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auf der ostsee : Paddeltour mit historischer Dimension

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mitglieder des Itzehoer Kanuclubs fahren über die Ostsee – wie jedes Jahr seit der deutschen Einheit.

Im Winter auf der eisigen Ostsee paddeln – dafür braucht es Erfahrung, seetüchtige Boote, Sicherheitsausrüstung und eine besondere Motivation. Das alles hatten drei Paddler vom Itzehoer Kanuclub, als vor 25 Jahren der Eiserne Vorhang fiel. Wilhelm Degen, Georg Heinz Krause und Jürgen Wrage fassten im November 1989 den Plan, so bald wie möglich von Travemünde nach Wismar zu paddeln. Dort wohnte Georg Heinz Krauses Tante, bei der die Kanuten auch übernachten konnten.

Aus der ersten Fahrt am 6. Januar 1990 wurde Tradition. „Bereits bei der zweiten Tour endete der Turn am Bootshaus der TSG Wismar, wo wir seither in jedem Jahr sehr herzlich und freundschaftlich aufgenommen werden“, berichtet Jürgen Wrage. Zehn Jahre später bildete sich auch eine Wandergruppe, die seither eine Teilstrecke am Ufer zu Fuß zurücklegt.

Zum 25. Mal trafen sich jetzt die Paddler zur Eisbärentour in Travemünde. Zu den drei Erstbefahrern, die inzwischen über 70 Jahre alt sind, haben sich viele jüngere Kanuten gesellt, die diese sportliche Tradition in Erinnerung an die deutsche Wiedervereinigung pflegen. „Die Aktion hat sich in den Kanukreisen Norddeutschlands etabliert“, sagt Wilhelm Degen. Aus Wismar seit langem dabei ist Holger Steinhagen, die „Seele des Vereins“. Wilhelm Degen: „Es ist sehr familiär, und es hat sich eine Freundschaft entwickelt, die wir nicht mehr missen möchten.“ Nicht immer konnte die Paddeltour wie geplant stattfinden: Bei heftigem Ostwind startet die Fahrt von Rerik aus, und bei Eisgang mussten Georg Heinz Krause und seine Frau Ute schon mal die Fahrt abbrechen und die Boote auf Bootswagen durch die verschneite Landschaft ziehen.

Rund 30 Paddler machten sich in diesem Jahr auf den Weg, am Ufer hatten sich 60 Wanderer getroffen. Das Wiedersehen in Wismar und die Klönabende bei den Mecklenburger Freunden waren getragen von Erinnerungen an die einstige innerdeutsche Grenze. „Achtung! Nicht in die Zone fahren!“, wurden die Kanuten in den 80er Jahren im Flusswanderbuch des Deutschen Kanuverbands gewarnt. Travemünde-Priwall, da verlief die „Zonengrenze“ mit einem Metallgitterzaun, der ins Wasser führte und fortgesetzt wurde durch den „Grenztonnenstrich“, eine lange Reihe verankerter gelber Tonnen. Am Ufer ein Wachturm, am Grenztonnenstrich patrouillierten Boote des Bundesgrenzschutzes und der DDR-Grenztruppen.

Der Metallzaun verschwand bereits im November 1989, aber die DDR bestand noch, als die drei vom Itzehoer Kanu-Club ihre erste Eisbärentour wagten. Jürgen Wrage: „Es existierte auch noch der offizielle Grenzverlauf, der nur mit gültigem Personalausweis und nur an offiziellen Grenzübergangsstellen überschritten werden durfte.“ Wie würden die schwer bewaffneten Grenzsoldaten auf den unangemeldeten Besuch reagieren? Dann die Erleichterung: „Auf der Höhe von Rosenhagen winkten uns die DDR-Grenzer aus ihrem Wachturm zu.“ Am Strand kurz vor Boltenhagen gingen die Kanuten an Land, umringt von erstaunten Mecklenburgern, die gleich mit anpackten und die Boote aus dem Wasser zogen. „Es folgte eine sehr freundliche, ein wenig emotionale Begrüßung.“ Eine Flasche Rum, die Degen dabei hatte, machte die Runde, dann ging die Fahrt weiter über die Bucht von Boltenhagen. Am frühen Nachmittag war Wismar erreicht. Die Boote wurden im Gebüsch versteckt, Krauses Vetter kam mit seinem Trabbi und holte die Gäste ab. „Tante Hedwig hatte eine deftige Mahlzeit zubereitet“, erinnert sich Wrage an das wohlige Aufwärmen in der guten Stube. Für den Abend war ein Tisch im Restaurant ‚Zum Goldbroiler‘ reserviert. Es gab Brathähnchen mit Pommes und das damals noch originale Lübzer Bier.“

 

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erstellt am 09.Feb.2014 | 16:00 Uhr

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