Itzehoe : Noah, der Vogelpapa

Stündlich gibt es Futter: Noah Lohse mit den Vogelbabys.
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Stündlich gibt es Futter: Noah Lohse mit den Vogelbabys.

Ein 14-Jähriger versorgt in Itzehoe verlassene Jungvögel.

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31. Juli 2015, 05:00 Uhr

Itzehoe | Bei Noah piept es. Und das gleich dreistimmig. Ein Zufall machte den 14-Jährigen zum Vogelpapa – jetzt opfert der junge Itzehoer einen Großteil seiner Sommerferien für die Aufzucht der hilflosen Nestlinge.

Als Noah Lohse am ersten Ferientag die Hecke im Garten seiner Mutter schnitt, entdeckte er ein Vogelbaby auf dem Boden. Beherzt griff der Schüler zu und rettete das kleine Tier zunächst einmal vor Katzen und Raubvögeln. Der Anruf bei einer Tierärztin brachte ihm die Telefonnummer von Kirstin Zoller ein. Die Naturschützerin aus Raa-
Besenbek kennt sich mit der Aufzucht von Wildvögeln aus, seit sie 2011 ihre erste elternlose Schwalbe hochgepäppelt hat. Ein Besuch bei ihr brachte Noah wichtige Tipps und Material für die ersten Tage mit seinem Schützling, den er „Greeny“ taufte – anfangs ging Kirstin Zoller noch davon aus, dass es sich um einen Grünfinken handelte.

Noahs Mutter hatte unterdessen das Nest mit vier weiteren Vogelbabys entdeckt. Die fünf Geschwister bezogen ein Nest mit Wärmeplatte in Noahs Zimmer. Seit einer Woche steht im Lerchenfeld eine stündliche Fütterung auf dem Programm – die erste morgens um halb acht, die letzte gegen neun Uhr am Abend. Eigentlich ist Noah ein Nachtmensch – „in den Ferien schlafe ich selten vor drei“, dennoch erfüllt er seine neuen Pflichten sehr gewissenhaft. Allerdings musste Noah auch schon Rückschläge hinnehmen. Bereits am zweiten Tag lag einer der winzigen Vögel tot im Nest, wenige Tage später ging ein weiterer ein. Der kleine „Hope“ hatte die vegetarische Vogelbabykost, die Kirstin Zoller empfohlen hatte, nicht vertragen. Zu diesem Zeitpunkt war man noch davon ausgegangen, dass es sich bei den Küken entweder um Grünfinken oder Stieglitze handelt – beide werden fleischlos aufgezogen.

Sofort stellte Noah die Ernährung um und verwöhnt seine drei verbliebenen Zöglinge seitdem mit schockgefrorenen und anschließend in heißem Wasser eingeweichten Insekten. Mit der Schere zerlegt er die Heimchen in schnabelgerechte Häppchen. Anhand eines Lockrufs erkennen die drei Küken ihn und sperren die Schnäbel auf, sobald er das Zimmer betritt. „Die sind schon sehr auf mich geprägt“, sagt Noah. „Deshalb kann sie auch niemand anders füttern.“ Tagesausflüge oder Kinobesuche sind also bis auf Weiteres gestrichen.

Mittlerweile haben „Greeny“, „Ilchy“ und „Lucky“ einen Flaum, der stark auf Blaumeisen hinweist. Wenn sie flügge werden, ziehen sie um in einen Kellerraum, den Noah und sein Vater mit Tüchern und Decken auslegen. Hier können sie das Fliegen üben, ehe es zum ersten Mal in den Garten geht. Kirstin Zoller rechnet damit, dass die Jungmeisen dann bis zu drei weitere Wochen immer wieder ihren Ziehvater anfliegen und sich Futter abholen werden. Der
14-Jährige hofft, dass sie danach fit sind für den Vogelalltag sowie sicher vor Nachbars Katze. Und Noah braucht dann erstmal Ferien.

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