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Städtebauförderung : Noch viele offene Fragen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Interessengemeinschaft der Haus- und Grundstückseigentümer sieht Sanierungskonzept für die Innenstadt in Teilen kritisch.

Die Innenstadt der Elbestadt ist in das Städtebau-Programm „Kleinere Städte und Gemeinden“ aufgenommen worden. Bevor Fördermittel fließen und konkrete Maßnahmen umgesetzt werden können, ist eine vorbereitende Untersuchung vorgeschrieben. Deren Ergebnisse wurden vergangene Woche öffentlich präsentiert (wir berichteten). Heute Abend stellen Planer der von der Stadt beauftragen Firma Complan Kommunalberatung ihren Abschlussbericht zu dieser Untersuchung den zuständigen Ausschüssen der Stadtvertretung vor. Der Bericht stellt die Weichen für die Entwicklung der Innenstadt in den kommenden Jahren. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt Alexandra Ulrich-Timm, Vorsitzende des Vereines Haus & Grund, in dem über 1000 Haus- und Wohnungseigentümer aus Glückstadt und Umgebung organisiert sind, wie die bisherigen Planungen bei den Hausbesitzern aufgenommen wurden und wo aus ihrer Sicht noch offene Fragen bestehen.

 

Frau Ulrich-Timm, Sie haben sich die Ergebnisse von Complan bereits angesehen. Wie ist Ihr Eindruck?

Erst einmal möchte ich festhalten, dass wir uns sehr freuen, dass wir als Verein Haus & Grund und auch die Bürger von der Verwaltung in den Planungsprozess eingebunden wurden. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall.

Ich finde die bisherigen Planungen in Teilen sehr gut. Vieles ist unumstritten sinnvoll für die Entwicklung der Stadt. Einige Punkte sind aber auch schwierig – insbesondere, wenn es an die konkrete Umsetzung geht. Da hatte ich mir mehr Praxisbezug erhofft.

 

Was meinen Sie genau?

Zum Beispiel die Frage der Barrierefreiheit. Wie soll das mit der vorhandenen Bausubstanz umgesetzt werden? Das konnte mir bisher noch niemand so richtig erklären. Viele schmale, ältere Stadthäuser bieten einfach nicht genug Platz, um etwa barrierefreie Bäder einzubauen. Von Fahrstühlen ganz zu schweigen. Auch denkmalschutz-rechtliche Fragen spielen da in der Innenstadt bei vielen Gebäuden eine Rolle. Barrierefreiheit ist ein wunderschönes Schlagwort – wer könnte schon dagegen sein? – ist aber schwierig umzusetzen. Ähnlich sieht es bei der Frage der Überalterung aus. Die wurde schon vor zwanzig Jahren diskutiert. Geändert hat sich seither wenig.

 

Was hören Sie von Ihren Mitgliedern zu den jetzt öffentlich vorgestellten Plänen?

Da ist viel Unsicherheit und Angst zu spüren. Bei dem Stichwort Städtebauförderung werden bei vielen Glückstädtern böse Erinnerungen an die letzte Stadtsanierung Ende der achtziger – Anfang der neunziger Jahre wach. Seinerzeit wurden die Eigentümer an den Kosten beteiligt und einige sind richtig gebeutelt worden. Außerdem höre ich oft die Kritik, dass die damals teuer bezahlten Baumaßnahmen, etwa am Fleth, heute nur unzureichend gepflegt werden. Das dämpft bei vielen unserer Mitglieder die Begeisterung für ein weiteres Städtebau-Programm. Zumal einige der heute bemängelten Missstände, etwa beim Parken, erst durch die letzte Stadtsanierung entstanden sind.

 

Ist die Frage der Finanzierung aus Ihrer Sicht bei den aktuellen Plänen ausreichend geklärt?

Nein, da sind noch viele Fragen offen. Wenn beispielsweise eine Straße komplett barrierefrei gestaltet werden soll, wer trägt die Kosten? Auch wenn Fördermittel fließen, befürchten wir, dass die Grundstückseigentümer über das Kommunal-Abgabengesetz beteiligt werden. Ich vermisse da bisher eine klare Aussage aus dem Rathaus. Das beunruhigt viele Menschen. Besser wäre es, wenn gesagt wird, das und das haben wir etwa zu diesem Termin vor und so wollen wir es finanzieren. Aktuell bleibt viel Raum für Verunsicherung.

 

Was wünschen Sie sich von Politik und Verwaltung?

Wir hoffen sehr, dass die Politiker verantwortlich und sensibel mit dem Thema umgehen und gründlich nachdenken, was wirklich sinnvoll ist. Dabei sollte die vorhergehende Stadtsanierung im Auge behalten werden. Damals wurden Maßnahmen nicht ausgeführt, die jetzt wieder im Maßnahmenkatalog stehen. Es gab sicherlich gute Gründe, warum es nicht umgesetzt wurde.

Und wichtig ist, dass nicht Eigentümer mit Kosten belastet werden, die unter Umständen aufgrund Ihres Alters keine Darlehen mehr bekommen. Dann gehen eventuell Ersparnisse in Sanierungsmaßnahmen der öffentlichen Bereiche anstatt in die energetische Sanierung der Häuser.

Ohne Frage, es sind viele tolle Ideen im Gespräch. Wir sind bereit an der Umsetzung mitzuarbeiten und uns einzubringen, aber wir brauchen klare Aussagen – besonders über die Finanzierung.

 

 

 

 

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erstellt am 26.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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