"Ole Primaner" - 125 Jahre Tradition

Erinnerung an die alte Schule am Kirchplatz: Norbert Meinert, Sprecher der 'Olen Primaners', mit einer Ansicht. Foto: krüger (2)
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Erinnerung an die alte Schule am Kirchplatz: Norbert Meinert, Sprecher der "Olen Primaners", mit einer Ansicht. Foto: krüger (2)

Norbert Meinert führt die Glückstädter Vereinigung seit 1979 / Hanna Mecklenburg zum Ehrenmitglied ernannt

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04. September 2012, 07:46 Uhr

Glückstadt | "Nicht, dass ich es schon geahnt hätte, aber ich habe, im Gegensatz zu anderen Anwesenden, immer einen Schlips für besondere Anlässe im Gepäck." Humorvoll eröffnete Dieter Wollenberg die Rede zur Wahl eines neuen Sprechers der Vereinigung ehemaliger Primaner. Wollenberg (Jahrgang 1932) war gerade zum Alterspräsidenten des Konvents ernannt worden und leitete souverän die Abstimmung. Er hatte es allerdings auch nicht schwer: Einen Gegenkandidaten gab es nicht und so wurde Norbert Meinert (67) einstimmig wiedergewählt. Der Glückstädter ist bereits seit 1979 Sprecher der "Olen Primaners".

Sein langjähriger Stellvertreter Martin Meiners hatte zuvor angekündigt, dass er nicht mehr kandidieren würde. Christin Fleck, vorher Vertreterin der Jugend, steht Meinert jetzt als Stellvertreterin zur Seite. Die Versammlung folgte den Vorschlägen des Vorstandes und wählte Eva Sachse als neue Vertreterin der Jugend und Maren Puls als neue Beisitzerin. Die übrigen Vorstandsmitglieder Uwe Willms (Kassenwart), Rüdiger Fock (stellvertretender Kassenwart), Kerstin tho Seeth verheiratete Stäcker (Schriftführerin), Christiane Schinkel verheiratete Wien (stellvertretende Schriftführererin), Bernd Werlich (Beisitzer, Vertreter der Alten), Maren Ludwig verheiratete Blohm (Beisitzerin, Vertreterin der weiblichen Mit glieder), Andrea Neubüser verheiratete Bröcker (Beisitzerin Primanerball) und Jens Blödorn (Beisitzer Primanerball) wurden en bloc in ihren Ämtern bestätigt.

Hanna Mecklenburg, die gestern ihren 90. Geburtstag feierte, wurde bei der Versammlung eine besondere Ehre zuteil. Die ehemalige Beisitzerin wurde unter Beifall des Konvents zum Ehrenmitglied ernannt. Zuvor hatte der Sprecher in seinem Jahresbericht darauf hingewiesen, dass wieder ehemalige Primaner ihre Beiträge drei Jahre nicht bezahlt hatten, sie wurden aus der Mitgliederliste gestrichen. Kassenwart Uwe Willms, der sonst einen zufriedenstellenden Bestand der Kasse vorlegte, fehlen rund 10 000 Euro von Restanten. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum der Vorstand den Konvent um eine Beitragserhöhung bat. Ab sofort ist der Jahresbeitrag, der seit der Währungsumstellung 20 Euro betrug, auf 25 Euro erhöht worden.

Als Spende hatte der Verein ein Dirigentenpult und auf Anregung von Ehepaar Möller ein Foto der alten Schule am Kirchplatz gestiftet. Hans Reimer und Ruth Möller schenkten Schulleiter Hartmut Appel auch ein Bild der Schule mit dem Hinweis, dass das Gebäude zuerst Gelehrtenschule, dann Detlefsengymnasium war und jetzt Jugendzentrum ist. Ein Drittel der Mitglieder des Vereins sind noch am Kirchplatz zur Schule gegangen und verbinden mit dem Gebäude viele Erinnerungen.

Traditionspflege gehört seit 125 Jahren zu den "Olen Primaners". So wurde der Konvent wieder mit dem plattdeutschen Lied "De Eenundörtigste" (zur Erinnerung an das jährliche Treffen am 31. August) beendet.

Martin Meiners machte die "Rede vor der Schule" zum Thema seiner Rede vor der Schule. Meiners hatte herausgefunden, dass 1960 die Reihe der Redner mit Johann Hansen begann, sich mit Hans Reimer Möller 1963, Ernst Magens 1964 und Klaus Meinert 1965 fortsetzte. Erst 1971 fiel die Männerbastion durch die Rede von Frauke Truckenbrodt. Die Reden waren, wie bei den Primanern üblich, unterschiedlichen Themen gewidmet, stellte er fest. Es ging um Zeitgeistiges, Moralisches, Heiteres, Ernstes, Wissenschaftliches, Menschliches, Verständliches und Unverständliches - auf Platt- und Hochdeutsch. Dabei war von Krieg, Flucht und Vertreibung, von Hunger und Kälte und anderem Mangel der Nachkriegszeit die Rede. Häufig war das Thema der älteren Redner, dass sie keinen Bezug mehr zur neuen Schule hätten, es nicht mehr ihre Schule sei. Die Vereinigung und gerade diese Rede sind wohl eine bindende Klammer, der Ball und das Feiern eine andere. "Liebe Primaner bewahrt die Tradition. Bewahrt nicht die Asche, sondern tragt das Feuer voran, lebt den konstruktiven kreativen Austausch zwischen Jung und Alt, engagiert euch für eure Primanervereinigung, dann wird es sie auch in 125 Jahren noch geben", appellierte der Festredner an seine Zuhörer. Mit dem Singen von "Gaudeamus igitur" endete traditionell der Konvent. Die nächste Rede vor der Schule wird Klaus Lange am 31. August 2013 halten.

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