In Itzehoe kaum bekannt : Notfalldose im Kühlschrank rettet Leben

Kleiner Helfer im Ernstfall: (v. l) Alfred und Elke Bohl präsentieren mit Christian Mandel die Notfalldose.
Kleiner Helfer im Ernstfall: (v. l) Alfred und Elke Bohl präsentieren mit Christian Mandel die Notfalldose.

Eine Notfalldose mit wichtigen Informationen hilft dem Rettungsdienst Zeit zu sparen.

Andreas Olbertz. von
10. Februar 2020, 14:08 Uhr

Itzehoe | Es ist eine unspektakuläre kleine Plastikbox – im Ernstfall kann sie jedoch Leben retten. Aber kaum jemand kennt sie.

Auch Alfred Bohl musste erst schmerzliche Erfahrungen machen und wurde dann auf den kleinen Behälter aufmerksam gemacht. Es war im November des vergangenen Jahres, als der 80-Jährige nach dem Mittagessen einfach zusammenbrach. Seine Frau Elke war mit der Situation nicht nur körperlich überfordert. „Nichts ging mehr, ich konnte ihn doch nicht tragen“, blickt die Itzehoerin auf den denkwürdigen Tag zurück. Der Rettungsdienst war schnell vor Ort. Elke Bohl erinnert sich: „Wir hatten sechs Leute im Wohnzimmer und jeder wusste, was zu tun ist. Aber ich wusste nicht mal mehr, wo seine Versichertenkarte liegt.“

Christian Mandel, Pressesprecher des Rettungsdienstes (RKISH) kennt solche Situationen zur Genüge. Vor lauter Aufregung oder gar Panik wissen Angehörige plötzlich die einfachsten Dinge nicht mehr. Wie war das mit den Medikamenten? Wogegen war der Patient allergisch? Wie lange ist das mit der Vorerkrankung her? Mandel erklärt:

Im Team ist immer einer, der sich um Angehörige kümmert und so etwas erfragt Christian Mandel, Sprecher Rettungsdienst
 

 Aber nicht immer können die benötigten Infos gegeben werden. Und wenn Singles verarztet werden müssen, wird die Situation für das Sani-Team noch mal schwieriger.

Kühllschrank schnell gefunden

Viel einfacher wird es, mit einer Notfalldose. Zu der gehören zwei kleine grüne Aufkleber mit einem weißen „i“. Einer davon wird gut sichtbar an der Haustür platziert. Dann wissen Sanitäter schon beim Eintreffen: Hier gibt es die rettende Dose. Diese soll im Kühlschrank stehen – aus einem ganz einfachen Grund. Mandel erklärt: „Wir scannen quasi sofort die Örtlichkeit: Toilette, Küche, Stube – und ich wette, innerhalb von drei Sekunden habe ich den Kühlschrank identifiziert.“ Im Idealfall ist der noch mit dem zweiten Aufkleber gekennzeichnet.

Der Kühlschrank ist schnell gefunden und in ihm die Notfalldose.
Andreas Olbertz

Der Kühlschrank ist schnell gefunden und in ihm die Notfalldose.

 

In der Dose ist ein Notfall-Infoblatt mit allen relevanten Informationen. Mandel: „In kürzester Zeit haben wir dann eine Vielzahl an Informationen zur Hand, die uns einen Hinweis auf die Richtung der Erkrankung geben können.“

Alle Infos griffbereit
Auf dem Blatt ist aber noch mehr vermerkt: Rufnummern von Ärzten und Angehörigen beispielsweise und Informationen über Kinder oder Haustiere, um die sich gekümmert werden muss bis hin zu Patientenverfügungen. „Es war ganz schön mühsam, das zusammenzusuchen“, gesteht Alfred Bohl. Seine Frau ergänzt: „Und das soll man dann im Notfall alles parat haben?“ Für die Retter vergeht mit der mühsamen Suche nach Informationen nicht nur wertvolle Zeit. Mandel: „Wir finden ihr Familienalbum oder die Schmuckschatulle. Das kostet alles Zeit und hinterher werden wir womöglich noch beschuldigt, was eingesteckt zu haben.“ Mit der Notfalldose ist das alles Vergangenheit.

Handlungsbedarf dringend gegeben

Per Zufall hat Ehepaar Bohl von der Notfalldose erfahren. „Es musste halt erst mal was passieren“, blickt der Rentner zurück. Er ärgert sich, dass die Box nicht bei allen Apotheken erhältlich ist. Christian Mandel weiß zu berichten, dass in Bordesholm ein Gemeindevertreter das Thema mal vorangebracht hat. „Der hat Geld in die Hand genommen, Dosen gekauft und für einen symbolischen Preis zur Verfügung gestellt.“ Andernorts seien es häufig Seniorenbeiräte, die sich des Themas annähmen. Handlungsbedarf sieht er jedenfalls dringend gegeben: „Es sind mehr Dosen im Umlauf als vor drei Jahren, aber längst noch nicht in dem Maß, wie wir gebrauchen könnten.“

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