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Sturm : Orkan „Christian“ fegt Mann vom Dach

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der erste Herbststurm hat’s in sich: Über 1500 Anrufe gehen bei Elmshorner Leitstelle ein, zahlreiche Haushalte sind ohne Strom, die Bahn setzt Zugverkehr ersatzlos aus, Bäume stürzen reihenweise um – Feuerwehr und andere Retter im Dauereinsatz.

Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde gestern Nachmittag Opfer des Sturmtiefs „Christian“, das auch in den Kreisen Steinburg und Dithmarschen wütete. Mehr als 1500 Anrufe gingen gestern in der zentralen Regionalleitstelle von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei in Elmshorn ein. Über 800 davon zogen einen Einsatz nach sich. In der Mehrzahl waren es umgestürzte Bäume, Gerüste oder Bauzäune, die ein Ausrücken erforderlich machten. Aber auch lose Dachziegel und ganze Fassaden galt es zu sichern.

Schwer verletzt wurde ein Mann, der in der Brunnenstraße 20 gegen 15.30 Uhr vom Dach eines Einfamilienhauses stürzte. Ein Akkuschrauber lag noch auf dem Vordach über der Haustür, wo er zu Fall gekommen war. Offenbar hatte er etwas befestigen wollen, bevor ihn der Wind herunterriss. Passanten hatten den Vorfall beobachtet und die Rettungskräfte alarmiert. Sie transportierten den Mann, der noch ansprechbar war, zunächst ins Klinikum Itzehoe. Laut Polizei wurde er am Abend auf die Intensivstation des Westküstenklinikums in Heide verlegt.


Stromausfall in Itzehoe und an der Westküste


In einem Drittel aller Itzehoer Haushalte ging gestern Nachmittag das Licht aus. Betroffen war die Region Itzehoe-Nord bis zur Adolf-Rohde-Straße, inklusive Schwimmbad und Firma Sihi. Laut Manfred Tenfelde, Geschäftsführer der Stadtwerke, gab es technische Schwierigkeiten in einem Umspannwerk im Innovationsraum. Innerhalb von anderthalb Stunden gelang es, den Stromfluss umzuleiten, sodass das Netz wieder funktionierte.

Etwas länger dauerte es, bis die Ampeln in der Kreisstadt wieder den Betrieb aufnahmen. Zahlreiche Anlagen hatten ausgesetzt, was so manchen Autofahrer – etwa an der Kreuzung Grunerstraße/Lindenstraße, auf eine Geduldsprobe stellte.

Stromausfälle gab es auch in zahlreichen anderen Gemeinden an der Westküste. In Brokdorf wurde es dunkel, weil eine Niederspannungsleitung zerstört worden war. Die Hohenlockstedter hatten da mehr Glück. Zwar fiel ein Baum in eine Leitung, die Stromzufuhr wurde aber nicht gekappt. Die Schleswig-Holstein Netz AG hatte alle verfügbaren Kräfte an den Brennpunkten im Land zusammengefasst.

Als gefährlich erwies sich gestern Nachmittag ein Gang durch die Itzehoer Einkaufsstraße. In der Breiten Straße deckte der Wind Dachziegel von einem Altbau ab, die krachend auf die Straße fielen. Gleich nebenan in einem Möbelgeschäft wurde das Schaufensterglas Opfer der Böen. Der Sturm zertrümmerte die zuvor bereits angeknackste Scheibe. Ebenso drückte der Wind ein Schaufenster des Hertie-Hauses ein.

Im ganzen Kreisgebiet fielen Äste herab und stürzten ganze Bäume um. Bei der Glückstädter Feuerwehr ging der erste Alarm gegen 13.30 Uhr ein: In der Anckenstraße flogen von einem Haus Dachziegel auf den Bürgersteig. Gegen 15.30 Uhr meldete sich ein Jugendlicher direkt bei der Feuerwehr, weil der Notruf 112 nicht mehr funktionierte und auch das Alarmierungssystem der Leitstelle ausgefallen war. Der Junge berichtete von einem Beben in der Erde in der Nähe eines Baumes am Süderfleth.


Baum am Glückstädter Fleth entwurzelt


Schnell stand fest, dass ein Ortsbild prägender Baum Opfer von Orkan „Christian“ werden würde. Während das Ordnungsamt den Gefahrenbereich noch absperrte, stürzte der Baum auf eines der Meyn’schen Häuser. Zwischendurch galt es dann immer, öffentliche Wege wegen herabfallender Dachpfannen abzusperren. An einer Gefahrenbeseitigung mit Hilfe der Drehleiter in luftiger Höhe war nicht zu denken. Insgesamt war die Glückstädter Feuerwehr bis kurz vor 18 Uhr über 20 Mal im Einsatz.

Für gestern Abend bestand trotz des langsam abflauenden Südweststurms für Glückstadt die Gefahr einer Sturmflut. Weil das Hochwasser bis zu 1,50 Meter höher auflaufen sollte, räumte das Ordnungsamt den Wohnmobilparkplatz an der Mole und ließ die Fluttore zur Docke schließen.

In Dammfleth-Rotenmeer zerrte der Orkan am Dachstuhl des Vollmert-Hofs. Die Feuerwehren sicherten das Dach mit mehreren Spannseilen. An den Hochhäusern am Fleet in Wilster riss der Sturm Teile der Wandverkleidungen heraus zudem drohte dort ein Vordach wegzufliegen. Bis gegen 18 Uhr hatten die Kameraden bereits 13 Einsätze abgearbeitet. Darunter auch ein großer Ast, der auf den Hinterhöfen parallel zum Kohlmarkt zwei Autos unter sich begraben hatte. Auch die angrenzende Garage wurde beschädigt.

In Willenscharen fegte der Sturm schwere Eternitplatten vom Dach eines Schuppens. Durch die Sturmgewalt wurden die Platten über den Hof des Anwesens zirka 15 Meter weit bis auf die L 122 und die Koppel auf der gegenüberliegenden Straßenseite getragen. Wegen der Gefahrenlage sperrte die Feuerwehr Willenscharen die Landesstraße im Bereich des betroffenen Abschnitts.


Pendler warten vergebens auf die Bahn


Der Bahnverkehr war am Nachmittag in ganz Schleswig-Holstein eingestellt worden. Sturm und umgestürzte Bäume entlang der Trassen – wie etwa in Wilster – machten das Fahren der Züge unmöglich. Zahlreiche Pendler und Reisende saßen deswegen in Itzehoe fest, so auch Markus Wiche. Der Rechtsanwalt wollte nach einer Gerichtsverhandlung zurück nach Frankfurt. „Auch zwischen Hamburg und Hannover geht nichts mehr“, berichtete er. Gemeinsam mit anderen Pendlern überlegte er, per Taxi nach Hamburg zu fahren. Ein Taxi zu bekommen, erwies sich allerdings als schwierig. Ein Schienenersatzverkehr war im Kreis Steinburg nicht eingerichtet.

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erstellt am 29.Okt.2013 | 04:58 Uhr

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