Landwirtschaft : Nur der Frost kann helfen

Hoffen auf trockenes Wetter: Thies Magens (33, l.) und Fabian Lips (17).
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Hoffen auf trockenes Wetter: Thies Magens (33, l.) und Fabian Lips (17).

Die bauern sind in Not: Die Äcker stehen unter Wasser und die Güllenbehälter sind vielerorts randvoll – auch bei den Landwirten in Kollmar.

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06. Februar 2018, 05:10 Uhr

„Wir brauchen unbedingt trockenes Wetter mit Frost“, beschreibt Joachim Becker das Problem. Auf vielen Äckern steht das Wasser. Becker weiß, wovon er spricht, der Landwirt aus Ottenbüttel ist der Kreisvorsitzende des Bauernverbands im Kreis Steinburg.

Das vergangene Jahr war so nass wie selten, und auch der Januar hat mehr Niederschlag gebracht als üblich. Selbst ältere Landwirte können sich nicht erinnern, einen so feuchten Herbst und Winter erlebt zu haben wie jetzt. Auf einigen Flächen steht noch der Mais, und vereinzelt konnten die Zuckerrüben nicht geerntet werden.

„Ein Schaden ist durch den Ernteausfall entstanden, aber genauso hoch ist das Problem der Bodenverdichtung und der tiefen Spuren auf den Äckern. Außerdem konnte im Herbst viel Wintergetreide nicht eingesät werden“, bringt Joachim Becker die Nöte der Landwirte auf den Punkt.

Ein besonderes Problem sind die Lagerkapazitäten für Gülle. Seit dem Spätsommer kamen die Landwirte nicht mehr auf ihr Land. „Der Herbst fehlt uns, jetzt wird es eng.“ Die Sperrzeiten für die Ausbringung der Gülle sind zwar Ende Januar abgelaufen, aber die Ackerflächen, insbesondere in der Marsch, sind nicht befahrbar. „Jetzt wäre eine gute Zeit, um den langsam wirkenden Nährstoff an die Pflanze zu bringen, aber dazu brauchen wir Frost.“

Die rechtlichen Vorgaben für die Düngung liefert die neue Düngeverordnung. Danach muss der Düngebedarf ermittelt werden, bevor die Gülle auf den Boden kommt. Es dreht sich um die Nährstoffe Stickstoff und Phosphat. Und es geht darum, wie aufnahmefähig der Boden ist. Zudem muss auch der Gewässerabstand eingehalten werden.

Zurzeit gibt es zu viel Gülle. Landwirte haben mit Sondergenehmigungen Notlagunen (Erdbecken) gebaut oder ältere Behälter wieder in Betrieb genommen. Oft helfen sich die Landwirte untereinander. Auch werden die Bedarfe und Kapazitäten der Güllebörse gemeldet.

Klaus Timmermann ist der Geschäftsführer des Maschinenringes mit angeschlossener Güllebörse: „Der Gülleanfall ist dieses Jahr übernormal hoch, da im Herbst wenig ausgebracht werden konnte. Bis Mitte März muss etwas passieren. Einige Betriebe haben noch freie Kapazitäten für zehn Tage.“ Mit Sondergenehmigung durften Anfang Januar bei Frost einige Flächen befahren werden. „Oft haben sich Nachbarn geholfen und die Gülle umgepumpt. Auch wir haben Güllemengen hin und her vermittelt, in einigen Fällen auch an weiter entfernt gelegene Betriebe. Jetzt hoffen wir auf Frost. Einen Notfall mit übergelaufenen Behältern hat es aber noch nicht gegeben.“

Einer der betroffenen Landwirte ist Thies Magens (33) aus Kollmar. Für seine 700 Rinder hat er Güllebehälter mit 6000 Kubikmeter Fassungsvermögen am Hof. „Vorgeschrieben sind Lagerkapazitäten für sechs Monate. Damit komme ich auch aus, aber dieses Jahr ist extrem. Seit dem Sommer haben wir nichts mehr ausgebracht. Dazu kommt das Regenwasser von mehr als 1000 Millimetern und das Oberflächenwasser der versiegelten Hofflächen, das auch mit eingeleitet wird.“ Er hat bereits einen Teil der Gülle umgepumpt in Behälter eines Pachtbetriebs. Magens überlegt, seine Kapazitäten freiwillig zu erweitern. „Wir müssen uns auf die Extremwetterlagen vorbereiten. Aber zunächst hoffe ich auf befahrbare Böden in der nächsten Woche, damit mein Auszubildender Fabian Lips mit unserem Zwölf-Kubikmeter-Wagen auf das Land kann.“

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