Kameramuseum Beidenfleth : Nur digitale Kameras sind tabu

Der NDR kam zu Dreharbeiten ins Kameramuseum: Andreas Lorenz, Jela Henning, Torben Müller und Bea Müller (v.l.).
Der NDR kam zu Dreharbeiten ins Kameramuseum: Andreas Lorenz, Jela Henning, Torben Müller und Bea Müller (v.l.).

Der Beidenflether Andreas Lorenz hat schon 3600 Fotoapparate aus aller Welt gesammelt. Am Sonntag sendet der NDR einen Beitrag über sein kleines Museum.

shz.de von
02. November 2017, 05:00 Uhr

Auf einem Flohmarkt kaufte Andreas Lorenz 1985 eine Kodak-Klappkamera für 5 Mark, mittlerweile hat er über 3600 Exemplare aus allen Ländern und Marken. Einige von seiner Schwester aus Australien, die unter anderem eine Kamera in einer Getränkedose schickte. 2200 Kameras sind im „Kamu“, dem Kameramuseum in Beidenfleth, ausgestellt, das Andreas Lorenz vor sechs Jahren eröffnete. Das älteste Stück ist eine Balgenkamera der Firma Ed. Liesegang aus Düsseldorf, die 1859 in der firmeneigenen Kunst-Tischlerei gefertigt wurde. Die damalige Technik erforderte chemisches Pulver für eine Aufnahme mit Blitzlicht. Auch das findet sich in der Ausstellung. „Das soll aber nicht ungefährlich sein“, warnt Andreas Lorenz. Jetzt kommt der Beidenflether mit seiner ungewöhnlichen Sammlung ins Fernsehen.

Eines der wenigen existierenden Indra-Lux Modelle befindet sich ebenfalls im Kamu. Der Fotoapparat aus Bakelit wurde 1949 in Frankfurt gebaut. Viele Exemplare gibt es nicht mehr, die Firma schloss nach sechs Monaten wieder. Der mit 12,90 Mark aus heutiger Sicht günstige Apparat war bereits mit viel technischer Raffinesse wie Durchsichtsucher mit Farbbremse, Filmreservekammer und Augenmuschel ausgestattet.

Seine Ausstellungsstücke erhält der Sammler aus dem ganzen Land von Gleichgesinnten, die ihre Sammlung auflösen oder Schätze im Schrank haben. „Es werden fast täglich mehr“, schwärmt der Mann, den alle nur als „Lonzo“ kennen. Digital kommt ihm aber nicht ins Haus, das steht fest.

Seit der Museumseröffnung ist viel passiert, es kommen Besuchergruppen aus ganz Deutschland und andere auf Kameras spezialisierte Museen haben den Kontakt zu dem Beidenflether gesucht. Berichte in örtlichen Zeitungen und überregionalen Blättern bringen der Störgemeinde einen gewissen Bekanntheitsgrad. Bei Recherchearbeiten war nun auch der NDR auf einen Artikel über das Kamu gestoßen. Jetzt war ein Filmteam zu Gast und hat einen Kurzfilm für die Sendung „Nordtour“ auf N3 am nächsten Sonntag, 5. November, um 18 Uhr, gedreht. Redakteurin Jela Henning, Kameramann Torben Müller und Assistentin Bea Müller staunten über die Vielfalt und die Kleinode unter den Exponaten.

Kameras auf Pistolenhalterung und Mini-Cams, unterschiedliches Zubehör und in einer Ecke sogar Filmkameras mit alten Spulen – überall findet man Foto-Geschichte, von den Anfängen um 1800 bis zur neueren analogen Technik. Lorenz freut sich über die Resonanz und über die Unterstützung der Gemeinde. „Mein Ziel sind jetzt 5000 Stück“, hat sich Andreas Lorenz ein neues Ziel gesteckt, allerdings wird der Platz langsam knapp. „Wir können nicht alle Teile hier präsentieren.“ Aber die Ausstellung wird jährlich neugestaltet, neue Exemplare werden hinzugefügt und andere eingelagert.

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