Dachboden der Kirche eingelagert und 1940 an die Gemeinde in Burg auf Fehmarn verkauft, wo sie auch noch heute zu sehen sind. Seit 1962 steht nun die Orgel der Firma Kemper und Sohn, Lübeck, auf der Orgelempore. Mehrere Probleme stellten sich mit den Jahren heraus. Ein großes ist: „Diese Orgel ist an den Kirchturm angeschraubt“, erklärte Florian Hanssen: „Jeder Glockenschlag wirkt sich auf die Pfeifen aus.“ Und weil sich der Motor im Turmhaus befindet, sind die Pfeifen immer wieder kalter Luft ausgesetzt. Und an einige komme er gar nicht heran, so Hanssen. 1999 wurde die Orgel gereinigt und grundüberholt, zudem wurden einige Register ausgetauscht. 2009 wurde das Instrument wieder gereinigt. Seit einigen Jahren steht jedoch fest: Es muss eine neue Orgel her. Die, die sich die Kirchengemeinde jetzt ausgesucht hat, kostet 498  000 Euro. Erste Spenden gibt es bereits, aber 100  000 Euro werden noch benötigt.

Unter den Gästen gestern waren auch Alexander Valentin und Peter Ahrens. Sie möchten je eine große Pfeife sponsern, aber gerne mit ihrem Namen drauf. Den Schriftzug würden sie selbst bezahlen. „Vielleicht findet das ja Nachahmer“, so Valentin. Florian Hanssen versprach noch nichts, er will erst einmal nachfragen, ob dies möglich ist.

Während darüber diskutiert wurde, hatte ein Gast bereits ein Formular ausgefüllt – Jens Blödorn spendet für drei Pfeifen. Und Bürgermeisterin Manja Biel nahm für die Stadt Glückstadt die „Pfeife Nr. 400“.


zur Startseite

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 05:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen