zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 08:48 Uhr

Stipendien : Nicht nur für Einserkandidaten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zahlreiche Stiftungen bieten finanzielle und inhaltliche Förderung von Schülern an. Gymnasiastin Sena Sahin profitiert in vieler Hinsicht.

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 17:00 Uhr

Sena Sahin hat nie Langeweile: Wenn sie nicht gerade in der Schule sitzt oder über ihren Hausaufgaben brütet, dann engagiert sie sich ehrenamtlich. Als Streitschlichterin und Schülerlotsin war die 16-Jährige bereits aktiv, gab Deutschkurse für Flüchtlinge und half in den Einrichtungen der Awo. Auch im Vorstand der örtlichen Moschee arbeitete sie mit. Seit sie im vergangenen Herbst von der Regionalschule in die elfte Klasse des Detlefsengymnasiums wechselte, lässt sie es ein bisschen ruhiger angehen und konzentriert sich auf das Lernen. Große Hilfe ist ihr dabei ein Stipendium, durch das ihr finanzielle Unterstützung, aber auch Möglichkeiten zur Weiterbildung gegeben werden.

„Grips gewinnt“ heißt das Programm, in das Sena als einzige Glückstädterin im September vergangenen Jahres aufgenommen wurde. Ihre erster Eindruck: „Das Programm bringt mich weiter. Ich bekomme viele neue Kontakte und kann etwas lernen.“ Als Neuling wurde sie zunächst zu einem Kennenlern-Seminar eingeladen, bei dem sie auf die anderen 110 Stipendiaten ihres Jahrgangs traf. Die Veranstaltung fand im niedersächsischen Drochtersen statt. Die Fahrtkosten wurden ihr bezahlt.

Aus einer Reihe von vielen weiteren freiwilligen Kursen und Seminaren hat die Schülerin bereits zwei für sich ausgewählt: Im Dezember nahm sie an einem Rhetorik-Seminar in Hamburg teil („Da habe ich für Vorträge in der Schule wertvolle Tipps bekommen“), und derzeit absolviert sie einen zweimonatigen Englisch-Sprachkurs ebenfalls in Hamburg.

„Grips gewinnt“ stellt ihr jeden Monat einen Betrag von 150 Euro zur Verfügung, den sie beispielsweise in Bücher, Kultur, Sport oder Sprachreisen investieren darf. Ihre Ausgaben muss sie in einer Tabelle festhalten. „Im Moment bezahle ich meine Nachhilfe-Stunden davon“, sagt Sena, die zwar auf ihrem letzten Zeugnis einen Einser-Durchschnitt hatte, in Mathe und Englisch aber noch besser werden möchte.

Aufmerksam wurde sie auf das Schülerstipendium durch die Glückstädter Integrationsbeauftragte Katharina Schmidt. Für die Bewerbung im Frühjahr vergangenen Jahres musste Sena einige Formalitäten erledigen. Nachdem sie ihre Unterlagen per Post verschickt hatte, wurde sie zu einem Bewerbungsgespräch nach Hamburg eingeladen. „Im Gespräch wurden dort einige Angaben aus meiner Bewerbung hinterfragt.“ Schwierig sei das Verfahren aber nicht gewesen, sagt Sena, die gerne weitere Schüler ermutigen möchte, sich für die Förderung zu bewerben: „Alle denken, dass man für ein Stipendium wahnsinnig intelligent sein muss. Aber bei ‚Grips gewinnt‘ gibt es zum Beispiel keine Notenvorgaben.“

Das Programm ist ein Angebot einer Hamburger und einer Stuttgarter Stiftung. Daneben existieren zahlreiche weitere Fördermöglichkeiten für Schüler (siehe Info-Kasten). Jedes der Förderprogramme hat meist eine spezielle Ausrichtung, etwa für Kinder aus sozial-schwachen Familien oder aus Familien mit Migrationshintergrund. „Wir können grundsätzlich jeden ermutigen, sich dort zu bewerben“, sagt Alexandra Brüggemann, Regionalkoordinatorin der Initiative Arbeiterkind in Kiel.

Die Initiative Arbeiterkind hat sich mit dem Ziel gegründet, dem Nachwuchs aus Familien mit nicht akademischem Hintergrund zu einem Studium zu verhelfen. Auf ihrer Homepage gibt sie eine Übersicht über die wichtigsten Fördermöglichkeiten für Schüler. „Es werden nicht nur Einserkandidaten angesprochen, sondern zum Beispiel auch Schüler mit hohem sozialen Engagement“, sagt Brüggemann. Das Info-Telefon der Initiative helfe gerne, das richtige Förderprogramm für einen Schüler zu finden.

Auch Jasper Kock, Studienrat am Detlefsengymnasium, würde sich wünschen, dass mehr seiner Schüler gefördert werden. Er empfiehlt: „Die Schüler sollten sich zunächst an ihren Lehrer wenden und nachfragen.“

Infos:

Die Bewerbungsfristen für Schülerstipendien sind meistens im Frühjahr. In der Regel ist ein aktuelles Zeugnis, ein Nachweis über das Familieneinkommen, ein ausführlicher Lebenslauf und das Gutachten eines Lehrers zur Bewerbung notwendig.

Das Schülerstipendium

grips gewinnt

ist ein gemeinsames Programm der Joachim Herz Stiftung und der Robert Bosch Stiftung. Gefördert werden talentierte, engagierte Schüler, die ihr Abitur oder ihre Fachhochschulreife machen möchten, dabei aber Hürden zu überwinden haben – zum Beispiel finanzielle Probleme in der Familie, sprachliche oder kulturelle Hindernisse. Die aktuelle Bewerbungsphase läuft noch bis zum 15. März.


Das

Start-Schülerstipendium

richtet sich an Jugendliche mit Migrationshintergrund, die eine weiterführende Schule besuchen und ihr Abitur machen möchten. Eine Bewerbung ist in der Zeit vom 1. Februar bis zum 1. März möglich.

Das Programm

Studienkompass

unterstützt Schüler aus Familien ohne akademische Erfahrung bei der Aufnahme eines Studiums. Das dreijährige Förderprogramm baut Hemmschwellen für die Aufnahme eines Studiums ab und unterstützt bei der Studienwahl. Bewerbungen sind ab dem 2. Februar möglich für Schüler, die im Jahr 2017 Abitur machen.

Der

Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds

fördert Schüler ab der 8. Klasse des Gymnasiums. Voraussetzung ist, dass entweder eine soziale Notlage der Familie oder eine nachgewiesene Hochbegabung vorliegen, die eine besondere Förderung des Kindes notwendig machen. Eine Bewerbung ist jederzeit möglich.

Eine Übersicht über Fördermöglichkeiten gibt es auf www.arbeiterkind.de. Die Mitarbeiter helfen auch weiter unter der Telefonnummer 030/679672750.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen