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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 10:05 Uhr

Schifffahrt : Panne: Containerschiff liegt auf

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Maschinenschaden zwingt „YM Wish“ zum Notankern vor Glückstadt / Situation laut Lotsen jederzeit unter Kontrolle

von
erstellt am 01.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Vermutlich ein Elektronik- oder Softwarefehler hat gestern am frühen Morgen die Besatzung eines Containerschiffs auf dem Weg zur Nordsee zu einem unfreiwilligen Stopp nahe der Elbinsel Rhinplate gezwungen. Die 368 Meter lange „YM Wish“ wurde mit dem Einsetzen der Flut gegen Mittag von vier Schleppern in den Elbehafen Brunsbüttel gebracht.

Die Situation sei zu keinem Zeitpunkt gefährlich oder außer Kontrolle gewesen, sagt Ben Lodemann, Ältermann der Elblotsen. „Das Schiff hatte vereinfacht gesagt schlicht einen Platten.“ Gegen 2 Uhr nachts hatte die unter Flagge von Hongkong fahrende „YM Wish“ den Hamburger Hafen mit zwei Lotsen an Bord verlassen. Ziel der Reise war Rotterdam. Mitten auf der Elbe bekamen die Lotsen dann von der Besatzung die Information, dass die Maschine komplett ausgefallen sei und sich nicht neu starten lasse. „Das ist ein ausgesprochen seltenes Ereignis im täglichen Verkehr und natürlich kritisch“, erklärt Lodemann. „Wir trainieren solche Störfälle aber auch mit Schiffen dieser Größe regelmäßig im Simulator.“ Der Lotse auf der Brücke hätte entsprechend reagiert: Er wartete zunächst bis das Schiff an Fahrt verlor, brachte es dann an einer geeigneten Stelle an den Rand des Fahrwassers und warf dort den Anker. „So blieb das Schiff in Fahrtrichtung und stellte keine Gefahr für den sonstigen Verkehr da.“

Lotsenkollegen an Land informierten andere Schiffe in der Nähe über die Situation der „YM Wish“. Schlepper wurden alarmiert. Auch die Küstenwache war mit dem Mehrzweckschiff „Neuwerk“ vor Ort. Da inzwischen jedoch die Ebbe eingesetzt hatte, musste mit dem Abschleppen des Containerriesen bis zur nächsten Flut gegen Mittag gewartet werden. In der Zwischenzeit stabilisierten vier Schlepper das Frachtschiff an seiner Position.

Gegen 15 Uhr erreichte der Konvoi dann Brunsbüttel. „Für uns ist das ein besonderes Ereignis“, sagt Frank Schnabel, Geschäftsführer der Hafenbetreiber Gesellschaft. Die 51 Meter breite Wish sei das größte Schiff, das bisher in Brunsbüttel festgemacht hat.

Am Pier in Brunsbüttel soll nun die Ursache für den Ausfall der Maschine untersucht und behoben werden. Wie lange das dauern wird, ist unklar. „Das genaue Problem kennen wir noch nicht“, sagt Peter Piske, der als zuständiger Schiffsagent die Wish für die taiwanesische Reederei Yang Ming Line in Deutschland betreut. „Es scheint sich um einen Defekt in der Elektronik zu handeln.“ Auch ein Software-Fehler könne nicht ausgeschlossen werden. „So etwas hatten wir bisher noch nie.“ Piske spricht von einer teuren „Kinderkrankheit“, denn die Wish ist nagelneu. Erst vor zehn Wochen wurde das Schiff, das Platz für 14 000 Standardcontainer (TEU) bietet und in Korea gebaut wurde, in Dienst gestellt. In Hamburg war es erst zum zweiten Mal. Die Wish gehört der weltweit operierenden Reederei Seaspan mit Sitz in Hongkong, Vancouver und Mumbai, die sie langfristig an Yang Ming verchartert hat.

Der in Deutschland zuständige Agent von Seaspan wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zu dem Zwischenfall äußern und verwies an die Firmenzentrale in Kanada, die jedoch gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar war.

Peter Piske erklärt, dass die Wish nun in Brunsbüttel von Technikern untersucht werde und ihre Fahrt erst fortsetze, wenn sicher gestellt sei, dass das technische Problem dauerhaft behoben sei. Die Kosten für das den unfreiwilligen Stopp schätzt er im Bereich eines mindestens „höheren fünfstelligen Betrag“ ein.

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