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kehrtwende : Olendeel: Aufschub für die Tagespflege

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schließung der Tagespflege im Itzehoer Seniorenzentrum zunächst um ein Jahr verschoben. Mehrheit in der Ratsversammlung will neues Konzept. Pläne für Erweiterung sollen forciert werden.

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erstellt am 21.Sep.2013 | 11:45 Uhr

Kehrtwende im Ständesaal: Die Ratsversammlung strebt den Erhalt der Tagespflege im Seniorenzentrum Olendeel an. Ende Oktober sollte diese schließen, doch die Kündigungen für die Nutzer sollen jetzt zunächst für ein Jahr aufgehoben werden. In dieser Zeit soll eine tragfähige Lösung für die Zukunft gefunden werden.

Das Minus beim Betrieb der Tagespflege beträgt 40 000 Euro, deshalb hatte der Aufsichtsrat das Aus beschlossen. Mehrere Kritiker verwiesen auf die Bedeutung der Einrichtung für ihre Nutzer, aber auch deren Angehörige: „Wie sollen Familien in Zukunft ihren Alltag meistern?“, so Kirstin Hansen. Und: Wie sei es zu dieser Entscheidung gekommen? Das wollten auch die kleinen Fraktionen wissen – in den Gremien des Zweckverbands für Klinik und Olendeel sind nur CDU und SPD vertreten.

Zum Beispiel durch Dieter Krämer (SPD), und der fand deutliche Worte: Die Menschlichkeit sei gegenüber den ökonomischen Fakten zu kurz gekommen, „mea culpa“. Die sozialen Härten für Nutzer und Angehörige seien nicht bedacht worden. Um das zu ändern, legten SPD und CDU einen gemeinsamen Antrag vor. Neben der Aufhebung der Kündigung soll eine neue Organisation in Verbindung mit der ambulanten Pflege oder eine andere Trägerschaft für die Tagespflege geprüft werden, ebenso Sparmöglichkeiten beim Fahrdienst. Zudem signalisiere die Stadt, dass in 2014 für mögliche Verluste 20 000 Euro bereit gestellt werden. Auf eine ähnliche Reaktion beim ebenfalls am Zweckverband beteiligten Kreis wird gehofft.

All das wollten CDU und SPD ihren Zweckverbandsvertretern empfehlen, denn sie sind weisungsunabhängig. Die UWI sprach in ihrem Antrag von einer Bitte. Die FDP dagegen, die den Punkt auf die Tagesordnung gebracht hatte, wollte eine Weisung. Das sei möglich, weil die Tagespflege als Aufgabe im Gesetz und in der Satzung stehe, so Fraktionsvorsitzender Dr. Jörn Michaelsen. Das sei zudem ein „starkes Signal“ – dies aber gebe auch schon die Diskussion, so CDU-Fraktionschef Ralph Busch. Letztlich setzten die beiden großen Fraktionen ihre Haltung durch.

Klinikdirektor Bernhard Ziegler (kleines Foto) begrüßte diesen Weg. Wirtschaftlich gesehen sei die Schließung zwar sinnvoll, denn die Tagespflege sei mit ihren zwölf Plätzen zu klein und zu schlecht vergütet, ein Fehler im Gesundheitssystem. Ihr Betrieb drohte das gesamte Olendeel ins Minus zu ziehen, sodass eine neue Privatisierungsdiskussion zu befürchten gewesen sei. „Egal, wie wir es machen, wir machen es falsch“, so Ziegler. Der Umfang der Emotionen nach der Entscheidung habe aber überrascht.

Zwei Drittel der 28 Kunden wären nach einer Schließung noch unversorgt, sagte der Klinikdirektor gestern gegenüber unserer Zeitung. Jetzt aber gebe es genug Zeit, um nach Lösungen zu suchen. Ein Partner werde wohl nötig sein, sei es der klinikeigene ambulante Pflegedienst oder ein externer. Und: „Wir brauchen im Grunde doppelt so viele Kunden, damit es sich wirtschaftlich trägt.“

Darauf zielte der von der Mehrheit gebilligte Antrag der UWI, den Bebauungsplan für die Erweiterung des Olendeel zügig zu überarbeiten. „Das muss vorangebracht werden“, bestätigte Ziegler. Bisher geht es in dem Plan auch um einen möglichen Bau auf dem Parkhaus am Bahnhof. Dieser Teil soll jetzt aus dem B-Plan herausgelöst werden, um das Vorhaben am Olendeel zu beschleunigen.

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