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Stadtentwicklung : Offene Fragen zum Einkaufszentrum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wirtschaftsausschuss kommt zu keiner eindeutigen Empfehlung für Planungen auf dem Berendsen-Gelände in Glückstadt. FDP möchte großflächiger planen.

Würde ein Einkaufszentrum an der Stadtstraße dem Einzelhandel in der Innenstadt schaden? Würde sich neben Edeka und Aldi vielleicht auch ein Baumarkt dort ansiedeln, wie ihn sich viele Glückstädter schon lange wünschen? Oder könnte man nicht den alten Standort von Aldi und Edeka an der Christian-IV.-Straße erweitern? Vielleicht würde sich das Grundstück an der Stadtstraße in seiner hafennahen Lage ohnehin besser als Wohngebiet eignen? Mit vielen offenen Fragen verließen die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses den Sitzungssaal. Nach einer einstündigen hitzigen Debatte kamen sie zu keiner klaren Entscheidung, ob nun ein Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Areal der Wäscherei Berendsen angesiedelt werden soll oder nicht.

Für dieses Grundstück liegt ein Vorschlag der Entwickler-Firma Ten Brinke vor, die dort neben Aldi und Edeka Schönbeck auch einem Schuhgeschäft, einer Drogerie und einem Bekleidungsmarkt Raum geben möchte (wir berichteten). Einzig die Piraten unterstützten eins zu eins dieses Konzept. Ihr Fraktionsvorsitzender Dr. Siegfried Hansen sprach von einer „einmaligen Chance“, die sich der Stadt mit diesem Vorschlag biete. Immer wieder tauchte das Argument auf, dass der von Jens Schönbeck betriebene Edeka-Markt nur überleben könne, wenn er sich zusammen mit Aldi auf dem Berendsen-Gelände ansiedeln und vergrößern könne. Der Inhaber wollte dies auf Nachfrage unserer Zeitung nicht weiter kommentieren, sprach sich aber klar für das Konzept von Ten Brinke aus.

CDU und Grüne stellten sich hinter einen Vorschlag der Stadtverwaltung, der sich gegen ein Einkaufszentrum auf dem Berendsen-Gelände ausspricht. „Es gibt dort eine Sache, die uns fehlt“, begründete Bürgermeister Gerhard Blasberg, „und das ist ein Baumarkt.“ Viele Glückstädter würden sich seit langem schon einen Baumarkt in ihrer Stadt wünschen. Daher sei schon lange bevor das Berendsen-Gelände ins Gespräch kam, ein Einkaufszentrum auf dem Kasernen-Gelände geplant worden. 2011 hatten die Stadtvertreter den „Bauplan Marine-Viertel“ aufgestellt. Die Firma Plaza war bereit, sich dort unter anderem mit Baumarkt-Sortiment anzusiedeln. Auf Grund einer nicht erteilten Genehmigung und einer Klage sind die Planungen ins Stocken geraten, aber noch nicht aus der Welt. Letztlich würde also bei grünem Licht für das Berendsen-Gelände ein zweites Einkaufszentrum in Glückstadt geplant. Die jetzigen Planungen für das Marine-Viertel würden de facto gefährdet. In den Beratungen des Ausschusses stand allerdings – wie es die Tagesordnung vorsah – das Berendsen-Gelände im Mittelpunkt.

Überraschend brachte die FDP einen neuen Vorschlag ins Gespräch, nach dem benachbarte Grundstücke des Berendsen-Areals in eine städtebauliche Planung mit einbezogen werden könnten. Dazu gehören einige kleinere Grundstücke am Herzhorner Rhin sowie der jetzige Standort von Aldi und Edeka an der Christian-IV.-Straße. Dort könnten dann neben Handelsflächen auch zum Beispiel Seniorenwohnungen entstehen, sagte Stefan Goronczy (FDP) und plädierte dafür, einen städtebaulichen Wettbewerb für das Gelände auszurufen. In der Tat hatte der ehemalige Inhaber der Wäscherei, Jochen Nölke, dem einige der angrenzenden Grundstücke gehören, angeboten, seine Flächen für städtebauliche Projekte zur Verfügung zu stellen.

Das Abstimmungsergebnis, zu dem die neun Ausschussmitglieder kamen, ist alles andere als eindeutig: Vier Vertreter (CDU, Grüne) stimmten gegen ein Einkaufszentrum auf dem Berendsen-Gelände, fünf (SPD, Piraten, FDP) sprachen sich dafür aus. FDP-Vertreter betonten allerdings, nicht das Ten Brinke-Vorhaben sondern ihren eingebrachten Vorschlag zu unterstützen. Mit diesem knappen Ergebnis wird das Thema ohne klares Votum an die Stadtvertretung weitergereicht, die am 10. Juli tagt und erneut diskutieren muss.

Bürgermeister Gerhard Blasberg, der sich enttäuscht zeigte, dass in der Sitzung nicht mehr offene Fragen geklärt wurden, will diese sechs Wochen bis zur Sitzung nicht tatenlos verstreichen lassen. Auf seinen eigenen Vorschlag hin gab ihm der Ausschuss mehrere „Hausaufgaben“ auf. Zunächst wolle er das Gespräch mit Aldi suchen, um über die Möglichkeit einer Erweiterung des bestehenden Ladens an der Christian-IV.-Straße zu reden. Außerdem wolle er mit der Firma Rossmann klären, ob sie auch bei Ansiedlung eines weiteren Drogerie-Markts ihr Geschäft am Fleth halten werde. Er erhoffe sich, Antworten auf diese und weitere offene Fragen zu finden, sodass die Stadtvertretung im Juli zu einem mehrheitsfähigen Beschluss kommen könne.

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erstellt am 22.Mai.2014 | 17:00 Uhr

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