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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 12:22 Uhr

„Neuverschuldung unverantwortlich“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gemeinschaftsschüler diskutieren kontrovers über den Bau eines Skaterparks am Colosseum

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 18:01 Uhr

„Nicht Fässer abfüllen, sondern Feuer entfachen“, dieser Meinung ist Politiklehrer Rainer Papke. Mit einer hitzigen Debatte über den Bau eines Skateparks in Wilster zeigten seine Schüler aus der 10b der Gemeinschaftsschule Wilster den Referendaren und zukünftigen Lehrern, wie man den Politikunterricht versüßen kann. „Ich finde es langweilig, die ganze Zeit Gesetzestexte et cetera im Unterricht auswendig zu lernen, viel wichtiger ist es, sich eigene Meinungen zu bilden und sich aktiv am Geschehen zu beteiligen“, Maria Birner (Parteivorsitzende der Sozialen Partei).

Drei Parteien traten gegeneinander an, die ganze Debatte wurde vom Bürgermeister Niklas Grünberg (Ökologische Offensive) geleitet. Die Freie Union stellte einen Antrag zum Bau eines Skateparks auf dem Colosseumsplatz in der beschaulichen Kleinstadt Wilster mit rund 4500 Einwohnern. Es wurden umfangreiche Gründe für eine Investition genannt, wie etwa der demographische Wandel. Das Projekt umfasst eine Eislaufbahn, eine Halle für Indoorskating, eine Adventurebahn und viele weitere Skateparcours.

Erstaunlicherweise hatten bislang nur drei Mitglieder aus der Freien Union (10 Sitze) einen Skatepark besucht, der Rest noch nie. Man wolle die Stadt mit dem Bau attraktiver machen, denn „Stillstand ist Rückschritt“.

Dies war für die Oppositionsparteien Ökologische Offensive (6 Sitze) und Soziale Partei (9 Sitze) kein guter Vorschlag, sie hatten Bedenken etwa beim Kostenvolumen von rund 500  000 Euro, beim Bau von Parkplätzen usw. Ferner müsste auf traditionelle Feste auf dem Colosseumsplatz verzichtet werden und andere Fraktionsmitglieder sorgten sich um die Ruhe in der Stadt.

Ein vorgesehenes Sparprogramm, um die Gelder für den Skatepark in die Kasse zu bekommen wurde nach heftiger Kritik abgelehnt. „Eine Neuverschuldung wäre unverantwortlich und Einsparungen im Kindergarten oder in Bildungseinrichtungen sind nicht hinnehmbar, außerdem hat jedes Kind einen Anspruch auf einen Platz im Kindergarten oder in der Schule“, so der Bürgermeister.

Sina Möller (Parteivorsitzende der Ökologischen Offensive) machte sich Sorgen um die Wählerstimmen der Freien Union, sie bezeichnete das Projekt als „rentnerfeindlich“, außerdem machte sie klar, dass sie die Rentner nicht vertreiben wolle. Eine Wassertemperatursenkung im Hallenbad um vier Grad, die als Sparmaßnahme vorgesehen war, sei eine unzumutbare Einsparmöglichkeit und gegen den Willen der Rentner. Letztlich würde das Hallenbad vermutlich sogar geschlossen werden müssen, um den Skatepark zu ermöglichen. Sie ist der Auffassung, dass der Skatepark nur wenige Jugendliche ansprechen werde.

Hinzu kommt, so sagte der Bürgermeister: „Wir können unserer Nachbargemeinde Brokdorf keine Konkurrenz mit einer Eislaufbahn machen, auch der Energieverbrauch wäre viel zu hoch“. Durch Zusammenarbeit der Ökologischen Offensive mit der Sozialen Partei wurde der Antrag der FU abgelehnt. Die komplette Freie Union zeigte sich Kompromissbereit, aber wie es in der Politik so üblich ist, entscheidet die Mehrheit.

Die Atmosphäre in der Wolfgang-Ratke Schule war sehr gemütlich, die Schüler fühlten sich nicht bedrängt von den etwa 20 Lehreranwärtern. Obwohl die Schüler wussten, dass es eigentlich keinen Fraktionszwang geben darf, wurde deutlich, dass die Abgeordneten aus „Fraktionsdisziplin“ keine abweichenden Positionen bezogen.

Die Debatte als Möglichkeit den WiPo-Unterricht lebendig zu machen, ist bei den Referendaren wahrscheinlich sehr gut angekommen. Auch wenn die Situation nur simuliert wurde, waren alle Schüler ernsthaft dabei und hatten so trotzdem viel Spaß. Nun kommen vielleicht neue Lehrer an Schulen, die einen lebendigen Unterricht durchführen werden.

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