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Norddeutsche Rundschau

24. Juli 2017 | 00:50 Uhr

Initiative : Offene Gärten für alle

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Privates Engagement erweckt die Anlage Eichtal 2 im Kratt zu neuem Leben.

Stimmengewirr. Ein Schwung Fahrräder vor dem Eingang. Im Garten sitzen mehr als zwei Dutzend Menschen, Joscha Kilian Heinze (12) und kleinere Kinder machen Seifenblasen, auf den Tischen steht reichlich Essen. Die Gartenparty läuft, und das Besondere daran: Sie läuft im Kleingartengebiet Eichtal II im Kratt. Eine private Initiative bringt neues Leben und neue Ideen auf die Flächen in einem Bereich, um den es zuletzt viel Ärger gab.

Am Anfang war ein Film: „Tomorrow“, gezeigt von den Kreis-Grünen und dem Naturschutzverband Bund, der alternative Lösungen für drängende Probleme der Welt präsentiert. Danach habe eine große Runde noch zusammengesessen, sagt Robert Neuhaus. Tenor: „Wir wollen irgendwie was machen.“ Der „Runde Tisch zukunftsfähiges Itzehoe“ war geboren mit verschiedenen Themenfeldern wie Radfahren, Begrünung der Stadt und Gemeinschaft. „Das hier ist das erste konkrete Projekt“, sagt Neuhaus. Die Gemeinschaftsgärten im Eichtal werden am Donnerstag eingeweiht, zum Auftakt wird ein Friedensbaum gepflanzt.

Insgesamt sieben Gärten sind in der jüngsten Vergangenheit neu belegt worden – „wir haben es geschafft, Eichtal II fast komplett zu verpachten“, freut sich Klaudia Bahr. Vier Parzellen sind untereinander verbundene offene Gärten, diese würden gemeinsam und solidarisch bewirtschaftet, sagt Neuhaus. „Sie verstehen sich als Begegnungsort von Menschen, die ein nachhaltiges und weltoffenes Miteinander leben wollen.“

Zuletzt hatte es um den nördlichen Bereich dieser Kleingartenflächen im Kratt heiße Diskussionen gegeben: Sie waren Teil der Planungen für ein künftiges Neubaugebiet, Pächtern war von der Stadt angeboten worden, die Verträge aufzulösen (wir berichteten). Dass sich ausgerechnet in dieser Phase neue Interessenten fanden, sei Zufall, so Neuhaus. „Aber die plötzliche Aufforderung zur Räumung hat die Sache sehr beschleunigt“, sagt Gisela Wieneke vom Bund. Mittlerweile haben interne Sitzungen nach Informationen unserer Zeitung zu dem Ergebnis geführt, dass die zuvor von der Stadt ins Auge gefassten Gärten nicht angetastet werden sollen.

Vier Parzellen haben syrische Familien angemietet. Enorm viel Arbeit wurde bereits investiert, um die nach mehr als zehn Jahren völlig verwilderten Areale zumindest wieder begehbar und die Gartenlauben wieder erreichbar zu machen. „Wir wussten gar nicht, dass hier Gehwegplatten sind“, sagt Neuhaus an einer Stelle. Massenhaft Brombeeren wurden gerodet und dienen jetzt als Hecke. Geplant ist ein Lehrgarten für nachhaltige Permakultur, unter dem Stichwort „Alphabeet“ sollen auch Sprachkurse starten: Die Frauen lernen in einer der Lauben, die Männer und Kinder arbeiten im Garten.

Man habe sich nicht nur am Tisch treffen wollen, sagt Neuhaus über die Eichtal-Initiative. „So macht es einfach mehr Spaß.“ Und das Projekt entfalte eine deutlich spürbare Magnetwirkung: „Es taucht jede Woche jemand Neues auf.“

Info:

Die Einweihungsfeier für die Gemeinschaftsgärten beginnt Donnerstag, 29. Juni, mit dem feierlichen Schmücken und Pflanzen eines Friedensbaums, der Teil eines weltweiten Netzwerks wird. Die Friedensbaum-Stiftung mit Sitz am Bodensee hat seit 2011 mehr als 40 Bäume rund um den Erdball gepflanzt. Die von Friedensgebeten begleitete Aktion beginnt um 17 Uhr (Eintreffen der Gäste ab 16 Uhr). Ab 18.30 Uhr gibt es ein Picknick bei Musik am Lagerfeuer. Beiträge zum Essen sind ebenso willkommen wie Geldspenden für die Zeremonie. Zu erreichen ist die Kleingartenanlage über Jahn- und Waldstraße, in deren Verlängerung gibt es Parkplätze.

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erstellt am 27.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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