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Cuxhaven-Fähre : Nur noch ein Investor im Boot

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hohe Investitionskosten und kurze Profitphase – Das zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven geplante Projekt ist ein wirtschaftlich ehrgeiziges Vorhaben.

Wieder aufleben soll die Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven. Zwei von der Rostocker Beratungsfirma Baltic Marine Consult (BMC) in Auftrag von Egeb und der Agentur für Wirtschaftsförderung in Cuxhaven einerseits sowie dem Land Niedersachsen andererseits erstellte Gutachten attestieren dem Projekt gewisse Chancen. Teuer wird zunächst vor allem die Investition in drei Schiffsneubauten. Diese hochseetüchtigen Fähren sollen die Strecke zwischen beiden Städten im festen Stundentakt befahren – egal, ob gegen die Gezeiten in der Elbe oder Sturm. Die Baukosten pro Fähre werden derzeit mit 16 Millionen Euro angeben. Einer von zehn im Juli angeschriebenen Investoren ist noch im Boot. Am 7. Oktober soll es mit dem Reeder in Brunsbüttel ein Gespräch geben.

Gestern befasste sich der Wirtschaftsausschuss des Landtags bei seiner Tagung in der Schleusenstadt mit dem Thema. Angestoßen hatte die Diskussion Patrick Breyer von den Piraten. Eigentlich sei aus Expertensicht zunächst alles gesagt, erklärte Volker Jahnke von der Egeb. Jetzt gehe es im nächsten Schritt darum, jemanden zu finden, der das wirtschaftliche Risiko schultern könne.

Keine leichte Aufgabe. Denn ein Investor, der die Fährlinie wieder in Betrieb nehmen will, muss den seit einer Havarie beschädigten Anleger in Cuxhaven sanieren, es müssen dort wie in Brunsbüttel Zufahrtsstraßen gebaut werden. Und: Zuschüsse sind vom Land nicht zu erwarten. Gleichzeitig soll sich das Unternehmen binnen zehn Jahren tragen. Denn zwölf Jahre gibt Staatssekretär Dr. Frank Nägele als Planungs- und Bauzeit für eine feste Elbquerung bei Glückstadt an, zwei Jahre dauert es, bis die Fährschiffe gebaut sind. Nur so lange es den Tunnel bei Glückstadt nicht gibt, gilt eine Fährverbindung als Alternative über die Elbe. Danach, so Nägele, zeige die Erfahrung, verliere eine Fähre an Bedeutung und bliebe nur noch für den Individualverkehr interessant. Ausschussvorsitzender Hartmut Hamerich (CDU) stellte trocken fest: „Ab dann können wir die Fähre unter Denkmalschutz stellen.“

Immerhin, die von den Rostocker Gutachtern ermittelten Beförderungsquoten versprechen dem Betreiber ein gutes Geschäft. So prognostizierte BMC für dieses Jahr ein Aufkommen von jährlich 265 000 Pkw, 48 000 Lkw und 625 000 Personen. In den kommenden zehn Jahren würden die Zahlen auf 302 000 Pkw, 53 000 Lkw und 670 000 Personen ansteigen. Dies bei Preisen, die weit über dem Tarif der Linie zwischen Glückstadt und Wischhafen liegen: Überfahrten sollen für Pkw 38 und für Lkw 75 Euro kosten.

Kürzlich geäußerte Überlegungen der Landesgrünen, Bundesstraßenertüchtigung und Cuxhaven-Fähre könnten die A 20 überflüssig machen, erteilte Volker Jahnke angesichts der zu erwartenden Beförderungszahlen eine Abfuhr: „Die Fähre wird die A20 niemals ersetzen können.“

Warum sich das Land nicht an der Investition beteiligen werde, machte Nägele deutlich. Es dürfe keine Wettbewerbsverzerrung gegenüber der privat betriebenen Fähre bei Glückstadt geben. Und Zuschüsse fürs Transportgewerbe seien nicht möglich. Allenfalls bei den Schiffsneubauten ein sechsstelliger Betrag – für die Mehrkosten leistungsfähiger, umweltfreundlicher Antriebe gegenüber herkömmlichen Maschinen. Und dies nur, wenn die Schiffe in Schleswig-Holstein gebaut würden.

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erstellt am 18.Sep.2014 | 12:00 Uhr

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