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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 07:59 Uhr

Abschied : Pastor geht nach 35 Dienstjahren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Mai 2015 endet die Amtszeit von Dr. Hartmut Schmidt in Brokstedt. Das Pastorat verlässt er schon in diesem Monat

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 12:00 Uhr

„Spannend, abwechslungsreich, mit viel Unterstützung durch andere und trotzdem noch bei jeder Trauung und Beerdigung vorher große Aufregung“ – das bewegt Pastor Dr. Hartmut Schmidt auch noch nach 35 Dienstjahren. Der Geistliche geht am 31. Mai 2015 in den Ruhestand, zieht aber im Oktober schon aus dem Pastorat aus, weil dort einige Modernisierungen fällig sind. Einige Amtshandlungen hat er auf Nachfrage aus der Kirchengemeinde noch bis Ende Mai zugesagt.

Auch wenn der Pastor nicht mehr im Alten Pastoratsgebäude wohnt, bleibt er während seiner Dienstzeit weiterhin über das Kirchenbüro erreichbar. „35 Jahre sind eine lange Zeit und viele aus der Gemeinde können sich nicht vorstellen, wie es ohne unseren Pastor weiter geht“, sagt die Kirchengemeinderatsvorsitzende Angelika Cornehls. Denn aus vieler Munde hört man lobende Worte über den einfühlsamen Geistlichen in Brokstedt. „Ich bin eigentlich spät hierher gekommen“, betont der Pastor, der erst mit 30 Jahren in die Gemeinde kam. Das lag daran, dass er vorher noch seine Dissertation über Christian Jensen aus Breklum geschrieben hatte. Als er im Wintermonat Januar das erste Mal nach Brokstedt kam, fand er „eine wunderschöne Kirche, aber einen kaputten Vorplatz im Schneematsch vor“. Dass dieser Vorplatz inzwischen zu einem Vorzeigeprojekt geworden ist, ist auch seinem Engagement zu verdanken.

Sehr große Unterstützung in der Gemeinde habe er zu Beginn von Detlef Gripp (damals Vorsitzender des Kirchenvorstandes) aus Willenscharen, von der Organistin und Gemeindehelferin Hedwig Dahl und von Katrin Schirmer (Rotes Kreuz) aus Willenscharen erhalten. Im angegliederten Kindergarten lernte er seine zukünftige Frau Angela kennen, die er drei Jahre später heiratete. Für den Erhalt des Kindergartens hatte Pastor Schmidt die Gemeinden mit ins Boot geholt. Durch Gesetzesänderungen und steigende Ansprüche konnte gemeinsam vorausschauend geplant werden. Nach einem Anbau und einem Neubau ist die Kindertagesstätte Regenbogen heute einer der der größte Kindergärten im Kreis Steinburg.

Auch der Anbau des Gemeindesaals, die Renovierung der Kirchturmspitze, neue Kirchenglocken, Sanierung der Kirchenfenster und der stufenlose Vorplatz fallen in seine Amtszeit. Für die Friedhofsarbeiten wurde ein kleiner Bagger angeschafft und ein duales Entsorgungssystem für Strauchgut und Plastik eingerichtet. Schnell hatte Pastor Dr. Hartmut Schmidt auch eine Lösung für eine bessere Friedhofsverwaltung: Er entwickelte ein Verwaltungsprogramm auf dem PC, mit dem noch heute gearbeitet wird.

Die Konfirmandenfahrten zum Brahmsee sowie die Umstellung von „Prüfungen“ auf Gespräche und Vorträge, die auch das Wissen wiedergeben, hat Schmidt auch eingeführt. Waren es zu Anfang noch über 50 Konfirmanden jährlich, so sind es seit einigen Jahren zwischen 25 und knapp über 30 Konfirmanden. Für die Konfirmationen 2015 ist geplant, dass der scheidende Pastor und das neue geistliche Oberhaupt der Gemeinde anwesend sind.

Neu seit ein paar Jahren ist die silberne Konfirmation, die guten Zulauf verzeichnet. So hat Pastor Schmidt von der Konfirmation über die Trauung und wieder zur Taufe schon Generationen begleitet. Ab dem 70. Geburtstag gratuliert der Pastor alle fünf Jahre persönlich und ab dem 90. Geburtstag sogar jährlich den Geburtstagskindern.

In Hohenwestedt, Bornhöved und Ohlsdorf war er zu Beisetzungen gefahren oder hat dort Trauerfeiern für Verstorbene aus der Gemeinde gehalten. Vertretungen hat er auch in Wasbek, Großenaspe und Neumünster übernommen. Als einmal auf einer Beerdigung der Organist nicht erschien, stimmte er zur Überbrückung das erste Lied an.

Das er „seine“ Kirche mit ganzer Kraft verteidigt, beweist auch das Erlebnis, während einer Probe für ein Weihnachtsanspiel: Als ein Schneeball von draußen gegen die Kirchenscheibe flog, sauste der Pastor raus und verfolgte die Jugendlichen bis zu einer Gartengrenze. „Ab da war mir der Schnee zu hoch.“ Wenn auch noch erwähnt wird, dass Hartmut Schmidt seit 1980 einen Gemeindebrief ins Leben gerufen hat und dieser fast ununterbrochen bis heute regelmäßig erscheint, dann stellt sich die Frage „Was fängt unser Pastor mit seiner bald großen Freizeit an?“ Der Jagdschein- und Segelscheinbesitzer widmet er sich schon jetzt seinem Hobby, dem Modellflug, und ist sich sicher, später keine Langeweile zu haben.

Nach der jeweiligen Amtsperiode wechseln sich der Bischof und der Kirchengemeinderat mit der Entscheidung für den Nachfolger ab. „Dieses Mal wird der Bischof uns den Nachfolger vorschlagen und der Propst wird ihn dabei nach unserer Vorstellungen unterstützen und ein wohlwollendes Auge auf unsere Gemeinde haben“, ist sich Angelika Cornehls sicher. „Wir hoffen, dass der neue Pastor oder die neue Pastorin sich schon in der Urlaubsvertretung für Dr. Hartmut Schmidt einarbeiten kann.“ Für einige Taufen und Eheschließungen wird Dr. Hartmut Schmidt aber auch bis Mai noch tätig sein.

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