Nord-Ostsee-Kanal: 29 Mark teurer als geplant

Neues Buch: Klaus Alberts.
Neues Buch: Klaus Alberts.

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23. Januar 2015, 05:00 Uhr

Die vielen Namen im Itzehoer Telefonbuch, die auf -ski oder –cki enden, weisen darauf hin: Der Bau des Nord-Ostsee-Kanals hat in großer Zahl Zuwanderer aus Posen und Westpreußen nach Steinburg gebracht – und in alle kanalnahen Gebiete. „Die meisten blieben danach hier“, sagte Klaus Alberts. Im Landgericht stellte der Kieler Jurist sein neues Buch „Der Traum vom Nord-Ostsee-Kanal“ vor − auf Einladung des Vereins „Justiz und Kultur“, der sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Viele Herrscher machten Pläne für den Kanal. Den heutigen Verlauf habe erst Bismarck umgesetzt, machte Alberts deutlich. Die ersten Entwürfe begannen 1864, 23 Jahre später ging es los – und das nur dank Bismarcks Durchsetzungskraft. Dieser habe sich eine Pistole auf die Brust gesetzt, um Kaiser Wilhelm I. zur Unterschrift zu bewegen, da der Regent sich der Marine nicht habe widersetzen wollen. Diese wollte eine Flotte in Nord- und Ostsee, verweigerte sich auch der Lotsung und setzte in den ersten Jahren des Kanalbetriebs „viele ihrer großen Schiffe in die Böschung“.

National sei der Kanal aber auf große Zustimmung gestoßen. Alberts: „Er war als größtes Projekt seiner Zeit auch die größte wirtschaftliche Kraftanstrengung des Deutschen Kaiserreichs, das sogar von den süddeutschen Staaten erheblich finanziert wurde.“ Dabei sei von Beginn an klar gewesen, dass der Kanal immer ein Zuschussgeschäft sein würde.

„Der konkrete Bau war in einem Monat geplant, sieben Jahre später war er fertig. Und die angesetzte Bausumme von 156 Millionen Mark wurde nur um 29 Mark überschritten“, trug Alberts mit „Bewunderung für die preußische Verwaltung“ vor. Raunen im Publikum. „In dieser Zeit schafft man heute nicht mal die Planung der Schleuse“, so ein Zuhörer. Das Tempo habe sich nur mit einer autoritären Regierung umsetzen lassen, sagte Alberts. Und Anwohnerbelange seien nicht berücksichtigt worden.

Der preußische Staat habe aber gut für die 8000 Arbeiter aus ganz Europa gesorgt, sie gut bezahlt und über die neu gegründete Brunsbütteler Krankenkasse versichert, stellte Alberts den Bezug zu den damaligen Itzehoer Neubürgern her. Die Mehrzahl der Arbeiter kam aus Ostgebieten, wo sie oft arbeitslos waren und sich als katholische Minderheit im protestantischen preußischen Staat verachtet fühlten. „Das erklärt auch, warum Kiel und Brunsbüttel schon früh katholische Gemeinden hatten“, erläuterte Alberts, der aus Meldorf stammt. Die Kirche stellte sogar spezielle „Kanalpfarrer“ ab. Und als kleine Anekdote zum Schluss berichtete er von der strengen preußischen Aufsicht: „Die Kantinen wurden überwacht. Branntweinwirtschaften mussten mindestens drei Kilometer vom Kanal entfernt sein.“
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Signierte Exemplare von Klaus Alberts’ „Der Traum vom Nord-Ostsee-Kanal“ sind in der Buchhandlung Bücher-Känguruh erhältlich.


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