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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 13:13 Uhr

Verkehr : NOK-Fähre: Stadt hat den Kanal voll

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brunsbütteler Politik befürchtet geplanten Einsatz kleinerer Schiffe und damit Verkehrsprobleme an der Schnittstelle zwischen Nord- und Südseite

Das Maß ist voll: Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck und die Mitglieder der Ratsfraktionen sind empört. Technische Probleme an den in die Jahre gekommenen 100-Tonnen-Fähren sorgen immer wieder für deren Ausfall und damit für extrem lange Wartezeiten an den Fähranlegern der Schleusenstadt zwischen Nord- und Südseite. Eine im Planfeststellungsbeschluss vorgesehene Ersatzfähre ist nicht vorhanden. Ferner befindet sich das unter Denkmalschutz stehende Warte- und Toilettenhaus am nördlichen Fähranleger in einem desolaten Zustand. Wartenden bleibt hier der Zugang zu den Räumen verwehrt.

„Wir haben mehrfach das Gespräch zur Wasser- und Schifffahrtverwaltung (WSV) gesucht, da es sich bei allen Punkten um vertraglich festgehaltene Verpflichtungen handelt, denen die Verwaltung nicht nachkommt“, betonte Mohrdieck am Sonnabend bei einem Ortstermin gegenüber den Bundestagsabgeordneten Mark Helfrich (CDU) und Karin Thissen (SPD) sowie dem Landtagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß.

Die dem Bundesverkehrsministerium nachgeordnete Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zeige jedoch wenig Gesprächsbereitschaft, sondern lege eine indifferente Haltung an den Tag. „Es fehle der WSV am technischen Personal, das sich um die Angelegenheiten kümmern könne, da alle Fachkräfte in den Bau der fünften Schleusenkammer eingebunden sind“, laute die Standardantwort, mit der sich die WSV derzeit aus ihrer Verantwortung zu ziehen versuche. „Wir können und wollen diesen Zustand nicht länger so hinnehmen“, brachte es Mohrdieck auf den Punkt.

Insbesondere der Zustand der beiden 100-Tonnen-Fähren bereitet den Kommunalpolitikern große Sorgen. Aufgrund zunehmenden Materialschwunds hätten die Fähren nicht mehr die volle Traglast. So seien die Fährmänner an Bord der 1969 erbauten „Breslau“ und der 1971 erbauten „Berlin“ bereits dazu angehalten worden, nur noch einen voll beladenen Lkw mitzunehmen. Zunehmend entsteht der Eindruck, als würde die Bundesverwaltung darauf abzielen, die beiden einzigen 100-Tonnen-Fähren auf dem Nord-Ostseekanal durch zwei 45-Tonnen-Fähren ersetzten zu wollen. „Mit kleinen Fähren werden wir uns jedoch nicht abspeisen lassen“, unterstrich der Bürgermeister seine Forderungen nach dem Erhalt der großen Schiffe. Die höhere Tragkraft sei nicht nur notwendig, um dem hohen Verkehrsaufkommen genüge zu tragen. Ein weiterer Aspekt sei die Sicherheit der Brunsbütteler Südseite. Um diesen im vollen Umfang gewährleisten zu können, sei es notwendig, dass Feuerwehr und Rettungsdienst die Fähre uneingeschränkt nutzen können.

„Dieses Thema ist im Haushaltsausschuss angekommen“, erklärte Mark Helfrich. Gleichzeitig warnte er jedoch davor, dies als ein Zeichen zu werten, dass sich jetzt umgehend etwas ändere. „Wenn es der WSV an Personal fehlt, können diese Aufgaben ausgesourct werden“, entkräftete Helfrich die Argumentationsweise der Schifffahrtsverwaltung. „Bestehen Sie dort, wo es eindeutige, rechtliche Verpflichtungen gibt, darauf, das diese eingehalten werden und erhöhen Sie den Druck“, empfahl Helfrich den Stadtpolitikern. „Ich werde die WSV mal besuchen und nachfragen, wie man eine Lösung herbeiführen kann“, kündigte Karin Thissen an.

Schriftlich ließ sich die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Dr. Valerie Wilms entschuldigen und teilte dem Bürgermeister mit, das der Bund seinen Aufgaben nachkommen und seine Infrastruktur aufrechterhalten müsse. Dazu gehöre unter anderem auch ein zuverlässiger Betrieb der Brunsbütteler Kanal-Fähren. Eine schriftliche Frage an die Bundesregierung soll nun Antworten liefern, wie die Bundesregierung sicherstellen wird, dass der Fährbetrieb am Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel für die Anwohner zukünftig trotz Ausfall von Fährschiffen zufriedenstellend und zuverlässig abgewickelt wird. Darüber hinaus wird eine Antwort erwartet, welche Schiffe ersetzt und wie diese ersetzt werden sollen.

„Natürlich haben wir auch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zu diesem Termin eingeladen, es ist schade, dass sich von der Seite niemand die Zeit genommen hat, an diesem Ortstermin teilzunehmen“, bedauerten die Ortspolitiker das Fernbleiben der WSV.


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erstellt am 16.Nov.2015 | 12:22 Uhr

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