zur Navigation springen

Spannend : Ossi und Wessi – Zeitzeugen berichten

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Das Leben in der DDR und zeitgleich in der Bundesrepublik stand im Mittelpunkt eines Projekts für die Achtklässler der Gemeinschaftsschule Wilster.

von
erstellt am 04.Okt.2014 | 16:24 Uhr

Wie lebte der Ossi und wie der Wessi – damals, bevor die Mauer fiel? Die Situation in der ehemaligen DDR und zeitgleich in der Bundesrepublik war Thema am Vorhabentag in der Gemeinschaftsschule Wilster für die Schülerinnen und Schüler der achten Klassen. Dazu brauchten sie aber nicht ihre Nasen in die Bücher stecken, vielmehr erlebten sie ein paar Stunden lebendige Geschichte am Tag vor dem Tag der deutschen Einheit mit mehreren Zeitzeugen. Das kam bei den Schülern gut an. „Ich fand’s informativ und spannend. Es ist schräg was sie mitmachen mussten, das tut mir auch leid“, meinte Lea Simon (15). Aufschlussreich und interessant fanden auch Brian Heß (14) und Tim Bade (14) das gesamte Projekt. „Ich habe Dinge erfahren, die ich so nicht wusste“, sagte Brian und nannte als Beispiel den 5-Kilometer-Grenzstreifen, im Volksmund auch Todesstreifen genannt. Das empfand Tim ebenso. Ihn machte besonders die Überwachung der Menschen betroffen. „Ich wusste nicht, dass alle Briefe und Pakete kontrolliert wurden.“

Entsprechend aufmerksam verfolgten die Jugendlichen die Ausführungen der Zeitzeugen. Dr. Maya Steppeler-Ackermann, Claudia Lahann, Brigitte Trinks, Jens Harder, Marcus Weinert und Matthias Häußler erzählten aus der Vergangenheit, wie sie entweder selbst in der DDR lebten oder welche Erinnerungen sie als Bundesbürger mit dieser Zeit verbinden. Und wie sie den Mauerfall empfanden – ob materielle Unzufriedenheit oder mehr noch die gesellschaftlichen Zwänge die Menschen dazu bewegten, dafür zu kämpfen? Viele seien ideologisch motiviert gewesen beim Aufstand gegen das Regime, so mancher aber sicher auch aus materiellen Gründen, meinte Claudia Lahan. Sie hatte schon eine gemäßigtere staatliche Erziehung genossen als ihre Eltern. Zwar seien die Kinder in Jugendorganisationen groß geworden, aber „es wurden auch tolle Sachen unternommen, es gab Sportfeste ebenso wie Musikpartys und man fuhr auch in Urlaub. „Aber natürlich nicht nach Mallorca oder Paris.“ Ziele waren für sie Ungarn, die damalige Tschechoslowakei oder die Ostsee. Problematisch war allerdings die Versorgung, es gab beispielsweise keine Bananen – dafür aber jede Menge Kohl aus den staatseigenen Anbaubetrieben.

Ganz anders kennen gelernt hat Maya Steppeler-Ackermann die DDR. Ihr Vater war im Krieg, ihre Mutter ausgebombt. Die Schwangere kam nach Thüringen, damals gab es natürlich noch nicht die DDR. Die Tochter kam dort zur Welt, später ging es wieder zurück in die Heimat, ins Rheinland. Doch ihr Geburtsort sollte ihr noch viele Probleme bereiten, bei einer Klassenfahrt wurde sie am Bahnhof Friedrichstraße festgehalten und zunächst in einen Keller gesperrt – als vermeintlicher Staatsflüchtling. „Es waren schreckliche Erlebnisse.“ Und sie erzählte auch von den Schwierigkeiten einer Freundin, die Kontakt zum Westen hatte – und davon, dass jedes Paket und jeder Brief von der Stasi geöffnet wurde. Die zwei Stunden, in denen die Schüler den Zeitzeugen zuhörten, verlief wie im Flug.

Im Vorfeld hatten die Jugendlichen selbst zu einem der Themen Mauer, Lebensstil, Grenzübergänge, Trabbi, Jugend und Schule in der DDR sowie spektakuläre Fluchten erarbeitet, was sie ihren Mitschülern im Anschluss an das Zeitzeugengespräch vortrugen. „Ich glaube, das Projekt ist gelungen“, meinte Natascha Böhnisch, die es gemeinsam mit ihrer Kollegin Karin Harbeck initiiert hatte. Besonderen Dank richtete Böhnisch an die Zeitzeugen für deren Bereitschaft, und natürlich an ihre Kollegen Dorothea Venzke, Axel Scholz, Günter Lake, Amöna Rühmann und Kathrin Reimers für deren engagierte Unterstützung. Eine spezielle Leihgabe stand vor dem Schulgebäude: ein Trabbi. Die Wartezeiten für dessen Erwerb waren lang, Axel Scholz sprach von 16 bis 18 Jahren, auf eine Waschmaschine musste man bis zu sechs Jahre warten. Und wer in der DDR zum Fliesenladen ging, ging zum Schlachter – eine gebräuchliche Abkürzung zeigte die damalige Situation: EDV stand für Ende der Versorgung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen