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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 12:44 Uhr

Itzehoe : Nikolaus nimmt Abschied

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Seit 1997 ist Dieter Boos mit Mitra oder Zipfelmütze unterwegs – jetzt geht er in den Ruhestand.

von
erstellt am 03.Dez.2015 | 17:24 Uhr

Er hat das Weihnachtsmann-Gen. Schon der Dieter Boos’ Großvater verwandelte sich Jahr für Jahr in den bärtigen Gesellen. Als 1997 seine Enkeltochter geboren wurde, nahm Dieter Boos die Tradition auf. Eine befreundete Schneiderin nähte das Kostüm, das danach Jahr für Jahr verbessert wurde. Denn wenn Dieter Boos etwas macht, dann macht er es richtig. Jetzt gibt er den Job aus gesundheitlichen Gründen auf.

Akribisch sammelte er alles, was er in Zeitschriften über Adventsbräuche und den Weihnachtsmann finden konnte und klebte es in seine großen roten Weihnachtsbücher – natürlich selbst gebunden und mit eigenen Zeichnungen verziert. So holte er sich immer wieder Anregungen. Als er zum Beispiel Bilder aus Emden sah, wo Sankt Nikolaus nach Vorbild des katholischen Bischofs unterwegs war, erweiterte der Itzehoer seine Rolle: Er besorgte sich bei einem Ausstatter der katholischen Kirche in München ein echtes Bischofs-Gewand samt Mitra und zog fortan auch am 6. Dezember los.

Der eigene Verwandten- und Bekanntenkreis war natürlich längst nicht mehr genug. Viele Jahre gehörte Dieter Boos mit seinen Engeln – und teilweise sogar mit Kutsche – in der Adventszeit zum Itzehoer Stadtbild. In der Druckerei Prinovis und auf Schloss Breitenburg war er ebenfalls unterwegs. Und auch im Klinikum war er seit 2003 ein gern gesehener Gast. Als Dieter Boos kannten ihn dabei natürlich nur Eingeweihte. Für die kleinen und großen Patienten war er am 6. Dezember der Nikolaus und am Tag vor Heiligabend der Weihnachtsmann, wenn er von Station zu Station zog.

„Ich war voll drin“, sagt der 79-Jährige lachend. Die leuchtenden Kinderaugen seien immer das Schönste für ihn gewesen. „Selbst Jungen und Mädchen, die gerade frisch operiert waren, waren hellwach, wenn ich ins Zimmer gekommen bin“, erzählt er. „Und selbst die, die eine große Klappe hatten, waren plötzlich brav.“ Auch die erwachsenen Patienten seien alle stehen geblieben, wenn er mit dem Schlittenwagen vorbei gekommen ist. Nur zu gerne hätte Dieter Boos seine Rolle noch ein paar Jahre länger ausgefüllt. „Es tut weh. Ich bedauere es sehr, dass ich es nicht mehr machen kann“, sagt er. Denn nur allzu oft schlage er die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er „Kollegen“ sieht – „mit Jeanshose und Turnschuhen unter dem Mantel“.

Deshalb wurde natürlich auch der Nachfolger im Klinikum, der vorerst anonym bleiben will, mit Kenner-Blick geprüft und mit dem höchstmöglichen Lob versehen: „Das ist ein guter Weihnachtsmann!“

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