Kommunalpolitik : Nutzwertanalyse für Kreishaus-Neubau

 Eine ausreichende Mehrheit der Wähler stimmte für den Erhalt der Fassaden des einstigen Bahnhofshotels und des angrenzenden Bollhardt’schen Gebäudes.
Eine ausreichende Mehrheit der Wähler stimmte für den Erhalt der Fassaden des einstigen Bahnhofshotels und des angrenzenden Bollhardt’schen Gebäudes.

Nach angeregter Diskussion im Bauausschuss: Kriterienkatalog geht jetzt in die Fraktionen. Kostenfrage ist noch immer offen.

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18. Januar 2015, 08:19 Uhr

Der stellvertretende Landrat Dr. Heinz Seppmann (CDU) brachte es in seiner unnachahmlichen Art wieder auf den Punkt: „Der eine liebt die Mutter, der andere die Tochter.“ Im konkreten Fall geht es bei Mutter und Tochter allerdings um die Frage, ob die Kreisverwaltung am angestammten Platz bleiben oder auf das Alsengelände umsiedeln soll. Mit einer Nutzwertanalyse soll sich die Politik jetzt selbst eine Entscheidungshilfe erarbeiten. Ein erster Kriterienkatalog mit einer Bandbreite von optimalen Arbeitsabläufen, über Bürgernähe und Kaufkraft für die Innenstadt bis hin zur Frage des Erhalts von Kulturgut wurde jetzt im Bauausschuss des Kreistages diskutiert. Am Ende war man keinen Schritt weiter. Jetzt sollen sich erst einmal die Fraktionen einen Kopf machen.

Landrat Torsten Wendt sprach von „einem Versuch, ein komplexes Thema zu objektivieren“. Nach seiner Beobachtung könne es sonst leicht zu reinen Bauchentscheidungen kommen. Bauamtsleiterin Daniela Immich betonte, dass es bei den jetzt vorgelegten Kriterien ausschließlich um die Standortwahl, nicht aber um die Gebäude selbst gehe.

Heinz Seppmann fand auf den ersten Blick die Kriterien gut gewichtet. Tatsächlich machen Fragen der Bürgernähe und der Arbeitsplatzattraktivität schon die Hälfte einer Gesamtbewertung aus. Tradition oder der Erhalt von Kulturgut wie dem umstrittenen Umgang mit dem ehemaligen Bahnhofshotel schlagen nur mit jeweils zehn Prozent zu Buche. Für Grünen-Abgeordneten Heinrich Voß könnte das ein Knackpunkt sein: Am Ende, so seine Befürchtung, könne eine politische Entscheidung so, die Ergebnisse der Analyse aber ganz anders ausfallen. Für Voß ist ohnehin die Wirtschaftlichkeit ein Hauptkriterium.

Völlig außen vor bleibt bislang die Kostenfrage. Laut Wendt und Immich müsse zunächst eine Standortentscheidung getroffen werden, da man nicht im Vorfeld alle Varianten bis ins Detail überplanen könne. Lediglich eine grobe Schätzung werde es daher geben können.

Für den SPD-Abgeordneten Rainer Naudiet ist aber genau die Kostenfrage der entscheidende Punkt. Wenn eine Variante am Ende zehn Millionen Euro teurer als die andere werde, brauche man gar keine weitere Kriterien mehr. „Dann ist die Entscheidung gefallen.“ In der weiteren Diskussion wurde deutlich, dass Verwaltung und Politik in Sachen Kreishaus alles andere als im Gleichschritt unterwegs sind. „Unsere Erwartung war schon, dass wir Finanzdaten bekommen“, moserte Naudiet. Landrat Wendt hingegen reagierte sichtlich angesäuert auf den neuerlichen Beratungsbedarf: „Ich wusste nicht, dass dass Thema noch einmal in die Fraktionen muss.“ Er bat um eine möglichst zügige Beratung. „Wir wollen ja vorankommen.“

Gleichzeitig betonte er aber auch, dass „die Kreisverwaltung keinerlei Interesse daran habe, in der Itzehoer Innenstadt eine Bauruine zu hinterlassen“. Der Verwaltungschef geht davon aus, dass es – bei einer Standortentscheidung pro Alsen – nahmhafte Interessenten für die Immobilien in der Viktoriastraße geben werde. Nur dafür müsse erst einmal eine Entscheidung getroffen werden.

Schaffen die Fraktionen es, könnte der Kriterienkatalog noch Ende Januar vom Hauptausschuss abgesegnet werden. Erste Zahlen sollen spätestens zur Kreistagssitzung im Juni vorliegen. Dann könnte zumindest über den künftigen Standort der Kreisverwaltung entschieden werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss das Projekt aber auch der Bevölkerung verkauft werden. Nach den Erfahrungen mit dem Bürgerentscheid will der Kreis sich für die Öffentlichkeitsarbeit diesmal professionelle Hilfe von außen holen. Die Kosten dafür, so versicherte Dezernent Dr. Friedrich-Wilhelm Stork auf Nachfrage, seien „im Verhältnis zu dem Gesamtprojekt überschaubar und auch gut angelegt“.

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