zur Navigation springen

New-Metal-Media : Online-Magazin für gehandicapte Metalfans

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein 38 Jahre alter Familienvater aus Brickeln macht ein erfolgreiches Internetprojekt, das gerade auch für Menschen mit Handicap interessant ist.

Über 600  000 Aufrufe zählt das online Musikmagazin „New-Metal-Media“ jeden Monat und es werden stetig mehr. Ganz zur Freude von Betreiber Ron Paustian. Seit 2010 sorgt der 38-jährige Brickelner gemeinsam mit fünf ehrenamtlichen Mitarbeitern täglich für frischen Lesestoff. „Mein Magazin ist in dieser Form einzigartig. Bislang gibt es nichts Vergleichbares“, sagt der gelernte Bürokaufmann stolz. Auszeichnungen von Helfer Herzen, die Unterstützung der Stiftung Wegweiser Bürgerschaft sowie die Anerkennung seines Magazins als EU förderungsfähiges Projekt bestätigen die Besonderheit der Internetseite, seiner Idee. „Besonders stolz bin ich aber auch darauf, dass Leser unseres Magazins uns zwei Mal für den Deutschen Bürgerpreis vorgeschlagen haben.“

Wie es der Seitenname bereits erahnen lässt, befasst sich die kostenfreie, elektronische Zeitschrift mit Musik der etwas härteren Gangart. Neben bekannten Bands aus dem Rock, Hard-Rock und den unterschiedlichen Heavy Metal-Bereichen erhalten hier insbesondere Nachwuchs- und Undergroundbands einen Platz. Abseits von Bandvorstellungen und CD-Reviews finden die Leser aus aller Welt zusätzlich Konzert- und Festivalberichte. Doch das ist längst nicht alles. „Was meine Seite so besonders macht sind die zusätzlichen Features und Informationen die wir gehandicapten Metalfans liefern“, erklärt der Familienvater.

Sowohl inhaltlich als auch was die Seitengestaltung anbelangt, geht Ron Paustian auf die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Leser ein. So lässt sich mit wenigen Klicks die Schriftgröße verändern, sodass Menschen mit einer Sehschwäche ihre ganz individuelle Einstellung für die Internetseite wählen können. Für blinde Gäste und Analphabeten gibt es die Audiofunktion: Per Knopfdruck liest der Computer den gewünschten Text vor. „Der eigentliche Unterschied zu anderen Magazinen liegt tatsächlich darin, dass ich unter dem Motto `‚In Metal we are United‘ Inklusion betreibe. Darüber hinaus arbeiten wir alle ehrenamtlich an dem Magazin und sind somit absolut frei und unabhängig“, so Ron Paustian.

2009 kam dem Dithmarscher die Idee, eine unabhängige, nicht kommerzielle Seite aufzubauen, auf der Metal-Fans mit einem Handicap neben den gängigen Informationen eines Musikmagazins auch sachliche, wertungsfreie Informationen beispielsweise über die räumlichen Gegebenheiten verschiedener Veranstaltungsorte und Festivalgelände bekommen können. Informationen, die nicht nur für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte nützlich sind, sondern auch für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

„Ich leide seit über 20 Jahren an Schizophrenie. Obwohl ich medikamentös sehr gut eingestellt bin, habe ich mit den unterschiedlichen Auswirkungen der Erkrankung zu kämpfen und bin daher Frührentner“, bedauert Ron Paustian. Seiner Erkrankung will er sich jedoch nicht ergeben. Trotz Angststörungen möchte er Konzerte besuchen. „Das geht auch, sofern ich nicht in der Masse stehen muss und der Veranstaltungsort mir Rückzugsmöglichkeiten bietet, wo sich die Menschen nicht dicht an dicht drängen“, so der 38-Jährige. Doch gerade solche Informationen, ob eine Location behindertengerecht ist, oder Rückzugsmöglichkeiten bietet, sind nur selten irgendwo zu finden. Gemeinsam mit gehandicapten Metalfans hat Ron daher einen Wertungsbogen entworfen. Rund 400 Bars, Kneipen, Konzerthäuser, in denen Heavy-Metal gespielt wird, beteiligten sich bislang an der Aktion und schickten den ausgefüllten Fragebogen an das online Musikmagazin zurück. Zusätzlich wurden mehr als 70 Festivals unter die Lupe genommen und auf ihre „Behindertenfreundlichkeit“ geprüft. „Wir haben 22 Rollstuhlfahrer und unzählige Leser des Magazins, die diese Angaben überprüfen“, sagt Ron Paustian.

Die anfängliche Skepsis der Konzert- und Festivalveranstalter gegenüber dem Magazin ist mittlerweile deutlich zurückgegangen. „Sie haben erkannt, dass wir bemüht sind wertungsfrei zu arbeiten und Informationen sammeln, damit auch gehandicapte Gäste schönen Veranstaltungen erleben können.“ Paustian: „Wir haben auch schon bei der Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen geholfen, indem wir durch Spendenaktionen die Finanzierung einer Rollstuhlrampe mit auf den Weg gebracht und nach Firmen gesucht haben, die das Vorhaben günstig umsetzen.“

Eine Fülle von Ideen warten noch auf ihre Realisierung. Derzeit sucht das online Magazin nach Sponsoren für einen eigenen Servers. Der Speicherplatz, den der Provider der Homepage anbietet, neigt sich dem Ende. Dabei würde das Magazin gerne jungen Bands die Möglichkeit bieten, kleine Hörproben zu veröffentlichen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen