Seltene Vogelarten in St. margarethen : Oase für den Wachtelkönig

Überflutungsbereich direkt an der Elbe: Hier kann sich eine einzigartige Fauna und Flore entwickelt.  Fotos: Dudde (2)
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Überflutungsbereich direkt an der Elbe: Hier kann sich eine einzigartige Fauna und Flore entwickelt. Fotos: Dudde (2)

Im Deichvorland bei St. Margarethen gibt es ein einzigartiges Rückzugsgebiet für seltene Vogelarten.

shz.de von
25. Juni 2018, 05:00 Uhr

Bei den mehr als 200 Veranstaltungen „Langer Tag der StadtNatur Hamburg“ beteiligte sich auch der Kreis Steinburg mit zwei Programmpunkten. Eine Führung durch die NSG Rhinplate (Herrenfeld bei Glückstadt) und eine spannende Exkursion durch das Vorland St. Margarethens geboten. Ornithologe Harold Ingwersen und Ulrike Wegner vom Amt für Umweltschutz – Untere Naturschutzbehörde – beim Kreis Steinburg informierten 18 Teilnehmer über die Pflanzen- und Tierwelt der 298 Hektar Vorlandfläche. Das EU-Vogelschutzgebiet darf außerhalb fachlicher Führungen ausschließlich auf dem Asphaltweg mit dem Rad befahren oder durchwandert werden.

Ulrike Wegner erläuterte: „Das Vorland St. Margarethen/Büttel besteht aus beweideten und teilweise gemähten Grünlandflächen, Röhrichten, einzelnen Weidengebüschen, Prielen sowie kleinen Wasserflächen. Da das Gebiet nicht eingedeicht ist, kommt es bei Hochwasser zu Überflutungen der Flächen.“

Durch den tidebeeinflussten Vorlandbereich mit regelmäßigen Überschwemmungen bei Sturmfluten habe sich dort ein ursprüngliches Landschaftsbild mit einer spezifischen Vegetation entwickelt. Im Vorland befinden sich unter anderem artenreiche Flachland-Mähwiesen mit großen Vorkommen des Klappertopfes (Sommerwurzgewächs) sowie tidebeeinflusste Tümpel mit Blumenbinsen. Die feuchten Schlammfluren an Flachgewässern stellen wichtige Biotope für Vögel dar.

Zu den bedeutenden und regelmäßig anzutreffenden Brutvögeln gehören zum Beispiel Schafstelze, Kiebitz, Rotschenkel, Uferschnepfe, Bekassine, Rauchschwalben, Uferschwalben, aber auch Röhrichtbrüter wie Blaukehlchen (steigt in der Zahl) und Schilfrohrsänger.

Ganz besonders erfreut ist Harold Ingwersen über die Beobachtung vom seltenen Wachtelkönig. Vier Paare habe er spät am Abend mit ihrem Gesang gezählt. „Tendenz sinkend, da der Wachtelkönig im Sommer in der Mauser seine Flugfedern verliert und dadurch flugunfähig wird, ist er den Mähmaschinen ausgeliefert“, berichtet der Ornithologe.

Zur Landgewinnung wurden Deiche immer direkt am Wasser gebaut. Warum der Deich so weit im Inland an dieser Stelle aufgerichtet wurde, erläutert Ulrike Wegner: „Der Boden ist sumpfig und moorig. Ein Deich für den Hochwasserschutz konnte so nicht direkt am Wasser gebaut werden.“

Auch der gebaute Hinterlanddeich sank seinerzeit ab, und die Häuser in direkter Nachbarschaft stiegen in die Höhe, mussten abgetragen werden. Der Deich sinke immer noch und müsse wieder auf 8,50 Meter in der Deichkrone gebracht und erhalten werden. Auf abgegrenzten Flächen im Vorland grasen übrigens Holstein-Rinder, die bei Hochwasser immer rasch in Sicherheit gebracht werden müssen.

Eine Pause wurde auf einer uralten Warft im Gelände eingelegt. Dort soll einst ein Wirtslokal – von Wasser umgeben – gestanden haben. Doch schon 1902 brannte das Haus ab und die Warft blieb verlassen.

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