zur Navigation springen

Itzehoerin in Griechenland : „Ostern ist ein fröhliches Chaos“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In ihrer alten Heimat Griechenland wird das höchste Fest der Christen ganz besonders gefeiert. Die Itzehoerin Almut Atkins erinnert sich gerne.

von
erstellt am 27.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Blutrot färbt Almut Atkins ihre Ostereier. Grüne, gelbe oder blaue Eier kommen ihr nicht ins Haus. Die Itzehoerin feiert Ostern nach griechischer Tradition. Von 1984 bis 2005 lebte die 74-Jährige in dem Mittelmeer-Land und erinnert sich besonders zu Ostern immer gerne an diese Zeit zurück: „Ostern ist das schönste griechische Fest“, sagt Atkins, und ihre Augen beginnen zu leuchten.

Sie zeigt Fotos von dem Haus, in dem sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann in einem kleinen Dorf im Osten Griechenlands lebte: Hanglage, Blick aufs Meer. „Ein richtiges Oliven-
Bauerndorf“, beschreibt sie.

Weil die Kirche einziger und wichtigster Treffpunkt im Ort war, war für die Aussiedler schnell klar: „Da gehen wir auch hin.“ Als gestandene Protestantin war es ein Kulturschock für Atkins, die griechisch-orthodoxe Liturgie mitzuerleben. „Die zahlreichen Riten habe ich bis zuletzt nicht verstanden“, sagt Atkins. Aber eindrucksvoll sei es trotzdem immer gewesen: „Es ist viel sinnlicher und nicht so verkopft wie unsere protestantischen Gottesdienste.“

Am höchsten christlichen Fest zeige sich das ganz besonders. Schon in der Karwoche gebe es jeden Abend eine Andacht. Am „schwarzen Freitag“, wie der Karfreitag wörtlich übersetzt auf Griechisch heißt, werde der Tod Jesu förmlich zelebriert. Ein Grabtuch, der so genannte Epitaphios, werde üppig mit Blumen geschmückt, dann zunächst durch die Kirche und später auch durch das Dorf getragen. „Dafür habe ich immer die Schwertlilien aus meinem Garten geopfert“, erzählt Atkins. Ebenso ausgiebig wie der Tod Jesu werde in der Osternacht am Sonnabendabend seine Auferstehung zelebriert. „Der Gottesdienst endet um Mitternacht mit einem Feuerwerk“, erinnert sich Atkins. Das Knallen und Funkeln ist ihr bis heute gut im Gedächtnis geblieben.

Danach geht es eigentlich erst richtig los: „Denn wie alle griechischen Feste folgt Ostern einem bestimmten Muster: Erst wird Gottesdienst gefeiert, dann in der Familie zusammen gegessen und schließlich getanzt.“ Das Ehepaar Atkins feierte zusammen mit Nachbarn. Sonntagnacht gab es zunächst nur eine Suppe und die roten Ostereier zum Essen, deren Farbe übrigens für das Blut Jesu und letztlich für das Leben steht. Am Ostersonntag werde traditionell ein Lamm gegrillt. „Das zieht sich über den ganzen Tag. Das Lamm ist erst am Nachmittag gar, bis dahin gibt es kleine Häppchen, die Nachbarn bringen etwas zum Essen vorbei, man teilt miteinander. Es ist ein fröhliches Chaos.“

Die griechische Osterfreude möchte Almut Atkins auch mit den Itze- hoern teilen, wenn sie am Dienstag, im Restaurant Himmel + Erde um 19 Uhr ein griechisches Osterfest anbietet. Dann werden Hymnen aus der griechischen Liturgie angestimmt, Schafskäse, Tzatziki und Oliven kommen auf den Tisch. „Und natürlich werden die roten Ostereier nicht fehlen“, verspricht Atkins.

Und in Griechenland? Wird dort mitten in der Wirtschaftskrise überhaupt gefeiert? „Das lassen sich die Griechen nicht nehmen“, sagt Almut Atkins. Allerdings habe ihr eine griechische Freundin erst neulich in einem Telefonat berichtet, dass das Fest „deutlich bescheidener und demütiger“ ausfalle. Bis es so weit ist, müssen sich die Griechen übrigens noch ein wenig gedulden: Weil das Datum des kirchlichen Fests nach dem julianischen Kalender berechnet wird, fällt der Ostersonntag in diesem Jahr auf den 1. Mai.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen