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Nötigung und Diebstahl: Mildes Urteil für jungen Vater

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 17:51 Uhr

Nimmt man einem fast zweijährigen Sohn seinen Vater? Nach Möglichkeit nicht. Nicht zuletzt deshalb entschied sich Strafrichter Malte Zander dafür, dem doppelten, zudem auch noch einschlägigen 23-jährigem Bewährungsversager aus einer kleinen Nachbargemeinde Wilsters eine letzte Chance zur Besserung zu geben. Wegen Nötigung, begangen in Tateinheit mit Beleidigung und besonders schwerem Diebstahl verurteilte der Itzehoer Amtsrichter den noch ohne Berufsabschluss dastehenden jungen Vater zu acht Monaten Freiheitsstrafe ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Der 23-Jährige muss auch weiterhin auf seine Bewährungshelferin hören und 500 Euro Geldauflage zahlen.

Die Bewährungshelferin hatte ihm gute Kooperation und eine positive Sozialprognose attestiert, für Richter Zander neben der Tatsache, dass der 23-Jährige seit bald zwei Jahren straffrei lebt, das stärkste Argument für eine erneute Bewährung. Dabei wollte der Staatsanwalt den Angeklagten diesmal für zehn Monate im Gefängnis sehen. Strafverteidigerin Katja Münzel dagegen plädierte auf Freispruch, hatte bei der Nötigung doch sein Vater (54) ihren Mandanten aus Sicht Münzels entlastet. Beim Diebstahl zeigte sich Münzel überzeugt, dass ihr Mandant nicht wusste, dass er Diebesgut weiterverkaufen wollte.

Rückblende. An einem Morgen im August 2013 auf der A23 nahe Lägerdorf hat der 23-Jährige einen Bekannten ausgebremst, am Abbiegen gehindert und den Mittelfinger gezeigt. Bereits Ende Mai 2013 hat er nahe dem Wilsteraner Rathaus ein Auto geknackt und zwei Paintballgewehre samt Zubehör im Wert von 2200 Euro gestohlen.

Der Angeklagte bestritt beide Taten. Dumm nur, dass die gehörten Zeugen, bis auf seinen Vater und seine Ex-Freundin (21), die sich nicht erinnern konnte, ihn belasteten. Am Wahrheitsgehalt der belastenden Zeugenaussagen hatte Richter Zander keinen Zweifel. Zudem gibt es einen ominösen Kaufvertrag über den Erwerb der Paintballgewehre durch den Angeklagten.

Der will die Sachen von einem Unbekannten im Itzehoer „Bermuda Dreieck“ erworben haben. Auf dem Kaufvertrag aber sind nur Fingerabdrücke vom Angeklagten, weshalb der Staatsanwalt den Angeklagten darauf hinwies, dass er Glück habe, dass die Staatsanwaltschaft ihn ob des obskuren Kaufvertrages nicht auch noch wegen Urkundenfälschung angeklagt habe.

„Ich hoffe, das Kapitel Straftaten ist jetzt auch mal abgeschlossen in Ihrem Leben“, gab Zander dem jungen Vater noch mit auf den Weg. Ihm, wie auch dem Staatsanwalt, steht es nun offen gegen Zanders Urteil am Landgericht in die Berufung zu ziehen.  

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