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Strom aus Müll : Noch immer Leben auf der Deponie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit rund fünf Jahren wird in Ecklak kein Müll mehr angeliefert – dennoch herrscht dort reges Treiben. Ein Mitarbeiterteam kümmert sich um störungsfreie Abläufe.

Auch fünf Jahre nach der endgültigen Schließung ist die Steinburger Mülldeponie noch immer eine Erfolgsgeschichte. Auf dem Konto liegt ein Millionenvermögen, mit der Energie aus den 100 Gasbrunnen ließen sich 600 Haushalte versorgen und für vier Mitarbeiter bietet sie noch auf Jahre hinaus einen sicheren und interessanten Arbeitsplatz. „Hier kommt keine Langeweile auf“, sagt Deponieleiter Reiner Heselmeyer. Der 50 Jahre alte Diplom-Ingenieur für Umwelttechnik hatte am 15. Juli 2009 die Tore am Kanalstrich in Ecklak für immer geschlossen. Dennoch herrscht bis heute rund um die höchste künstliche Erhebung im Kreisgebiet rege Betriebsamkeit.

Die Deponie war am 1. April 1982 geöffnet worden. Bis zur Schließung wurden hier in mehreren Abschnitten rund 5,2 Millionen Tonnen Abfall eingelagert. Anfangs nutzte die Industrie aus dem nahen Brunsbüttel die Möglichkeit zum Einlagern von Abfällen. Fast die Hälfte macht allerdings der Haus- und Sperrmüll aus den Kreisen Steinburg und Dithmarschen aus, der bis Mitte 2005 hierher gebracht wurde. In den vier Jahren danach wurde fast nur noch Material deponiert, das zur ordnungsgemäßen Abdeckung diente. „Wir haben in der Zeit zum Beispiel Material aus den Arbeiten in der Hamburger Hafencity aufgenommen“, sagt Heselmeyer. Rund 200 000 Kubikmeter wurden aus der Hansestadt nach Ecklak geliefert.

An der Sicherheit lässt Heselmeyer keine Zweifel aufkommen. Seit 1992 ist er Deponiechef. Für diese Zeit gibt er eine Garantie ab, dass nichts auf der Deponie landete, was dort nicht hingehörte. Aber auch für die Zeit davor hat er keine Bedenken. In der Vergangenheit seien auch eine ganze Menge Abfallsorten abgelehnt worden. „Es gibt ein paar Gerüchte, dass hier Kühlschränke und vielleicht sogar ein Auto liegen.“ Aber das seien nur Gerüchte. Der gefährlichste Stoff auf der Deponie seien noch die bis zuletzt angenommenen asbesthaltigen Abfälle. Aber auch die seien dank ordnungsgemäßer Einlagerung völlig harmlos.

Beleg davor seien die ständigen Messungen und Untersuchungen des Sickerwassers, das rund um die Deponie aufgefangen und ins eigene Klärwerk geleitet wird. Der Kreis habe sogar freiwillig die Grenzwerte noch einmal verschärft. Und alle würden eingehalten.

Bis heute, so berichtet Heselmeyer nicht ohne Stolz, seien alle Berechnungen und Erwartungen rund um die Deponie in vollem Umfang erfüllt worden. Er lobt damit auch die Arbeit seines Vorgängers Peter Petersen und des früheren Umweltamtsleiters Holger Pump. Diese hätten Vieles nur schätzen und vorausberechnen können. „Aber es passt heute noch.“

Das gilt wohl auch für die Finanzierung. Mit den Müllgebühren haben die Steinburger und Dithmarscher bis zum Jahr 2005 insgesamt rund 42 Millionen Euro angehäuft. Das Geld dient einzig und allein der Nachsorge auch noch für die nächsten 15 bis 20 Jahre. Mit anderen Worten: Für die Abwicklung des Müllbergs fallen jetzt und auch künftig keinerlei zusätzliche Kosten an. Mit dem Geld werden auch die Mitarbeiter bezahlt.

Und Deponiechef Heselmeyer hat noch immer alle Hände voll zu tun. Nebenbei ist er jetzt – mit einer Viertelstelle – für die Arbeitssicherheit der gesamten Kreisverwaltung zuständig. Bernd Petersen kümmert sich um das Heizkraftwerk, Marten Veit um die Kläranlage und Wilfried Ehlers ist auf dem Gelände eine Art Mädchen für alles und für Fuhrpark und Grundstücksunterhaltung zuständig. Regelmäßiger Gast auf dem Deponiegelände ist auch Kreismitarbeiter Wolfgang Rose, der im Umweltamt für die Bewirtschaftung der Mülltonnen verantwortlich ist.

Nicht auf dem Gelände, sondern auch im Müllberg selbst geht es noch immer lebhaft zu. „Hier brodelt es noch immer“, umschreibt Heselmeyer den Umstand, dass sich die biogenen Anteil des Hausmülls nach und nach in Gase verwandeln. Fast zehn Jahre nachdem hier der letzte Hausmüll abgekippt wurde, wirft die Deponie pro Stunde immer noch rund 250 Kubikmeter Gas ab. „In Spitzenzeiten waren es sogar 700 Kubikmeter.“ Heselmeyer geht davon aus, dass die Gasentwicklung noch zehn Jahre lang das deponieeigene Kraftwerk antreibt. Zur Hälfte wird damit der eigene Strombedarf gedeckt, der Rest ins Netz eingespeist, was noch einmal Gewinn abwirft. Allerdings muss bisweilen auch tüchtig investiert werden. So wird für zwei neue Motoren im Kraftwerk eben auch mal eine halbe Million Euro fällig. „Wir sind fast schon ein mittelständischer Betrieb“, fasst Heselmeyer die jährlichen Umsätze zusammen.

Arbeitsplatz Mülldeponie: Auch, wenn hier seit Jahren kein Stück neuer Müll mehr landet, sorgt er in einem eingespielten Team für reichlich Arbeit. Weil Kraftwerk und Kläranlage am Laufen gehalten werden müssen, gibt es für die kleine Belegschaft eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft. Auch an den Wochenenden schaut regelmäßig jemand nach dem Rechten.

Reiner Heselmeyer geht davon aus, dass die Deponie noch sehr lange weiter betreut werden muss. „Ich glaube nicht, dass man sie eines Tages sich selbst überlassen kann.“ Aber auch, wenn in drei oder vier Jahren die letzte Endabdeckung aufgebracht ist und wenn die Gasbrunnen längst versiegt sind, ist der Müllberg noch ein Erfolgsmodell.

Die exponierte Lage nutzen Pächter für die Installation eines der größten Sonnenkraftwerke in der Region. Und auch ein Schäfer aus Brunsbüttel kann den gigantischen Abfallhaufen noch nutzen. Unter den Solaranlagen laufen seine Schafe herum. Selbst davon profitiert die Deponie noch. Die Schafe tragen – wie auf den Elbdeichen – zur Verdichtung der Oberfläche bei und minimieren so das Eindringen von Regenwasser. Das alles findet auch die neue Leiterin der Steinburger Abfallwirtschaft gut: „Es ist doch schön, wenn man den Berg noch für die Stromproduktion nutzen kann“, sagt Anja Martens, die noch lange auf ein eingespieltes Team auf der Deponie bauen kann.

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erstellt am 20.Aug.2014 | 17:11 Uhr

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