Nachts bei der Arbeit : Ozzy Osbourne bestellte Whisky

Am liebsten zapft Mario Soldicic Bier: „Das geht schnell und läuft gut.“
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Am liebsten zapft Mario Soldicic Bier: „Das geht schnell und läuft gut.“

Vor dem Tresen von Mario Soldicic tummeln sich stadtbekannte Gesichter und manchmal Prominente.

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17. April 2018, 05:00 Uhr

Menschen, die nachts arbeiten – um sie geht es in unserer Serie. Heute: Barkeeper Mario Soldicic arbeitet seit vielen Jahren im Nachtleben. Tagein, tagaus oder so gut wie jede Nacht steht er hinter dem Tresen und erlebt dabei manch Kurioses. Sogar Prominenz saß vor seinem Zapfhahn.

18 Uhr. Für viele Itzehoer endet der Arbeitstag, Feierabend. Mario Soldicic dagegen schaltet gerade erst das Licht in der Lauschbar an. Der Barkeeper greift hinüber zur Musikanlage, drückt auf „Play“, irische Musik schallt durch den Laden. Auch der Tresen leuchtet mittlerweile in grellem Orange. Ganz schön retro, aber das passt zu Soldicic mit seinen wilden Locken und der runden Brille, der mehrmals über den Tresen wischt, bevor die ersten Gäste kommen.

Die Bar kennt der gebürtige Kroate wie sein Wohnzimmer. Sein Zwillingsbruder führte den ehemaligen Goosmarkt, der 2009 zur Lauschbar umgewandelt wurde. Früher war Soldicic oft zu Besuch, bis er sich in Itzehoe verliebte, heiratete und ganz in der Störstadt blieb. Von seinem früheren Beruf verabschiedete sich der heute
60-Jährige deshalb. „Ich war auf allen Weltmeeren als Nautiker tätig und arbeitete im Schichtdienst, vier Stunden nachts und vier Stunden am Tag. Mein Biorhythmus war total durcheinander“, erzählt Soldicic.

Trotz der Nachtschicht könne er heute besser schlafen als damals auf See. Bevor er gegen 10 Uhr die ersten Sonnenstrahlen sieht, trinkt Soldicic einen Cappuccino. Frühstück brauche er als Südländer nicht, um wach zu werden. Stattdessen schwört er auf französische Historienromane und Autobiografien, die er liest, um in den Tag zu starten. Den nächsten Kaffee gibt es dann am Nachmittag mit Bekannten. Viele seiner Freunde besuchen den 60-Jährigen aber auch einfach in der Bar.

Neben den Stammgästen fanden auch Prominente ihren Weg in die Lauschbar. Ozzy Osbourne kam eines abends zur Tür herein. Setzte sich vor Soldicic an den Tresen und bestellte einen Whisky und ein Bier. „Für meinen kroatischen Freund, schrieb er auf einen Bestellblock. Das Autogramm habe ich heute noch“, erzählt Soldicic.

Promis seien aber nicht immer die interessantesten Besucher. Stattdessen faszinierte den Barkeeper ein Stammgast. „Er wusste einfach alles. Zum täglichen Dialog bestellte er ein Guinness“, sagt Soldicic. Eine Zeitung musste sich der Kroate deshalb selten kaufen. Als Barkeeper wisse man sowieso alles über die Stadt. „Wer verlassen wurde, geheiratet hat oder geboren wurde – man kriegt vieles mit. Aber zu später Stunde hat man manchmal auch keine Lust mehr zuzuhören“, sagt Soldicic. Dann wird es ihm zu viel, wenn ein paar Damen auf die Idee kommen, Sekt aus ihren Stiefeln zu trinken, oder einen Spagat auf dem Tresen machen. In diesem Fall bleibe er heute lieber hinter dem Tresen, statt sich wie früher ins Getümmel zu stürzen.

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