Nicht gesucht und doch gefunden

Der  Altar im Zentrum.
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Der Altar im Zentrum.

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08. Januar 2011, 03:59 Uhr

Schmedeswurth | Es begann mit einem spontanen Urlaub in Frankreich, im August 1980. Dass sich danach sein Leben völlig verändern würde, hat Emanuel Segebrecht nicht erwartet. "Freunde fragten mich, ob ich mit an den Atlantik möchte, das war wie Urlaub. Und auf einmal befanden wir uns inmitten rot-gelb gekleideter Menschen. Halb Tibet war da", erzählt Segebrecht rückblickend seinen ersten Kontakt mit dem Buddhismus. "Wir haben dort eine Ermächtigung erhalten, wir waren direkt mit dem Buddha verbunden. Das war die größte Übertragung, die es im tantrischen Buddhismus gibt", sagt er. Der tantrische Buddhismus, auch Diamantweg genannt, ist einer von drei Wegen, wie die Buddhisten sagen, und zugleich der höchste.

Doch wie fühlt sich eine solche Übertragung an, die Segebrecht erlebt hat? "Das ist ganz verschieden", erzählt seine Frau Marliese Bassen. "Die einen sehen Licht, die anderen Farben und manche auch nichts." Vor der Reise habe er sich nicht mit der Religion beschäftigt. "Auf der Suche nach irgendetwas war ich, aber ich habe nicht gezielt gesucht und es trotzdem gefunden." Zurück in Auenbüttel gründet Emanuel Sege brecht das Buddhistische Zentrum: Ein kleiner Raum mit traditionellem Altar und Rollbildern geschmückt, ausgestattet mit Stühlen, Kissen und Tisch und einem großen Fenster mit Blick auf die Stupa draußen.

Bei dieser Übertragung in Paris lernte Emanuel Segebrecht "einen verrückten Busfahrer" kennen, wie er selbst sagt, der einen Bus voller Dänen nach Frankreich fuhr. Ole Nydahl ist heute der Lehrer von Emanuel Segebrecht und seiner Frau. Nydahl sei der erste westliche Schüler des 16. Buddha Gyalwa Karmapa gewesen und hat seit 1972 weltweit rund 600 buddhistische Zentren gegründet, heißt es im allgemeinen Infoblatt des Zentrums in Dithmarschen.

Ole Nydahl lehrte Segebrecht Grundbegriffe des Buddhismus und das wohl

wichtigste Gesetz von Ursache und Wirkung. "Das muss man anerkennen. Man hat nicht das Schicksal, sondern kann es jederzeit ändern", erklärt Emanuel Segebrecht. Die Buddhisten glauben, dass durch Reinigung, der Meditation, das Schicksal beeinflusst und der Geist von alter Last aus früheren Leben befreit werden kann. "Die Bewusstseinserweiterung kommt aber erst mit der Zeit", sagt er.

Die Theorie, dass der Geist oder wie seine Frau es nennt - der Bewusstseinsstrom - weiterlebt und in unserem Körper einen zeitweisen Raum gefunden hat, sieht er darin bestätigt, dass man in Begegnungen mit scheinbar Fremden auf Anhieb Sympathien und "alte Vertrauensverhältnisse empfindet, die man sich nicht erklären kann. Ebenso mit den Antipathien. "Das liegt an alten Verbindungen, weil man sich eigentlich schon aus früheren Leben kennt", erklärt der 60-Jährige.

Für ihn selbst, so Segebrecht, hat sich sein ganzes Leben verändert. Nicht nur, dass er Dinge aus dem Alltag mit anderen Augen betrachtet, weil sich viele scheinbare Streitereien in Nichtigkeiten vertun oder er seine Frau durch den Buddhismus vor 14 Jahren kennen lernte. Für ihn habe sich auch die Sicht auf sein Leben verändert. "Ich arbeite nicht für ein fernes Leben, sondern mir geht es auch jetzt hier und heute schon besser, deshalb mache ich das auch." Mit Meditation morgens und abends reinigt er seinen Geist.

Das hohe Ziel eines Buddhisten: Durch Meditation sämtliche Schleier zu

verlieren und zur Erleuchtung zu gelangen, eins mit allem zu sein. Ob das innerhalb eines Lebens gelingt, weiß Segebrecht nicht. "Bisher hat das nur einer geschafft."

Wer einmal in das familiäre buddhistische Zentrum kommen will und sich einen Eindruck verschaffen mag, ist herzlich dazu eingeladen. Immer dienstags ab 20.30 Uhr treffen sich die derzeit rund sechs bis zehn Mitglieder zwischen 25 und 75 Jahren im Stupa-Haus, Auenbüttel 8. Auch zu Vorträgen laden

Segebrecht und seine Frau regelmäßig anerkannte Buddhismus-Lehrer aus aller Welt ein. Der nächste Vortrag ist am 19. Januar um 20 Uhr im Landhaus Gardels in St.Michaelisdonn. "Da besteht dann hoffentlich auch keine Schwellenangst, die vielleicht manche Interessierte haben. Denn wir wohnen nun ja hier auch", sagt Marliese Bassen. Im Landhaus sei das öffentlicher und so hoffen beide auf viele Besucher, wenn der polnische Gast Wojtek Tracewski nach Dithmarschen reist. "Wir haben auch immer wieder internationale Lehrer hier, um den Menschen zu zeigen, dass das keine Erfindung des kleinen Dorfes hier ist", erzählt Segebrecht. "Wir kommen völlig ohne Dogmen aus, wir müssen auch nicht an die Wiedergeburt glauben aber wir gehen von dem Gesetz der Ursache und Wirkung aus." Und das sei einleuchtend, denn ein Auto fahre ja erwiesener Maßen nicht, wenn man Wasser in den Tank füllt.

Wie frei sie in und mit ihrer Religion umgehen, zeigt auch ihre Art Weihnachten zu feiern. "Das gibt es im Buddhistischen ja nicht aber wir feiern es als christliches Fest", erzählt Marliese Bassen. Und wenn sich Silvester alle ein Frohes Neues Jahr wünschen, geben die beiden sich das Versprechen zum Wohle aller zu Wirken, dann wieder nach buddhistischem Brauch.

Infos im Internet unter: www.buddhismus- dithmarschen.de

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