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Kirche zu Süderau : Pastorat verkauft – Gotteshaus saniert

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Um die Kirche zu Süderau zu sanieren, ging die Kirchengemeinde einen besonderen Weg: Sie verkaufte das Pastorat, um die Arbeiten zu finanzieren.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2015 | 12:04 Uhr

Die meisten Kirchen sind alt, einige sogar sehr alt. Das erfordert in den allermeisten Fällen intensive Pflege – von einfachen Arbeiten bis zu aufwändigen Sanierungen. Und das ist mit Kosten verbunden, oft müssen fünf- oder sogar sechsstellige Summen investiert werden, um die Gotteshäuser zu erhalten. Überall, wo es möglich ist, greift der Kirchenkreis den Kirchengemeinden unter die Arme. Doch auch im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf, der für große Bereiche im Kreis Steinburg, aber auch Hohenfelde-Hörnerkirchen, Barmstedt und Elmshorn zuständig ist, sind die finanziellen Mittel begrenzt.

In der Kirchengemeinde Süderau ging man besondere Wege, um das Gotteshaus zu erhalten. Dort wurde das Pastorat verkauft, um die notwendige Sanierung der Kirche zu Süderau zu stemmen. 2007 begannen die Planungen, seit 2010 wird der spätklassizistische Backsteinbau, der erst wenig mehr als 160 Jahre alt ist, stückweise wieder in Schuss gebracht. Bei einem Rundgang erklärte Architekt Jan-Peter Witte interessierten Mitgliedern des Vereins der Architekten und Ingenieure des Kreises Pinneberg, näheres zu den ausgeführten Sanierungsarbeiten und der weiteren Planung.

Ein grober Fehler in der Planung im Jahr 1847 hat mit der Zeit zu zahlreichen Schäden an dem Bau geführt. „Bei der Errichtung der Kirche sind die Baugrundverhältnisse nicht ganz ernst genommen worden“, erklärte Witte. Aus diesem Grund hatte es damals beim Turmbau auch Verzögerungen gegeben. Erst 1883, also 36 Jahre nach dem Kirchenbau, war der Turm fertig geworden – und das deutlich niedriger als ursprünglich vorgesehen. „Er hatte sich auf dem weichen Grund zu stark geneigt. Kurzerhand wurde die Spitze abgenommen und die Höhe reduziert.“

Die Schäden wurden mit der Zeit nicht weniger. Durch massive Absenkungen von bis zu 20 Zentimetern sind am Mauerwerk breite Risse entstanden. Architekt Jan-Peter Witte: „Aktuelle Gutachten besagen, dass die Absenkungen vermutlich noch nicht ganz abgeschlossen sind.“ Ein weiteres Problem bereitet der von W. F. Meyer geplanten Kirche die aufsteigende Feuchtigkeit. In Kombination mit falschen Materialien haben Salze die Fugen und die Backsteine zerfressen. Einige Risse zogen sich fast durch die gesamte Dicke des Mauerwerks, waren 60 bis 70 Zentimeter tief. Und da haben die Kirchensanierer um den Architekten angesetzt. Insgesamt 3000 Ziegel haben Witte und Sebastian Schmeelke, der die Maurer- und Rohbauarbeiten ausgeführt hat, markiert und später ausgetauscht. „Wir haben allein drei Versuche unternommen, bis wir endlich den richtigen Mörtel hatten“, so Schmeelke.

Auch das Problem der Absackung ist nach Ansicht von Jan-Peter Witte inzwischen gebannt. „Das beste wäre gewesen, die Seitenwände mit einer Tiefgründung zu versehen. Aber das wäre aus Kostengründen nicht machbar gewesen.“ Weit über eine halbe Million Euro hätte dieses Vorhaben gekostet. Statt dessen wurden auf beiden Seiten durch die Längsseite der Wände Löcher gebohrt, 20 Millimeter dicke Edelstahlstangen in die Hohlräume eingeführt und anschließend mit Mörtel verpresst. Das soll den Wänden die nötige Stabilität geben und ein weiteres Absacken verhindern. An der Vorder- und der Rückseite sind die Enden der Stangen in einer Ankerplatte sichtbar.

Auch im Turm wurde saniert. Neben einem Schallschutz aus Betonplatten unter den Glocken wurden auch einige dicke Holzbalken ausgebessert. Die Auflageflächen waren verrottet und wurden durch Stahlplatten ersetzt. Den Vorraum der Kirche hat man zudem mit einer Glaswand abgeteilt, so dass dort ein Gemeinderaum entstanden ist. Dieser ist separat beheizbar, und Innenfenster sorgen für geringeren Wärmeverlust. Und auch für Verpflegung ist gesorgt: links vom Altar, in der früheren Leichenkammer, entstand eine Teeküche.

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