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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 16:11 Uhr

Migration : Neuseeländer im Behörden-Dschungel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jobcenter und Arbeitsagentur fühlen sich nicht für Einwanderer Tyrone Clark zuständig

shz.de von
erstellt am 25.Nov.2015 | 17:08 Uhr

Das hätten sich Aske Stolley aus Kremperheide und ihr Freund Tyrone Clark aus Neuseeland anders vorgestellt: Auf der Suche nach einem Arbeitsplatz in Deutschland wurde der 31-Jährige zwischen Jobcenter und Agentur für Arbeit hin und her geschickt – ohne einen Job zu erhalten. Diesen fanden die beiden schließlich durch Eigeninitiative.

Bei einer Auslieferung für die Firma seines Vaters lernte der gelernte Karosseriebauer in Christchurch (Neuseeland) vor einem Jahr Aske Stolley aus Kremperheide kennen. Sie war auf „Work and Travel“-Tour und arbeitete in einer Bar. Nachdem Aske Stolley zurück in Deutschland war, um ihr Studium als Logopädin aufzunehmen, kam Tyrone im September hinterher. „Wir haben gedacht, wir erhalten von den Behörden Unterstützung auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Aske Stolley. „Wir wollten keine Leistungen erhalten, sondern Informationen und einen Überblick, welche Chancen er hätte als Karosseriebauer auf dem Arbeitsmarkt hätte“, erzählt die Kremperheiderin. Unterstützung gab es nicht. „Wir haben erst gar keinen Termin bekommen. Uns wurde nur gesagt, er habe keinen Anspruch auf Hartz IV.“ Für einen Bürger eines EU-Landes – der Neuseeländer hat auch einen britischen Pass – sei das Jobcenter nicht zuständig.

„Wir sind dann zur Agentur für Arbeit geschickt worden“, so Aske Stolley. Dort gab es zumindest einen Termin für ein Vermittlungsgespräch. Als das Paar diesen verschieben wollte, hieß es plötzlich auch bei der Agentur für Arbeit man sei nicht zuständig. Auf die Nachfrage im Jobcenter, warum er dort geführt wird, erhielt Stolley die Auskunft, weil er gemeinsam mit ihr in einem Haushalt wohne und sie Bafög bekomme. Ihn aus der Datei beim Jobcenter zu löschen, was die Voraussetzung für die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit geschaffen hätte, sei allerdings nicht möglich, weil er ja gar keine Leistungen erhalte. „Ich habe insgesamt sechs Stunden dort für Informationen verbracht, die ich nie erhalten habe“, klagt die junge Frau. „Da möchte jemand arbeiten und es wird ihm nicht geholfen.“

Schließlich haben Tyrone Clarke und Aske Stolley die Sache selbst in die Hand genommen – und sind bei einem Autobetrieb in Kellinghusen fündig geworden. Nach einer Zeit Arbeit auf Probe gab es für den Neuseeländer sogar einen Festvertrag. Dabei stellte sich heraus: „Der Betrieb hat seit drei Jahren jemanden wie ihn gesucht“, so Aske Stolley. Über die Jobbörse der Agentur für Arbeit war genau so eine Fachkraft ausgeschrieben worden. „Wenn wir nicht selbst aktiv geworden wären, hätte Tyrone immer noch keinen Job und die Firma in Kellinghusen keinen Mitarbeiter.“

Der 31-jährige Karosseriebauer führt inzwischen sogar zwei Auszubildende in ihren Job ein. Zudem geht regelmäßig zur Volkshochschule, um Deutsch zu lernen und auch die letzten Sprachbarriere zu überwinden.

„Die Zuständigkeiten zwischen Arbeitsagentur und Jobcenter sind klar definiert. Wenn Kunden hin und her geschickt werden und dadurch Wartezeiten und Unannehmlichkeiten entstehen, bedauern wir dies sehr“, sagt Monika Schmudde, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit. Kunden sollten solche Fälle konkret bei den Mitarbeitern ansprechen – gegebenenfalls auch bei der zuständigen Führungskraft. Grundsätzlich, so erklärt Schmudde, biete die Arbeitsagentur allen Personen, die einen neuen Arbeitsplatz suchen, Unterstützung und Beratung durch die Vermittlungsfachkräfte an. „Das Jobcenter hingegen berät und unterstützt alle Personen, die Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beziehen, bei der Arbeitssuche.“ Bei Bedarfsgemeinschaften, bei denen eine Person aufgrund der Staatsangehörigkeit keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II hat – dies sind sehr seltene Konstellationen – ist die Agentur für Arbeit der richtige Ansprechpartner bei der Arbeitssuche.

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