ISIT Itzehoe : Nicht beliebt, aber notwendig

Eigenbau: Sascha Mühlmann an der von ihm entwickelten Maschine zur Inspektion von Glaswafern.
Eigenbau: Sascha Mühlmann an der von ihm entwickelten Maschine zur Inspektion von Glaswafern.

Sascha Mühlmann arbeitet am Fraunhofer-Institut in der Qualitätskontrolle und spürt kleinsten Fehlern bei der Chip-Produktion nach.

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10. Juli 2018, 05:00 Uhr

Innovationsraum? Das sind die Gebäude hinter der Brücke an der Autobahnabfahrt Itzehoe-Nord. Mehr wissen die meisten nicht über die boomende Hightech-Region der Stadt. In loser Folge stellen wir Beschäftigte und ihre Arbeitsfelder vor.

Für etwas Romantik ist immer Raum, auch an einem Hightech-Arbeitsplatz. Daher heißt die Maschine im Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (Isit), die Sascha Mühlmann entwickelt hat, AS1 – schließlich war seine Frau Andrea beteiligt. Sie ist am Isit in der Galvanik beschäftigt, er in der Qualitätskontrolle. Und er ist ein Mann (fast) der ersten Stunde.

Mühlmann wurde in Salzgitter geboren, studierte an der Technischen Universität Braunschweig Elektrotechnik, wechselte dann zur Mikrosystemtechnik an die Fachhochschule Lübeck. Warum? „Es klang interessant“, sagt der 49-Jährige. Diese Fachrichtung sei im Kommen gewesen und in Lübeck gerade aufgebaut worden. Als eine von vier studentischen Hilfskräften, die aus Lübeck pendelten, kam Mühlmann ans Isit. Man schrieb das Jahr 1995, „hier war noch Bauphase“.

Der Übergang zur Diplomarbeit am Isit sei dann nahtlos gewesen – eine passende Formulierung, denn das Thema der Arbeit war Aufbau- und Verbindungstechnologie. Beschäftigt war Mühlmann dann aber bald in der Labormesstechnik. Software und Elektronik sind eher sein Ding als die physikalischen und chemischen Prozesse der Mikrochip-Herstellung:

Die Wafer – Scheiben aus Silizium oder Glas –, auf denen die Chips hergestellt werden, brauchen eine genaue Kontrolle: Gibt es winzige Kratzer oder Schmutz? Hat im Produktionsprozess alles funktioniert wie geplant? Für die Qualitätskontrolle nutzt Mühlmann ein automatisches Mikroskop. Aus den vielen Aufnahmen des Geräts ergibt sich eine Karte mit Qualitätsmerkmalen. Diejenigen Chips unter den vielen Bauteilen auf einem Wafer, die fehlerhaft sind, markiert das Gerät mit Tinte. Beim Zersägen des Wafers werden sie automatisch aussortiert.

Viel Zeit verbringt Mühlmann bei der Datenauswertung im Büro, relativ wenig arbeitet er in der extrem sauberen Atmosphäre des Reinraums. Gut so, findet er: Gegen die Lautstärke trägt der Itzehoer Kopfhörer, die Schutzkleidung stört ihn ohnehin etwas. Die penible Kontrolle wiederum sei gerade für die experimentierenden Kollegen eher nervig: „Man ist auf jeden Fall eine unbeliebte Instanz“, sagt Mühlmann – lächelt aber dabei. Natürlich sind seine Hinweise für die jeweiligen Abteilungen wichtig.

Der Weg zur Arbeit ist nicht weit: Mühlmann wohnt mit Frau und Sohn Fritz (7) seit 2005 in der Edendorfer Straße. Alles dicht beieinander und ein Hightech-Arbeitgeber in einer Stadt wie Itzehoe, „besser kann man es nicht haben“, sagt er. Mit einem Freund ist er auf dem „Astronomie-Trip“. Das Ziel sind gute Fotos aus dem All, auch da müsse er basteln mit Software und Elektronik.

So wie für die Maschine AS1 im Isit. Bei einer Pilotfertigung von Glaswafern musste inspiziert werden, „dafür habe ich die Maschine entwickeln dürfen“, sagt Mühlmann. Inzwischen aber würden die dort kontrollierten optischen Bauelemente, mit denen Kurzsichtigkeit korrigiert wurde, nicht mehr benötigt. AS1 ist im Ruhestand.

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