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Delphin-Therapie : Nubia lehrt Jannes das Sprechen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Zwölfjähriger Kollmaraner macht Fortschritte nach Delphin-Therapie auf Karibik-Insel. Eltern sind dankbar für große Unterstützung der Spender

„Nubia, Nubia“, ruft der zwölfjährige Jannes laut, wenn er auf seine Reise auf die Karibik-Insel Curaçao angesprochen wird. Der geistig behinderte Junge hat dort mit seinen Eltern nicht etwa Urlaub gemacht, sondern an einer Delphin-Therapie teilgenommen. Nubia lautet der Name seines Lieblings-Delphins, mit dem er geschmust und gespielt hat und dem er sogar regelmäßig Küsschen auf den Mund geben durfte.

„Es war total klasse“, fassen Mutter Anette (42) und Vater Michael Struve (44) in Worte, was Jannes nur durch Gesten und ein breites Lächeln auszudrücken vermag. Das große, schlanke Kind mit den blonden Locken hat Schwierigkeiten beim Sprechen. Es gibt nur wenige Worte, die ihm ohne Probleme über die Lippen gehen. „Nubia“ gehört jetzt dazu. Und darauf sind die Eltern besonders stolz: „Es ist das erste dreisilbige Wort, das Jannes sagen kann“, sagt Anette Struve. Bislang habe ihr Sohn immer nur zweisilbige Wörter ausgesprochen. Sie sieht darin einen Erfolg der Delphin-Therapie.

Über ein Jahr lang hatte Familie Struve Spenden für diese außergewöhnliche Behandlung gesammelt, die sie am Ende knapp 12 000 Euro kostete – Verpflegungskosten nicht mit eingerechnet. Sachspenden und Selbstgemachtes verkauften sie auf Floh- und Weihnachtsmärkten in Kollmar und Moorrege (wir berichteten). Zahlreiche Privatleute, Vereine und Verbände unterstützten die Familie. „Damit hätten wir nicht gerechnet“, sagt Michael Struve, „wir sind unendlich dankbar.“

Allein die Flugreise war für Jannes ein Erlebnis. „Hoch“, sagt er, wenn er an das Fliegen denkt und schüttelt seinen Kopf. Das ist sein Zeichen für schnell – wie Mutter Anette Struve übersetzt. Seinen Kopf schüttelt Jannes auch, wenn er von Delphin Nubia berichtet. Die Wendigkeit der Meeressäugerin hat den Kleinen sichtlich beeindruckt, auch wenn sie ihm bei ihrer ersten Begegnung erst mal einen Schrecken eingejagt hat: Nachdem Jannes es kaum abwarten konnte, seine Füße in das Wasser der Lagune des Therapiezentrums zu strecken, zog er sie erschrocken wieder zurück, als Nubia herbei geschwommen kam. „Doch die Berührungsängste waren ganz schnell abgebaut“, sagt Anette Struve. Am letzten Tag habe Jannes den Delphin gar nicht mehr loslassen wollen.

Studien zufolge soll der Kontakt mit den Meeressäugern die Wahrnehmung erweitern und die therapeutische Arbeit erleichtern. Und so hieß es für Jannes zwei Wochen lang täglich: Zwei Stunden lang Schwimmen mit dem Delphin im Wasser und Therapie an Land im Wechsel. „Beim Schwimmen konnte Jannes der Therapeutin sagen, welche Kunststücke der Delphin machen soll“, erzählt seine Mutter, die selber auch einmal ins Becken zu den „faszinierenden“ Tieren durfte. Zu seinen Lieblingsspielen zählte das „Surfen“, bei dem sich Jannes auf ein Schwimmbrett legte und Nubia ihn vor sich her schob. An Land trainierten Logopäden, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten mit Jannes das Sprechen und die Motorik – der Zwölfjährige leidet auch unter einer Spastik im rechten Arm und Bein. Mal machte das Üben richtig Spaß, wenn Jannes sich etwa im Basketball versuchen durfte, mal war es anstrengend, wenn er zum Beispiel mit einem Spiegel seine Zungenbewegung kontrollieren sollte. „Nach der Therapie war er immer richtig platt“, erzählen seine Eltern.

Doch die Anstrengung habe sich gelohnt: „Das Sprechen geht Jannes jetzt leichter von der Hand“, sagt Michael Struve. Neben „Nubia“ könne sein Sohn jetzt auch andere dreisilbige Wörter, wie beispielsweise den Namen seiner Tante „Marion“ aussprechen. Überrascht sei er auch gewesen, als Jannes noch während des Aufenthalts auf Curaçao mit seiner rechten Hand eine Tür geöffnet habe. „Das konnte er vorher nicht. Das war für uns ein Riesen-Schritt.“

Doch nicht nur Jannes hat gelernt, auch seine Eltern: „Wir wissen jetzt, dass wir uns kleine Ziele setzen müssen und nicht auf allen Baustellen gleichzeitig arbeiten können“, sagen die beiden, die ihren Sohn fast täglich zu Behandlungen und Therapien bringen.

Immer wieder erzählen die Struves, wie überwältigt sie von der enormen Unterstützung für ihr Projekt waren. Demnächst möchten sie zu Vorträgen einladen, um persönlich von der Therapie zu erzählen. Nach wie vor ist es ihnen unangenehm, um Spenden zu bitten. So wagen sie kaum auszusprechen, dass sie davon träumen, die Delphin-Therapie zu wiederholen. Die Fortschritte ihres Sohnes machen ihnen Hoffnung. Und auch aus Jannes Augen lässt sich lesen, dass er wohl nichts dagegen hätte, seine Freundin Nubia noch einmal zu treffen.

>Weitere Infos auf www.hilfe-fuer-jannes.de

>Spenden können an „Dolphin aid e.V.“, Konto-Nr. 2000 24 24, Stadtsparkasse Düsseldorf, BLZ: 300 501 10, Verwendungszweck: Spende für Jannes Struve, überwiesen werden. Der Verein verwaltet das Geld für die Familie und stellt sicher, dass es ausschließlich für die Delphin-Therapie verwandt werden kann. Auf Wunsch wird eine Spendenquittung ausgestellt.

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