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Norddeutsche Rundschau

24. September 2017 | 01:48 Uhr

AUFFÜHRUNG : Ohrwürmer zum Alten Testament

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Kinderchöre der evangelischen Kirchengemeinde proben für Musical in der Stadtkirche / Musik und Texte stammen von Kantor Florian Hanssen

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2015 | 21:00 Uhr

Jules Lieblingsszene ist die, wenn sie als Jona im Bauch des Wals sitzt. „Da singen wir das schönste Lied, das singe ich auch immer, wenn ich zu Hause bin“, erzählt das elfjährige Mädchen. Zusammen mit 35 anderen Kindern zwischen fünf und elf Jahren bereitet sie sich im evangelischen Gemeindezentrum gerade auf ihren großen Auftritt vor. Unter Leitung von Kantor Florian Hanssen führen die drei Kinderchöre am kommenden Sonntag, 7. Juni, das Musical „Jona“ in der Stadtkirche auf.

Sie erzählen die Geschichte des Propheten Jona aus dem Alten Testament, der im Auftrag Gottes der Stadt Ninive von ihrer Vernichtung berichten soll. Als er sich weigert, landet er drei Tage lang im Bauch eines Wals – und macht sich dann schließlich zu Fuß auf den Weg nach Ninive.

Damit alle Texte und Spielszenen rechtzeitig sitzen, absolvieren die Kinder gerade einen richtigen Probenmarathon, üben zweimal in der Woche und zusätzlich noch am Wochenende. „Es ist etwas ganz anderes, ob man mit Kindern oder mit Erwachsenen arbeitet“, sagt Hanssen. „Die Kinder nehmen alles unglaublich schnell auf, andererseits kann man mit ihnen kein stures Wiederholen machen, sondern muss alle Übungen spielerisch verpacken.“ Seine jungen Chormitglieder hätten aber sichtlich viel Spaß an den Proben für das Musical. „Da sind echte Ohrwürmer dabei – die Musik lässt einen nicht los. Oft höre ich von den Eltern, dass sie die Lieder alle schon kennen, weil ihre Kinder sie ständig zu Hause singen.“

Die Lieder für das Musical hat Florian Hanssen im vergangenen Sommer alle selber geschrieben – sowohl die Texte als auch die Melodien. Manchmal ging das ganz schnell und fließend, an anderen Stücken saß er dann wieder länger. „Ich fange immer mit dem Text an“, erklärt der 36-Jährige. „Oft lasse ich mich von bestimmten Situationen dazu inspirieren.“ Zu dem Lied, das am Hafen spielt, zum Beispiel: Um dem Auftrag Gottes zu entgehen, will Jona ein falsches Schiff besteigen. Am Hafen herrscht buntes Treiben, in der Szene spielen alle 36 Kinder mit. Irgendwo ruft ein Kapitän: „Hier nächste Abfahrt!“ „Dieser Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf, nachdem ich in Hamburg an den Landungsbrücken die Rundfahrten-Verkäufer gehört hatte“, erzählt Hanssen. „Deshalb habe ich dieses Lied daraus entwickelt.“

Die meisten Melodien gehören zur Popularmusik. Wenn Jona, weil er seinen Auftrag nicht ausgeführt hatte, im Magen des Wals landet, singt er ein Lied, das an einen düsteren Blues erinnert. Später, als Gott ihm dann wieder vergibt und Jona sich voller Tatendrang auf den Weg in die Stadt Ninive macht, singen die Chorkinder ein fröhliches Wanderlied. „Dann stampfen sie automatisch alle mit“, erzählt Florian Hanssen, „aber das sollen sie ruhig machen, so etwas darf man nicht unterdrücken.“

Alle Kinder spielen in dem Musical eine wichtige Rolle, wobei allerdings die Älteren mehr Text übernehmen, als die Jüngeren. „Irgendwann gibt es ein Maximum – und ich glaube, das haben wir jetzt auch erreicht“, sagt Hanssen. Damit alle Kinder die Bibelgeschichte mit Jona und dem Wal kennen, ist er vorher mit ihnen auf einen Spielplatz nach Friedrichskoog gefahren. „Dort, auf dem Gerüst in Form eines Wals, haben wir es uns gemütlich gemacht und die Geschichte erzählt.“

Jetzt, wo das Stück kurz vor der Aufführung steht, beobachtet Florian Hanssen Aufregung und Anspannung bei den Kindern. „Sie werden ganz wild, flippen rum. Aber vor allem freuen sie sich natürlich auf ihren Auftritt.“

Die elfjährige Jule, die den Jona spielt, ist auf der Bühne schon ein alter Hase und war schon bei der „Arche Noah“, einem früheren Musical-Projekt der Kinderchöre, dabei: „Jetzt bin ich ein bisschen aufgeregt. Aber wenn wir dann anfangen, geht das weg.“

>Das Kindermusical „Jona“ wird am Sonntag, 7. Juni, ab 16 Uhr in der Stadtkirche Glückstadt aufgeführt. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Chorarbeit der Gemeinde sind aber willkommen.

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