Klinikum Itzehoe : Notstand in der Notaufnahme

Am Limit: Die Arbeitsbelastung für Mitarbeiter in der Itzehoer Notaufnahme ist laut dem Klinikum aktuell sehr hoch.
Am Limit: Die Arbeitsbelastung für Mitarbeiter in der Itzehoer Notaufnahme ist laut dem Klinikum aktuell sehr hoch.

Klinikum Itzehoe verzeichnet deutlichen Anstieg bei Patienten: Viele sind keine echten Notfälle.

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14. Februar 2018, 05:00 Uhr

Lange Wartezeiten, gestresstes Personal und viel zu viele Patienten: Die Notaufnahme des Klinikums Itzehoe arbeitet am Limit. In den ersten fünf Wochen des Jahres seien etwa zehn Prozent mehr Patienten in die Notaufnahme gekommen als im gleichen Zeitraum 2017, sagt Klinikdirektor Bernhard Ziegler. „Und auch Anfang 2017 hatten wir nicht gerade wenig zu tun.“ Das Problem aus Sicht des Klinikums: Viele Patienten sind keine wirklichen Notfälle, abweisen darf das Krankenhaus sie aber aus rechtlichen Gründen nicht.

„Die Menschen kommen mit Rückenschmerzen, Grippe oder Bauchweh zu uns“, sagt Reinhold Wenzlaff, Verbandsvorsteher des Klinikums. Obwohl viele dieser Erkrankungen ein niedergelassener Arzt gut behandeln könnte, werden sie teilweise stationär aufgenommen, erklärt Ziegler. Gerade bei diffusen Symptomen stehe in der Notaufnahme nicht immer die Diagnostik zur Verfügung, um ambulant abzuklären, ob eine Aufnahme sinnvoll ist.

Bei vier von zehn Patienten, die die Notaufnahmen in Schleswig-Holsteins Krankenhäusern aufsuchen, liegt kein akuter Notfall vor. Das hat die Techniker Krankenkasse jüngst ermitteln lassen (wir berichteten). Die Zahlen decken sich mit denen im Klinikum Itzehoe. Mehr als jeder zweite Patient in der Itzehoer Notaufnahme gehöre dort eigentlich nicht hin, sagt Wenzlaff. „Die Situation ist so auf Dauer nicht tragbar – für die Patienten, aber auch für unsere Mitarbeiter.“ Die leisteten zwar „vorbildliche Arbeit“, so Wenzlaff, „aber sie kommen gegen den Berg der Arbeit nicht mehr an.“

Ein ganzes Bündel an Gründen sei verantwortlich für die Überlastung, erklärt Ziegler. Zum einen sei jetzt die Jahreszeit in der grundsätzlich viele Menschen erkrankten, zum anderen steigen die Patientenzahlen des Klinikums durch den demografischen Wandel. Dies allein erkläre aber nicht den aktuellen Ansturm. Offenbar seien auch viele Patienten der Meinung, sie seien im Krankenhaus besser aufgehoben als in Arztpraxen. Denn die meisten kommen am späten Vormittag, wenn eigentlich auch Praxen geöffnet haben, sagt Ziegler. Hinzu komme, dass es auch in anderen Kliniken voll sei. Teilweise werden Patienten nach Itzehoe weitergeleitet.

Das Klinikum plant die Kapazitäten der Notaufnahme zu erhöhen. Doch dafür müssen die Räume umgebaut werden. Bis es soweit ist, müssen zunächst andere Bauprojekte abgeschlossen werden. Frühestens 2020 sei von dieser Seite Entlastung zu erwarten, sagt Ziegler. Grundsätzlich sieht er aber auch Bedarf, an anderen Stellschrauben zu drehen: Die allgemeinmedizinische Versorgung sei nicht Aufgabe von Krankenhäusern. „Es müssen dringend mehr Anreize für eine bessere Versorgung mit Allgemeinmedizinern in der Fläche geschaffen werden.“ Auch in einigen Facharztbereichen gebe es Handlungsbedarf.

Das Klinikum will nach dem Umbau der Notaufnahme die Zusammenarbeit mit der Anlaufpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung intensivieren, um die Patienten zum für sie richtigen Arzt zu bringen. Bis es soweit ist, appelliert Reinhold Wenzlaff an das Verantwortungsbewusstsein der Patienten: „Es wäre eine große Hilfe, wenn jeder sich ernsthaft fragt, ob er wirklich ins Krankenhaus muss oder ob auch ein Besuch beim Hausarzt ausreicht.“

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