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Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 13:27 Uhr

Wirtschaft : Ökobauern wollen Meierei retten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Übernahmekonzept für Meierei Horst steht: Verbraucher sollen Anteile kaufen, die Produktionsmenge wird vorerst halbiert.

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2014 | 16:47 Uhr

Atempause für die Meierei Horst: Nachdem die Ökomelkburen ihr Rettungskonzept präsentiert haben, führen die 22 Mitglieder der Genossenschaft den Betrieb zunächst weiter. Das sagte Ökomelkbur Achim Bock aus Lutzhorn gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Bisher war ihr Plan, die Genossenschaft zum 1. April zu verlassen.

Sobald die Banken der Genossenschaft frisches Kapital zur Verfügung stellen, wollen Bock und seine Kollegen Hans Möller aus Lentföhrden sowie Heino Dwinger aus Schmalfeld (beide Kreis Segeberg) die Anteile der Genossenschaft übernehmen. Danach sollen auch Verbraucher Mitglieder der Genossenschaft werden können. „Wir wollen Landwirte und Verbraucher wieder an einen Tisch bringen, ohne den Großhandel dazwischen“, sagte Möller. Konkreteres werde aber erst Mitte des Jahres feststehen.

Die Produktionsmenge werde zunächst um 50 Prozent reduziert, wie Geschäftsführer Simon Pries sagte. Denn die Bauern, welche die Genossenschaft verlassen wollten, verkaufen ihre Milch seit dem 1. April an die Breitenburger Milchzentrale – zumindest auf dem Papier. Denn die Meierei Horst kaufe einen Teil der Milch von der „Breitenburger“ zurück. Die Bauern brächten ihre Milch weiterhin direkt in die Molkerei nach Horst. „Wir kaufen so viel, dass die Meierei ausgelastet ist, können bei der Menge zukünftig aber flexibel sein. Dafür sind wir mit der ‚Breitenburger‘ eine Partnerschaft eingegangen“, sagte Bock. So solle etwa die vor Kurzem eingestellte Produktion von Schulenburg-Quark wieder aufgenommen werden.

Dass die Meierei auch langfristig eine Zukunft hat, davon sei Möller überzeugt. Regionalität sei im Trend, zudem habe die Meierei mit ihrer traditionellen und schonenden Verarbeitung der Milch ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im norddeutschen Raum. „Wir wollen eine regionale Marke nicht aussterben lassen“, so Möller. „Der Standort bleibt, die Mitarbeiter auch – und damit das Know-How“, erläuterte er. Der Betrieb hat elf Angestellte.

Ein Käsereibetrieb, mit dessen Produkten wesentlich bessere Preise erzielt werden könnten, sei vorerst nicht geplant. Die nötigen Investitionen wären zu hoch, erklärte Bock. Als erstes müsse es nun darum gehen, die Traditionsprodukte aus Horst bekannter zu machen. „Da müssen wir sicher die Werbung verstärken“, so der Milchbauer. Außerdem erhofften sich die Melkburen einen Schub, wenn Kunden Genossenschaftsanteile übernehmen und so in ihrem Umfeld für die Erzeugnisse „Made in Horst“ werben. Auch wenn die Melkburen die Meierei übernehmen, werde dort weiterhin konventionelle neben ökologischer Milch verarbeitet.

Ein Rettungsplan für den 1891 gegründeten Traditionsbetrieb (siehe unten) sei nötig geworden, weil immer mehr Lieferanten austraten und ihre Milch zu höheren Preisen an andere Molkereien verkauften. Die Zahl der Mitglieder der Meierei-Genossenschaft sei während der vergangenen Jahre von 60 im Jahr 2005 auf heute 22 gesunken.

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