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Kernkraftwerk Brunsbüttel : Ohne Zwischenlager kein Rückbau

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kernfrage in der Schleusenstadt: Wohin mit dem strahlenden Abfall? Brokdorf ist nur theoretisch eine Alternative.

von
erstellt am 13.Feb.2015 | 05:00 Uhr

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht im Januar den Spruch des Oberverwaltungsgerichts Schleswig vom Juni 2013 bestätigt hatte, sind die derzeit neun Castoren mit hochradioaktivem Abfall im Zwischenlager des Kernkraftwerks Brunsbüttel (KKB) nur geduldet. Das Zwischenlager hat keine Genehmigung. Innerhalb von drei Jahren muss sich der Betreiber Vattenfall eine Lösung einfallen lassen. Die jetzige Situation hat Auswirkungen auf den geplanten Rückbau des KKB.

Wie verzwickt die Lage ist, machte ein Info-Abend der Grünen im Itzehoer Regionalbüro für Steinburg und Dithmarschen deutlich. Dr. Dr. Jan Backmann, Leiter der Atomaufsicht im schleswig-holsteinischen Energieministerium, schilderte den gut 40 dicht gedrängten Zuhörern im „Grünen Treff“, wie es weitergehen kann in Brunsbüttel. Erstmal gehe nach dem Urteilsspruch des Bundesverwaltungsgerichts „überhaupt nichts“, so Backmann.

Hintergrund: Die 2003 für das Zwischenlager erteilte Genehmigung wurde beklagt. Der Absturz eines Airbus A380 auf das Gebäude oder der Einsatz panzerbrechender Waffen sei nicht ausreichend berücksichtigt worden, befanden die Verwaltungsrichter. Das bedeute jedoch nicht, dass das Zwischenlager grundsätzlich unsicher sei, betonte Backmann. Auch die übrigen elf Standortzwischenlager an den bundesdeutschen Kernkraftwerken seien entsprechend errichtet worden. Deren Genehmigungen wurden jedoch nicht juristisch überprüft. Sie sind inzwischen rechtskräftig.

Kompliziert wird es dadurch, dass die Zwischenlager gebaut wurden für hochradioaktive Abfälle aus dem Kraftwerksbetrieb. Für 40 Jahre wurden die Genehmigungen erteilt – bis dahin dürfte aber noch kein Endlager für diesen Atommüll gefunden sein. Vor 2050 rechnet auch Backmann nicht damit. Dann wären die Standortzwischenlager schon fünf, sechs Jahre länger als zunächst erlaubt in Betrieb. Im nächsten Jahr soll eigentlich der Rückbau beginnen in Brunsbüttel. Zwingend erforderlich ist es, zuvor den Reaktorbehälter zu räumen. Die Brennstäbe füllen dann elf Castoren, für die im Zwischenlager am KKB Platz vorgesehen ist. Nur dürfen sie dort jetzt nicht mehr hin.

Die Lösung könnte in Brokdorf liegen. Theoretisch zumindest. Allerdings dürfen dort zurzeit nur eigene Brennstäbe gelagert werden. Für strahlendes Material etwa aus Brunsbüttel müsste erst eine Genehmigung eingeholt werden. „Das liegt in der Entscheidung des Bundesamts für Strahlenschutz“, so Backmann. Und dagegen könne geklagt werden. Das Dilemma sei schnell beschrieben: Es werde Abfall produziert, obwohl die Entsorgung nicht geregelt ist: „Das größte Problem ist, dass es kein Endlager gibt.“

Für sein Zwischenlager im Brunsbütteler Kernkraftwerk müsse Vattenfall nun innerhalb von drei Jahren eine Lösung finden. Backmann: „Der Betreiber entscheidet jetzt, was er tun will.“ Ob aus den jetzt vom Land bewilligten drei Jahren irgendwann 20 werden könnten, wollte der Brunsbütteler Grünen-Ratsherr Christian Barz wissen. Tatenlos werde die Atomaufsicht nicht bleiben, betonte deren Leiter. Vattenfall müsse seine Behörde vierteljährlich über den Stand der Entwicklung informieren. In Jülich habe es in vergleichbarer Situation eine Räumungsverfügung gegeben, sagte Backmann. Aber: „Irgendwo müssen die Castoren ja untergebracht werden.“ Aus seiner Sicht drängt die Zeit. Einerseits, weil das Land dem Rückbau des Atommeilers höchste Priorität eingeräumt habe, andererseits, weil kerntechnisch ausgebildetes Fachpersonal allmählich knapp werde. „Das Zeitfenster ist klein.“

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