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Sophie-Scholl-Gymnasium Itzehoe : Panne beim Mathe-Abi - 128 Schüler können wiederholen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Gymnasium in Itzehoe setzte die falschen Taschenrechner ein. Die Aufgaben waren damit nicht lösbar.

Eigentlich hätte es eine entspannte Woche werden können für Sarah Heidemann (19). Die schriftlichen Abiturprüfungen sind geschafft, das Wetter ist sommerlich. Beste Voraussetzungen zum Entspannen. Doch daraus wird nun erstmal nichts: Weil bei ihrer Mathematik-Klausur Ende April am Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) einiges schief ging, wird sie einen Teil der Prüfung am Freitag wiederholen. Dieses Angebot hatte die Schule am Montag den 128 betroffenen Schülern gemacht, nachdem sich herausgestellt hatte, dass ihnen ein falscher Taschenrechner für die Prüfung empfohlen worden war.

Als eine von acht Schulen in Schleswig-Holstein hatte sich das SSG eigens dafür angemeldet, im Abitur nicht die herkömmlichen wissenschaftlichen Taschenrechner, sondern sogenannte Computer-Algebra-System-Rechner (CAS) zu verwenden, die auch komplexe Gleichungen weitgehend selbstständig analysieren können. Entsprechend wurden die Prüfungsaufgaben auf diese Geräte abgestimmt, die aber offenbar an der Schule nie zum Einsatz kamen. Im Unterricht sei das Problem nie aufgefallen. Vertreter der Schule hätten auf der Versammlung mitgeteilt, dass sie durch Zufall bei der Korrektur der Klausuren den Fehler entdeckt hätten, wie mehrere Schüler übereinstimmend berichteten.

Schulleiterin Angelika Hartmann wollte sich zu den Vorfällen nicht äußern und verwies auf das Kieler Bildungsministerium. Die Teilnahme am Nachschreibetermin sei freiwillig, hieß es von dort. Am Ende werde die Aufgabe gewertet, bei die Schüler das bessere Ergebnis erzielt hätten.

Ein Angebot, das Sarah Heidemann auf jeden Fall nutzen möchte. Sie berichtet, dass die betroffene Analysis-Aufgabe am Prüfungstermin im April bei den Schülern durchaus für Verwirrung gesorgt habe. „Die Aufgabe war nicht lösbar“, sagt sie. Allerdings habe sie eher an sich selbst gezweifelt, als am Taschenrechner. „Ich dachte es liegt an mir.“ Viele Schüler hätten bei der Prüfung unnötig Zeit verloren. Unterdessen üben Heidemann und einige andere betroffene Schüler Kritik an der Informationspolitik der Schule.

Der Fehler sei schon vor längerer Zeit aufgefallen, heißt es. Eine Einladung zur Schülerversammlung am Montag habe die Schule erst am Donnerstag verschickt. Auch der Nachschreibetermin am Freitag sei sehr kurzfristig angesetzt. Schüler und Eltern hätten auf der Versammlung darauf hingewiesen. „Allerdings gab es keine Diskussionen. Jegliche Kritik wurde zurückgewiesen. Es war alles schon geplant.“

Auch Vorschläge, die betroffene Aufgabe aus der Wertung zu streichen und auf einen Nachschreibetermin zu verzichten, seien abgelehnt worden, wie ein anderer Schüler berichtet, der namentlich nicht genannt werden möchte. Außerdem, so der Schüler weiter, hätten die Verantwortlichen keinerlei Schuld eingestanden. „Eine Entschuldigung hat es nicht mal ansatzweise gegeben.“

Laut Bildungsministerium ist der Vorfall in Itzehoe ein Einzelfall. Andere Schulen im Land seien nicht betroffen. Allerdings hatte es schon vor einigen Wochen Wirbel um das Mathematik-Abitur gegeben: Nachdem das Kultusministerium in Niedersachsen die Klausuren nachträglich milder bewertet hatte, beklagte auch die Schüler-Union in Schleswig-Holstein, die Aufgaben seien zu schwer gewesen. Das Bildungsministerium wies die Kritik zurück.

Aus Sicht von Sarah Heidemann und einigen Mitschülern war die Beschwerde berechtigt. Sie hatten schon damals reagiert und einen Protestbrief an das Ministerium geschrieben, der allerdings ohne Antwort blieb. Jetzt fühlen sie sich in ihrer Position gewissermaßen bestätigt – momentan ist das allerdings nur ein kleiner Trost. In den nächste Tagen heißt es nun erst einmal: Büffeln statt Entspannen.

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erstellt am 07.Jun.2016 | 05:00 Uhr

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