Propst zur Situation in der Kirchengemeinde Wilster : Pastoratsverkauf eröffnet auch neue Chancen

Ein Schnäppchen für Liebhaber: Das  Pastorat Am Markt 12 soll verkauft werden.
Ein Schnäppchen für Liebhaber: Das Pastorat Am Markt 12 soll verkauft werden.

Dr. Thomas Bergemann sieht Möglichkeiten, die Finanzlage zu verbessern. Dadurch kann das Gemeindehaus Sonninstraße erweitert werden.

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30. November 2013, 08:30 Uhr

Es gibt kirchenrechtliche Vorschriften, die für den Normalbürger schlecht zu verstehen sind. Einig sind sich die Kirchengemeinde Wilster und der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf darüber, dass beide Pastorate in Wilster am Markt 12 und 13 verkauft werden sollen. Dabei bleibt es der jetzt in einem dieser Kirchen-Immobilien wohnenden Familie von Pastorin Telse Möller-Göttsche allerdings versagt, ihr jetziges Wohnhaus käuflich zu erwerben. Die Nordkirche schreibt eine Dienstwohnungspflicht vor, nach der ihr eine Dienstwohnung zugewiesen werden muss. Wohneigentum darf nicht von ihr bewohnt werden. Das hieße, Pastorin Telse Möller-Göttsche dürfte auch kein anderes Wohngebäude für sich und ihre Familie erwerben. „Auf Beschluss des Kirchengemeinderats läuft jetzt ein Antrag auf Befreiung von dieser Dienstwohnungspflicht“, erklärte Propst Dr. Thomas Bergemann in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir bemühen uns um eine Ausnahmegenehmigung.“

In den vergangenen Jahren habe es viele gute Gespräche zwischen Kirchengemeinde und Kirchenkreis gegeben, hob der Propst hervor. Wilster habe eine große, schöne Kirche, die viel Geld koste. Die Entscheidung, das Pastorat Am Markt 12 zu verkaufen, sei unumgänglich gewesen, weil die Sanierung aufgrund des Schwammbefalls nicht mehr bezahlbar sei. „Der Verkauf eröffnet auch neue Chancen, um die Finanzen zu verbessern und Mittel für die Erweiterung des Gemeindehauses bereitstellen zu können“, sagte Propst Bergemann. Hier helfe der Kirchenkreis, der die für das Pastorat bewilligten Mittel von 178 000 Euro für das Pastorat nunmehr auf das Gemeindehaus „umgeswitcht“ habe. Zugleich gelte das Versprechen, dass Wilster den Verkaufserlös des Pastorats oder auch beider Pastorate für die Investitionen in das Gemeindehaus verwenden dürfe. Hier sollen Räume für das Kirchenbüro, Amtszimmer der Pastoren und des in der Jugendarbeit tätigen Mitarbeiters geschaffen werden. „Kirchengemeinde und Kirchenkreis sehen das gleich. Wir ziehen an einem Strang, und das auch in dieselbe Richtung“, unterstrich er.

Er bedauerte, dass es für die Kinderstube keine Zukunft mehr gebe. Von fehlender finanzieller Unterstützung durch den Kirchenkreis könne allerdings keine Rede sein. Der Kirchenkreis übernehme für alle evangelischen Kitas fünf Prozent der ungedeckten Kosten. Im Zuge der Gleichbehandlung habe man diesen Zuschuss, der im gesamten Kirchenkreis mit 400 000 Euro zu Buche schlage, nicht ausweiten können. 95 Prozent fielen der Kirchengemeinde zur Last. Schließlich setzen fehlende Räume ein vorzeitiges Ende der Kinderspielstube schon zum Sommer nächsten Jahres. Die fehlende Unterstützung durch die Stadt und das Umland wertete auch Dr. Bergemann ebenso wie kürzlich die Kirchenälteste Cordula Boll als Zeichen, dass die Kinderstube politisch nicht gewollt sei. Der Propst zeigte dafür aber auch ein gewisses Verständnis, da sich die Kommunen bei ihren eigenen Kitas und deren Ausweitung um U3-Plätze finanziell stark engagieren.

Nachdem bereits viel Geld in die Sanierung des Pastorats Am Markt 12 geflossen sei, habe der plötzlich entdeckte Schwammbefall das Aus für die weiteren Arbeiten bedeutet. Der Kirchengemeinderat stehe damit ratlos vor einer sehr schwierigen Situation. Müssten öffentliche Zuschüsse zurückgezahlt werden, schmälere das den Verkaufserlös. Doch Wilster müsse sichkeine großen Sorgen machen. Der Kirchenkreis könnte möglicherweise Gelder für die Gemeindehauserweiterung aus einem „Bautopf“ bewilligen. „Ich würde mich als Propst dafür verwenden“, versprach Dr. Bergemann.

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