Novitas BKK: Itzehoer Vorstand muss gehen

Tietz
Tietz

Hinter den Kulissen der Novitas BKK brodelt es: Der Itzehoer Vorstand Rainer Tietz verlor seinen Posten.

shz.de von
15. April 2009, 10:22 Uhr

Itzehoe | Im Januar war die Welt noch in Ordnung: Im theater itzehoe wurde das zehnjährige Bestehen der Betriebskrankenkasse Gruner + Jahr sowie ihre Fusion mit der Novitas Vereinigte BKK zur "Novitas BKK - Die Präventionskasse" gefeiert. Die Führungsetagen aus Duisburg und Itzehoe präsentierten sich geschlossen, optimistisch wurde in die Zukunft geblickt. Eine Fusion "ohne negativen Beigeschmack" sei es, sagte Novitas-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Peuser. "Gemeinsam sind wir auf dem richtigen Weg", betonte Vorstand Ernst Butz.

Doch lange hielt die "glück liche Ehe" nicht. Vier Monate nach der Fusion musste der Itzehoer Vorstand Rainer Tietz, der als Vorstand seit der ersten Stunde die Erfolgsgeschichte der BKK Gruner + Jahr maßgeblich mitgeschrieben hatte, seinen Hut nehmen.

Bei der Verwaltungsratssitzung der Novitas BKK Anfang April wurde Tietz, der seit der Fusion im Vorstand für die Bereiche Kundenservice sowie Marketing und Vertrieb zuständig war, nicht wieder in den Vorstand gewählt. Mehr noch: Wenige Tage später erhielt er seine Kündigung.

Von der Novitas BKK ist dazu nicht viel zu erfahren: "Rainer Tietz wurde nicht mehr gewählt, Ernst Butz ist jetzt alleiniger Vorstand. Es kam für uns alle überraschend", bestätigt Sprecher Michael Bellmann. Gründe werden nicht genannt. Nach Informationen unserer Zeitung könnten jedoch unterschiedliche Auffassungen über die Methoden zur Kundengewinnung die Ursache gewesen sein. Während Tietz und sein Team auf langfristige Kundenbindung durch Präventionsangebote und Kundenzufriedenheit setzten, werden in Duisburg offenbar vor allem weitere Fusionen, so wie jüngst mit der BKK der Norddeutschen Affinerie, als Erfolgsrezept gesehen. Bei der Fusions feier wurden noch Tietz Menschlichkeit und sein Enthusiasmus gelobt, jetzt waren offenbar genau sie es, die ihm das Genick brachen. Zu Schulden kommen ließ sich der Itzehoer Vorstand nichts, das wurde offenbar auch in der Verwaltungsratssitzung betont.

Ist Tietz nur der Anfang - ist mit seiner Kündigung womöglich sogar der ganze Standort Itzehoe mit seinen 150 Mitarbeitern, der auch Sitz der Präventionskasse ist, gefährdet? Michael Bellmann widerspricht: "Alle anderen Kräfte sind noch da, die Kunden behalten ihre Ansprechpartner." Mit rund 100000 Versicherten brachte die BKK Gruner + Jahr fast ein Drittel der jetzt 340 000 Versicherten in die Fusion mit ein. "Wir haben hier einen hohen Versichertenanteil. Der Standort steht nicht zur Diskussion", sagt Bellmann. Die Itzehoer Mitarbeiter seien auch nicht "kopf- oder führungslos". Ernst Butz besuche Itzehoe regelmäßig.

Auch, dass die Postanschrift in Duisburg liege, sei kein böses Omen, sondern habe rein organisatorische Gründe. Die Post aller 25 Geschäftsstellen lande dort, werde gescannt und den Mitarbeitern direkt auf den Bildschirm geschickt.

Rainer Tietz selbst wollte noch keine Stellungnahme zu dem Thema abgeben.

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