Opulentes Amüsement mit der Gräfin

Müssen sich erst finden: Gräfin Mariza (Ella Tyran) und Graf Tassilo (Stefan Reichmann).
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Müssen sich erst finden: Gräfin Mariza (Ella Tyran) und Graf Tassilo (Stefan Reichmann).

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16. Januar 2018, 05:00 Uhr

Das sind Probleme, die das Leben schreibt! Gräfin Mariza hat zu viele Verehrer. Denn sie hat rote Lippen, rote Locken und ein tiefes Dekolleté. Als Abwehrmaßnahme denkt sie sich eine Verlobung mit einem erfundenen Grafen namens Koloman Zsupan aus. Den gibt es aber tatsächlich. Also klopft er prompt bei ihr an, um an seiner Verlobung teilzunehmen. Das gäbe nun unüberwindbare Probleme für die Gräfin, wenn nicht zufällig ihr Gutsverwalter der getarnte Graf Tassilo wäre, dessen Schwester Lisa die Gräfin zufällig begleitet. Bis bei diesen beiden Paaren der Topf seinen richtigen Deckel findet, gibt es in Emmerich Kálmáns Operette „Gräfin Mariza“ reichlich Verwirrung, haufenweise Zufälle und immer wieder den Operetten-Dreiklang von Zigeuner, Csárdás und Champagner – mit diesem Satz rettet sich der Berichterstatter aus der schwierigen Aufgabe, die Handlung dieser Operette zu verstehen und allgemeinverständlich darzustellen.

Die Operettenbühne Wien erfüllt mit ihrer opulenten Inszenierung alle Zuschauererwartungen. Das Publikum im fast ausverkauften Theater (mehr als 400 Plätze besetzt) summt die „Mariza“-Ohrwürmer mit: „Komm Zigan!“ oder „Komm mit nach Warasdin“ oder „Ich möchte träumen von dir, mein Puzikam!“. Das Orchester spielt die Operetten-Hits so richtig flauschig, die Solisten singen so richtig operettenhaft eingängig. Obwohl ausgebildete Opernsänger(innen), „erleichtern“ die Akteure ihre Stimmen für das Operettenfach, sie schnörkeln, knödeln und zuckerbäckern hier und dort. Das sollen sie auch. Es dient dem Amüsement.

Stichwort: opulent. Es tanzt ein Ballett, das für seinen Walzer nach der Pause spontanen Szenenbeifall erhält. Getanzt wird überhaupt viel, reichlich Csárdás, auch Can-Can, Shimmy und selbstverständlich Wiener Walzer. Denn das Ganze spielt in der k.u.k.-Monarchie, weshalb die Akteure auch Deutsch mit ungarischem Zungenschlag sprechen.

Auf der vorwiegend in Rot gehaltenen Bühne bewegen sich nur schöne Menschen in schönen Kostümen, wobei das rote, hüfthoch geschlitzte und tiefstdekolletierte Paillettenkleid der Gräfin natürlich alle anderen aussticht. Der Schmunzel-Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Auch das Bühnenbild in markantem Liebesrot glänzt mit echtem Mobiliar.

Fazit: Volles Haus mit viel Szenen- und Schlussapplaus. Leichte Unterhaltung – gut gemacht.

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