NOB-Stopps: Ministerium mauert

Dr. Frank Nägele
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Dr. Frank Nägele

Podiumsdiskussion hochkarätig besetzt/ Keine Zusagen aus Kiel/ Landtagsabgeordnete positionieren sich unterschiedlich

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08. Februar 2013, 03:59 Uhr

Glückstadt | Es gibt noch keine Lösung im Streit um die künftigen Bahn-Stopps in Glückstadt. Bei einer Podiumsdiskussion signalisierten zwar mehrere Landtagsabgeordnete ihre Unterstützung, andere lehnten sie aber ab. Und das Kieler Ministerium versprach nichts.

Es ging in der Diskussion vor 220 Zuhörern darum, ob es machbar ist, dass die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) ab 2014 weiterhin in Glückstadt hält. Die "nordbahn", die die Strecke exklusiv übernimmt, hat nach einer Ausschreibung des Landes einen Vertrag über 13 Jahre zugesprochen bekommen. Wenn die nordbahn ihren Betrieb aufnimmt, sollen von jetzt täglich 37 Bahnstopps in Glückstadt nur 26 verbleiben - zurzeit halten hier sowohl die Deutsche Bahn als auch die NOB. Die Veranstaltung der Stadt Glückstadt mit sechs Landtagsabgeordneten sowie Staatssekretär Dr. Frank Nägele und Bernhard Wewers, Chef der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) moderierte Bürgermeister Gerhard Blasberg.

Es war eine lebhafte Diskussion, teils mit atmosphärischen Störungen zwischen einigen Politikern. "Wir sind sauer", sagte Hans-Jörn Arp (CDU). "Uns war nicht klar, dass die nordbahn ein Monopol erhält", erklärte der Wackener zu den europaweiten Ausschreibungen von vor zwei Jahren. Unumwunden gab er zu, dass weder ihm noch den anderen Landtagsabgeordneten damals klar war, was sie im zuständigen Ausschuss zugestimmt haben. Das gelte auch für diejenigen, die damals in der Opposition waren und heute in der Regierung sind. "Wir werden der Ausschreibung nicht zustimmen, wenn es kein Halt der NOB in Glückstadt gibt", sagte er zur anstehenden Abstimmung im Landtag. Er plädierte sogar: "Wir schreiben neu aus und die nordbahn bekommt eine Entschädigung."

Kai Vogel (SPD) aus Pinneberg bekannte offen: "Der Gestaltungsspielraum ist eng. Den NOB-Halt hinzuzukaufen, wird irre teuer." Diese Gelder woanders wegzunehmen, könne nicht im Interesse der Bürger sein.

Bernd Voß (Grüne) aus Nortorf bei Wilster, plädierte dafür, dass die NOB weiter in Glückstadt hält: "Glückstadt darf nicht schlechter gestellt werden."

Oliver Kumbartzky (FDP) hatte sich morgens selbst an die Bahn in Glückstadt gestellt und festgestellt, wie überfüllt die Züge sind. "Die Marschbahn muss weiter halten", erklärte der Brunsbütteler. "Ich erwarte aus Kiel ein Bekenntnis zum Standort Glückstadt."

Dr. Patrick Breyer (Piraten) stellte sich auch auf Seiten der Glückstädter: "Wir müssen mit der nordbahn sprechen." Es müsse ein finanzieller Ausgleich gefunden werden. "Zwei Halte der NOB in Glückstadt reichen mir nicht." Das jetzige Angebot müsse erhalten bleiben. "Und das müssen wir uns Geld kosten lassen."

Flemming Meyer(SSW), der aus Flensburg-Handewitt angereist war, wollte keine Zusagen machen. Seine Kernaussage: "Nicht alles ist möglich." Zudem verwies er auf den "katastrophalen Zustand" der Bahnstrecke Flensburg-Hamburg.

Staatssekretär Dr. Frank Nägele machte den Pendlern wenig Hoffnung. "Wir haben 2012 den Zuschlag an die nordbahn erteilt mit dem Wissen, dass die Züge 13 Jahre fahren." Er verwies darauf, dass die nordbahn in dem Wissen Züge herstellen lässt und dass das Unternehmen Planungssicherheit brauche. Der Staatssekretär lobte aber die Arbeit der Glückstädter Lutz Thieme und Heiko Schlüter, die "kluge Hinweise" geben. Dafür dankte er. Zudem nahm er Bernhard Wewers in Schutz, der "gute Arbeit leiste". Er müsse an das ganze Land denken, erklärte Dr. Nägele zudem. Seine Botschaft war letztlich: "Wir können heute nichts verkünden."

Bernhard Wewers, Chef der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) wiederum erklärte: "Der neue Fahrplan ist in der Qualität besser." Zudem erwähnte er, dass es am Nachmittag ein Gespräch mit Lutz Thieme gab. Der Pensionär ist Berater der Stadt Glückstadt in Bahnangelegenheiten. Es sei vereinbart worden, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. "Wir geben es nicht auf."

Lutz Thieme (Pro Bahn) bedauerte: "Es ist schade, dass wir heute keine Lösung präsentieren können."

Aus dem Publikum gab es viele Statements. Dr. Siegfried Hansen (Piraten Glückstadt) betonte, dass die Bahnstopps wichtig seien für die gesamte Entwicklung der Stadt. In Hinblick auf geplante Baugebiet am Molenkiekergang, sagte er: "Sie werden keinen Hamburger überzeugen können, hier zu bauen." Sein Appell an das Podium war: "Treten Sie in die Koalition der Vernunft ein."

Stefan Goronczy (FDP-Ortsvorsitzender) verwies auf die Probleme, die Pendler künftig vor allem morgens und abends mit den Verbindungen haben werden. 500 000 Euro würden eingespart durch den Wegfall der NOB-Stopps, rechnete er vor. Und im Zuge der Ausschreibung sei es gelungen, 20 Millionen Euro einzusparen. Das sei im vergangenen Jahr öffentlich gemacht worden. Mit dem Geld werde der Ausbau an anderer Stelle finanziert. Als Beispiel nannte er die Vorortbahn in Rendsburg.

Heiko Schlüter, Bahn-Experte und Pendler, sprach von 18 Prozent Glück städtern, die täglich pendeln. "Damit toppen wir Heide und Itzehoe." Zudem ging er auf die Streckenbeiräte ein, zu denen er früher gehörte, die es aber seit 2008 nicht mehr gibt. "Wenn Sie uns die Planungen vorgestellt hätten, hätten wir sie diese den Politikern rechtzeitig um die Ohren gehauen."

Paul Roloff (SPD-Fraktionsvorsitzender aus Glückstadt) erinnerte daran, dass 2000 Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren in Glückstadt verloren gingen. Deshalb sei eine gute Anbindung um so wichtiger.

Jörn Ehlers zeigte sich geschockt, dass die nordbahn einen Exklusivertrag für 13 Jahre hat. Diese Bahn werde an jedem Bahnhof halten. "Damit degradieren Sie uns zur Milchkanne." Strukturpolitisch sei dies unverantwortlich.

Lutz Eichel wertete die Aussagen von Bernhard Wewers als "Bullschitt". Er erklärte dass die Züge spätestens ab Tornesch "rappelvoll" sind.

Heiko von der Lieth wand sich ebenfalls an die Verantwortlichen in Kiel: "Es ist eine Frechheit, wie Sie uns ausspielen", sagte er zu den Einwendungen, wenn Glückstadt Geld bekomme, müsste es woanders eingespart werden.

Zu Wort meldete sich auch Thomas Wolf, Geschäftsführer der "nordbahn": "Wir sind bereit Lösungen zu finden. Ich brauche aber Planungssicherheit."

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