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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 00:02 Uhr

Passion mit intensiven Emotionen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kantorei, Solisten und Barockorchester bieten ergreifende Aufführung in St. Laurentii

Ob das Publikum in der gut besetzten St. Laurentii-Kirche wirklich die Markus-Passion des Sachsen Reinhard Keiser (1674-1739) gehört hat? Oder vielleicht doch die gleichnamige Passion des Schleswigers Friedrich Nicolaus Bruhns (1637-1718)? Über die Urheberschaft Keisers, dieses Hamburger Theatermusikers, bis 1707 Leiter der berühmten Oper am Gänsemarkt, kann gestritten werden. Unstrittig allerdings ist das Interesse Johann Sebastian Bachs an dieser Musik. Nachgewiesenermaßen führte er diese Passion dreimal auf; ihr entnahm er Gestaltungsideen für seine Matthäus-Passion.

Zu den intensiven emotionalen Momenten gehört der Choral „Wenn ich einmal soll scheiden“, gesungen von der Altistin Eva Hage. Dieses Volkslied, in Paul Gerhardts Vertonung und als „O Haupt voll Blut und Wunden“ aus der Matthäus-Passion bekannt, führte mit seiner einfühlsamen Melodie und dem in seinem Mitleiden intensiven Text zu den Momenten emotionaler Beteiligung. Das gilt auch für den Schlusschoral von Johann Rist „O Traurigkeit, o Herzeleid“, den die Kantorei in einer gelungenen Mischung aus kontemplativer Zurückhaltung und eindringlicher Nähe präsentierte. Kantorin Dörthe Landmesser sorgte nicht nur hier mit ihrem Dirigat für konsequente Linienführung und ein ausgewogenes Verhältnis von Zurückhaltung und Dynamik. Die Idee, die Totenglocke der Kirche direkt in das „Amen“ hineinläuten zu lassen, berührte mit einem durchdringenden Moment des Innehaltens nach der anderthalbstündigen Passion.

Lob geht aber nicht nur an die Kantorei und das im historischen Stil und in kleiner Besetzung spielende St. Laurentii-Barockorchester, sondern auch an das Solistenquartett. Mit den Rezitativen und Arien sowie den instrumentalen Zwischenspielen wird das Geschehen um das Sterben Jesu strukturiert. Florian Sievers oblag der Hauptpart als Evangelist mit langen Rezitativen und reflektierenden Arien. Die Rolle des Jesus, gesungen von Sönke Tams Freier (Bass), bleibt in „Keisers“ Komposition eher statisch. Die Sopran-Arie „O Golgatha“ mit charakteristischem Seufzer-Motiv sang Geraldine Zeller, von der Oboe (Harumi Hoshi) anrührend begleitet, mit einem Hauch von Weltschmerz.

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