zur Navigation springen

Noch gibt es rund um Wilster genug freien Wohnraum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Ich bin überwältigt von dem starken Besuch. Das ist schon ein toller Auftakt!“ Mit diesen Worten eröffnete der Sozialausschuss-Vorsitzende Olaf Stahl die erste Flüchtlings-Informationsveranstaltung. „Wir stehen vor der Aufgabe, diese Flüchtlinge zu integrieren,“ machte er den rund 50 Besuchern bewusst. Dabei, so räumte Thorsten Franck aus dem Amt Wilstermarsch ein, sei das Amt auf die Unterstützung durch freiwillige Helfer angewiesen.

Von jetzt bis Jahresende solle die Zahl der Flüchtlinge, die in Wilster und der Wilstermarsch untergebracht werden sollen, von 73 auf 240 mehr als verdreifacht werden. „Zahlen, die mich ein wenig schwindelig machen“, gestand Thorsten Franck ein. Gleichwohl habe man immer noch Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt für die Asylbewerber anmieten können. „Und wir haben noch einige Wohnungen in der Hinterhand“, beruhigte Franck.

„Die ersten Flüchtlinge werden wohl Anfang Dezember nach Brokdorf kommen“, sagte Bürgermeisterin Elke Göttsche. Für sie hat das Amt Wilstermarsch zwei gemeindeeigene Wohnungen angemietet. Dort könnten zwei Familien mit jeweils zwei Kindern einquartiert werden. Schon bei diesem ersten Info-Abend trugen sich gleich elf Männer und Frauen in eine Helferliste ein. Sie werden in Kürze zu einem ersten Helfertreffen eingeladen, um nähere Einzelheiten zu erörtern und Aufgaben zu verteilen.

Mit Begeisterung nahm die Versammlung zwei besondere Ankündigungen zur Kenntnis. So will der Brokdorfer Rewe-Kaufmann Ingo Engelbrecht zur Begrüßung der beiden ausländischen Familien die Kühlschränke in den Wohnungen mit einer Erstbestückung füllen. DRK-Vorsitzender Karl-Heinz Langbehn teilte mit, dass der Ortsverein für die Erstausstattung der Badezimmer sorgen werde.

Der Großteil der Flüchtlinge, so berichtete Thorsten Franck, komme aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, zum Teil auch aus Marokko und der Ukraine. Zurzeit könne man aber noch nicht sagen, wer in Brokdorf landen werde, räumte er ein. Das werde dem Amt erst mit einer Vorlaufzeit von zehn Tagen mitgeteilt.

Als Möglichkeiten einer Hilfe für die Flüchtlinge nannte er Sprachunterricht im alltäglichen Umgang, eine Freizeitbeschäftigung, eine Integration in Vereine, handwerkliche Unterstützung, Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen und praktische Hilfe bei der richtigen Mülltrennung, beim Heizen und Lüften sowie Starthilfe bei der Ankunft: Rundgang durch das Dorf, wo kann man einkaufen, wo ist der Kindergarten und wo hält der Bus.

Knud Jüstel als Flüchtlingsbeauftragter der Wilstermarsch nannte Sprachbarrieren als größtes Problem. Da helfen fünf privat organisierte Sprachkurse und ein weiterer Kursus mit Karin Hundt an der Volkshochschule. Jüstel regte regelmäßige Treffen der Helfer und der Flüchtlinge an, wie sie wöchentlich beziehungsweise 14-tägig in Wilster, St. Margarethen und Wewelsfleth angeboten werden. Das bringe beide Seiten und auch die Flüchtlinge untereinander näher.

Aus seinen praktischen Erfahrungen berichtete der Helfer Heinz Neubauer (58) aus Wilster, der gegenwärtig zwei Iraker betreut, die über keinerlei Deutschkenntnisse verfügen. Viele Flüchtlinge seien durch schreckliche Ereignisse in ihrer Heimat und auf der Flucht traumatisiert. Um ihnen zu helfen, „brauchen wir viel Manpower“, sagte Olaf Stahl. Den hohen Bildungsstand der vor allem syrischen Zuwanderer beschrieb Neubauer so: „In Wilster leben drei syrische Rechtsanwälte, die in ihrer Heimat gut gelebt haben.“

zur Startseite

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 16:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen