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Personennahverkehr : Nur ein Wunsch auf einer langen Liste

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine Bahnanbindung für Brunsbüttel wird in Ausschreibung aufgenommen – viel Hoffnung gibt’s aber nicht. Wahrscheinlicher ist eine Busverbindung direkt nach Hamburg.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 05:06 Uhr

Es klang zunächst alles recht verlockend, doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Ende 2015 läuft der Vertrag der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) aus. Zehn Jahre war diese dann für den Zugverkehr zwischen Hamburg und Westerland/Sylt zuständig. Mit der europaweiten Ausschreibung werden die Karten neu gemischt. „Es gibt eine Chance, die Verbindung Brunsbüttels zu verbessern“, sagte Bernhard Wewers, Geschäftsführer der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) zu Beginn der Informationsveranstaltung zum Thema „Anbindung Brunsbüttels und der Unterelberegion an den Bahnverkehr“, zu der die Grünen um Bernd Voß eingeladen hatten.

Neben einer möglichen Bahnanbindung wurden auch zwei Busvarianten von der LVS unter die Lupe genommen. Alle drei Varianten sollen in die Ausschreibung aufgenommen werden, kündigte Wewers an. Doch der Wunsch aus der Schleusenstadt, nach einem direkten Verkehrsanschluss in Richtung Hamburg ist nur ein Punkt auf einer langen Liste, die in einer Ausschreibung Berücksichtigung finden soll. Irgendwo zwischen den Forderungen nach Sonderzügen und einem Sprinterzug, der die Strecke Hamburg-Sylt in zweieinhalb Stunden zurücklegt, einer besseren Vertaktung der Verbindung Westerland-Niebüll und einer Verbindung mit dem Hamburger Hauptbahnhof ohne in Hamburg-Altona umsteigen zu müssen und anderen Wünschen taucht die Begierde des Industriestandortes Brunsbüttels nach einer Verbesserung der Infrastruktur auf.

Rund sieben Milliarden Euro stellt der Bund für das kommende Jahr, für die Finanzierung des Bahnverkehrs in Deutschland zur Verfügung. „Die Summe ist jedoch nicht garantiert“, betont der LVS-Geschäftsführer im selben Atemzug. Etwa drei Prozent der Summe fließen nach Schleswig-Holstein. „Die Kosten für die Westküstenstrecke Hamburg-Westerland dürfen gegenüber den bisherigen Ausgaben nicht steigen“, erklärte Wewers. „Schwierig bei so vielen Wünschen“, klang es aus der Zuhörerrunde.

Nachdem 1986 der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Brunsbüttel eingestellt worden war, müssten erst einmal rund sechs Millionen Euro in die Stellwerk- und Signaltechnik investiert werden. Das bestehende Schienennetz könnte ohne große zusätzliche Investitionen genutzt werden, meinte Jochen Schulz (LVS). Mit 80 Stundenkilometer könnte der Zug von Brunsbüttel über Wilster im Stundentakt nach Hamburg Altona fahren. Dabei würde die Fahrzeit rund eineinviertel Stunden betragen. Doch „der Bahnhof liegt auf der falschen Seite der Stadt“, bemängelt die LVS. Es müssten Möglichkeiten geschaffen werden, um Zugreisende vom Bahnhof auf die Brunsbütteler Nordseite zu bringen, was zusätzliche Kosten erzeugt. Sowohl die Investitionskosten als auch die jährlichen Unterhaltungskosten in Millionenhöhe wären vom Bund zu tragen und drei Mal so hoch wie bei einer vergleichbaren Busverbindung.

Für die Finanzierung der zwei zusätzlichen Verkehrsvarianten, die vorsehen die Brunsbütteler Fahrgäste mittels Schnellbussen nach Itzehoe zu bringen, um dort ein Umsteigen auf die Bahn zu ermöglichen oder Direktfahrten mittels Bus nach Hamburg, wären indessen die Kreise zuständig. Gegebenenfalls könne man den Kreis Steinburg noch mit ins Boot holen, sodass die Kosten geteilt werden könnten.

Am Ende kristallisierte sich bei den Gästen der LVS ein Schnellbus als Vorzugsvariante heraus. Dieser würde ab Marne über Brunsbüttel direkt in die Hansestadt mit einer geplanten Fahrzeit von eindreiviertel Stunden fahren. Der LVS-Geschäftsführer ließ deutlich erkennen, dass dies auch die Empfehlung für eine Verbindung zwischen Brunsbüttel und Hamburg sein werde, die das Land erhalten werde. „Die endgültige Entscheidung, welche der drei Varianten es gegebenenfalls sein soll, trifft jedoch die Landesregierung“, unterstrich Wewers mehrfach.

„Die Antwort der Kreise können wir uns doch schon denken, dafür haben wir kein Geld, wird es heißen“, äußerte der Brunsbütteler Christian Barz. „Das Ergebnis überrascht mich nicht“, kommentierte Bürgermeister Stefan Mohrdieck die Ausführungen der LVS. Persönlich würde er sich einen Bahnanschluss wünschen, da dies die attraktivste Variante sei, um auch Touristen in die Stadt zu holen. Doch letztlich würde jede Variante die derzeitige Situation verbessern. „Für eine Busverbindung müssten wie noch sehr viel Überzeugungsarbeit in den Kreisen Steinburg und Dithmarschen leisten“, fügte Mohrdieck hinzu. Bei Gesprächen dieser Art habe der Bürgermeister bislang immer ein und dieselbe Antwort erhalten, die mit leeren Kassen begründet wurde.

„An der Westküste leben auch Menschen mit Bedürfnissen, die leider immer wieder übersehen werden. Bitte erinnern Sie Ihre Kollegen in Kiel noch mal daran, dass auch wir hier berücksichtigt werden wollen und müssen“, richtete Daniela Meyer abschließend einen Appell an den Landtagsabgeordneten Bernd Voß.

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