Appell : Ohne Einzelhandel schwindet Lebensqualität

Rund 20 Leerstände in der Koogstraße. Und es werden mehr,  weiß HGI-Vorsitzender  Dietrich Wienecke.
Rund 20 Leerstände in der Koogstraße. Und es werden mehr, weiß HGI-Vorsitzender Dietrich Wienecke.

Brunsbütteler Gewerbevereins-Vorsitzender wirbt für „Buy local – am Wohnort kaufen“. Gefahr von Geschäftsaufgaben wächst.

Avatar_shz von
28. November 2013, 05:00 Uhr

In Zusammenarbeit mit dem Brunsbütteler Verein für Handel, Gewerbe und Industrie (HGI) unter dem Vorsitz von Dietrich Wienecke lud die Volkshochschule der Schleusenstadt zur Diskussion über das Thema „Buy local – was soll das bringen?“ und lockte selbst Teilnehmer aus Itzehoe und St. Michaelisdonn nach Brunsbüttel.

Der Hintergrund ist in der Schleusenstadt deutlich sichtbar: Rund 20 Geschäfte an der Haupteinkaufsmeile Koogstraße stehen inzwischen leer, ein Teeladen, ein Juwelier und ein Fotogeschäft schließen demnächst endgültig. Nachfolger sind meist nicht in Sicht. Eine Situation, die nicht nur für den Brunsbütteler Einzelhandel steht. Der große Konkurrent um die Gunst des Kunden ist der Internethandel. Hinzu kommt der in den Köpfen der Verbraucher manifestierte Gedanke: „Geiz ist geil.“

Während die ältere Generation in der Regel die Angebote vor Ort in Anspruch nähme, seien es vornehmlich die jüngeren Jahrgänge, die überwiegend im World Wide Web ihre Einkäufe tätigen. Abseits des Internets würden die Altersgruppen der 15- bis 45-Jährigen großen Wert auf so genannte Event-Einkäufe legen: Einkaufstouren in Großstädte oder in so genannten Factory-Outletcenter stünden dann im Vordergrund, waren sich die Veranstaltungsteilnehmer einig.

„Wir haben heute die Wahl, wo wir einkaufen, jedoch treffen wir dabei nur all zu oft eine Entscheidung, ohne alle Aspekte zu bedenken“, mahnte Dietrich Wienecke. Der Vorsitzende des Gewerbevereins sprach sich unter anderen für eine Verbraucherbildung aus. Kritik übte er am oftmals blinden Konsumverhalten der Verbraucher, die sich keinerlei Gedanken über die Folgen ihrer Kaufentscheidung machten.

Örtlicher Einzelhandel, so Wienecke, bedeute nicht nur die Versorgung mit Waren, sondern stehe auch für Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Letztlich, am Ende eine langen Entwicklung, könnte der erzwungene Rückzug des Einzelhandels sogar zum Verfall von Immobilienpreisen führen – weil das Wohnumfeld nicht mehr attraktiv ist. Auch wenn er zugibt, dass diese Betrachtung zunächst auf die Spitze getrieben erscheint, warnt er doch vor der Abkehr vom örtlichen Handel.

Der habe über viele Jahrhunderte hinweg zur Bildung von Ortschaften beigetragen. Siedlungen entstanden an den Handelswegen, erinnert Wienecke. Heute werde die „Verteilungskaskade“ vom Produzenten über den Groß- sowie den Einzelhandel zum Kunden umgangen. „Paketdienste fahren für 3,99 durchs Land.“ Die Warenverteilung unterliegt der Beliebigkeit, Hauptsache, es ist für den Kunden billig.

Dietrich Wienecke ist überzeugt, dass sich Kunden zum Einkauf vor Ort bewegen lassen. Sie müssten nur die Folgen erkennen, wenn sie dies eben nicht tun. „Wir sind an einem Punkt, an dem ganze Sortimente herausfallen“, warnt der HGI-Vorsitzende. Und für die werde es in einer kleinen Stadt wie Brunsbüttel erfahrungsgemäß keinen Ersatz geben. Eine Abwärtsspirale, wie er an einem Beispiel verdeutlicht: „Wir haben seit anderthalb Jahren keinen Drogeriemarkt mehr. Dadurch fehlt den anderen Geschäften Laufkundschaft.“ Die Inhaber müssen ihre Fixkosten mit weniger Umsatz bestreiten – bis sie schließlich aufgeben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen